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Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer
 
 
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Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer [Gebundene Ausgabe]

Volker Braun
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 221 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (15. September 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518420275
  • ISBN-13: 978-3518420270
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 12,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 407.346 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Volker Braun
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Werk läßt sich mit Genuss verschlingen und bleibt doch öfter im Halse stecken, so zur Kenntlichkeit entstellt sind in der Satire die Ereignisse. Ungerechtigkeit und Ungleichheit hat der Autor lyrisch und prosaisch oft angeklagt, doch nie so zornig und sprühend vor Sprachlust wie hier. ... Wer weiß, ob Volker Braun nicht doch manchen Deutschen aus seinem Tumbheitsschlaf aufwecken kann. Zu welchem Ende? Das Buch lässt es offen. Jedenfalls hat das Schwank-Schlacht-Fest das Zeug zum Volksbuch, zumal sein Gegenstand so bald nicht aus der Welt sein wird.«
(Rolf-Bernhard Essig Die Zeit )

»Ein hinreißendes Beispiel für die Fähigkeit der Literatur, Funken aus der Spannung zwischen aktuellen Stoffen und alten Formen zu schlagen. Denn Flick von Lauchhammer sieht zwar ganz schön alt aus, ist aber nicht von gestern. ... Schon Die vier Werkzeugmacher, denen Volker Braun vor gut einem Jahrzehnt ein Nachwendedenkmal gesetzt hat, waren Wiedergänger gewesen, die in viel älteren Sprachschichten wurzelten, während sie durch die Gegenwart zogen. Flick von Lauchhammer ist, genau wie sie, eine Gegenfigur zum Hamlet-im-Frack-Typus der Aktualisierung alter Modelle. Er ist nicht etwa eine alte Figur, die jemand in neue Kleider gesteckt hat. Er ist eine gegenwärtige Figur, die im Sprachkleid einer alten Figur steckt und deren Aktualität erweist. Denn der Schelm ist in Krisen-, Kriegs- und Übergangszeiten in die neuzeitliche Literatur gekommen.« (Lothar Müller Süddeutsche Zeitung )

»Ein eminent virtuoses Sprachkunststück« (Neue Zürcher Zeitung )

»Lohnende Lektüre!«

(Straßenfeger )

Kurzbeschreibung

In einer Gegend, die es "hinter sich hat", ist Meister Flick unter die Arbeitslosen geraten. War er einst bei Havarien im Tagebau der Niederlausitz gefragt, wird er jetzt, mit 60, auf dem Amt vorstellig. Bereitwillig übernimmt er jeden Auftrag: Abfallbeseitigung in den Gruben, Museumswärter und sonstige 1-Euro-Jobs. Wird er nicht vermittelt, beschäftigt er sich selbst und nimmt einem Bautrupp die Schaufeln ab, setzt bestreikte Werkhallen in Gang oder hilft einer Frau beim Sterben. Wurde Flick früher zu Unfällen gerufen, führt er selbst jetzt die Katastrophen herbei. Trotz bester Absicht füllt sich sein Schichtbuch mit seltsamen Einsätzen: Die Arbeitswelt, in der er seinen Platz sucht, gibt es nicht mehr. Begleitet wird er von Luten, seinem Enkel und Gegenpart, der die Arbeit nicht gerade erfunden hat. Flick von Lauchhammer rennt in 48 Schwänken gegen die globalen Windräder an: ein komisch-philosophisches Schelmenstück in der Welt der "Arbeit nach der Arbeit“, eine moderne Donquichotterie und große und heiter glänzende Literatur.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
DON QIUCHOTTE VON DER LAUSITZ 24. November 2009
Von Ulrich Gellermann TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Da war mal Arbeit. Da wurden die Winterschlachten der DDR geschlagen. Brigadiere setzten Brigaden ein, monströse Maschinen förderten Braunkohle und die Helden der Arbeit wärmten die Stuben der Menschen und die Herzen der Funktionäre. In diesem Stück Lausitz, rund um Lauchhammer, hat Volker Braun seine Helden entdeckt: Flick und seinen Enkel, die sorbische Ausgabe von Quichotte und Sancho Pansa, die auf der Suche nach der verlorenen Arbeit durch den Abraum stolpern und in die neuen Seen des abgesoffenen Tagebaus tauchen. "Machwerk" hat Braun sein Buch genannt und das Werk ist gut gemacht.

Das Schichtbuch des Flick von Lauchhammer, so schreibt sich der Untertitel des Machwerk, ist ein einziger großer Gesang, ein klingender, rhythmischer Sprachteppich, ausgebreitet von einem, der Wörter in die Hand nimmt, sie seziert, um sie neu zu fügen und in ihnen andere Bedeutungen zu entdecken: "Da ergab sich in der Bekümmernis - die mein ganzes Kümmern ist - eine Gelegenheit, die wir nicht vorbei gehen lassen an unseren Leuten" skandiert der Autor und lehrt den Flick das Arbeitsamt kennen und den Ein-Euro-Job und das ganze andere Elend, wo dem doch das halbe schon gereicht hätte.

Es ist eine Art Phantom-Schmerz, der den Flick antreibt: Die Arbeit hat man ihm genommen, ihm, der doch berühmt war für seine Einsätze im Produktionskrieg, dem Kampf um höhere Arbeitsproduktivität, der verloren ging wie die gesamte DDR. Und weil der Erfinder des Mannes aus Lauchhammer von luzider, produktiver Intelligenz ist, hat er ihm den Namen des anderen Flick übergeworfen wie ein Narrenkostüm: Jenes Friedrich Flick, dem die Braunkohlegruben rund um Senftenberg durch Arisierung zugefallen waren und der dann bald, im Lauchhammer-Werk, an die Tausend KZ-Häftlinge, für täglich 250 Gramm Brot, 5 Gramm Fett und einem halben Liter Suppe, zu Tode beschäftigte.

Kaum zufällig lässt Braun seinen Flick einen Job als Museumswärter im "Hamburger Bahnhof" aufnehmen, jenem Berliner Tempel zeitgenössischer Kunst, in dem auch die Sammlung des Friedrich Flick Enkels, Friedrich Christian Flick, ein warmes Plätzchen gefunden hat. Und weil Flick von der Lausitz, seinem Kollegen von der Mancha hierin ähnlich, der ausgestellten Kunst mit unverstellter Naivität begegnet, versucht er eine Skulptur "künstlich zu beatmen (nachdem es künstlerisch nicht gelungen war)" und fliegt aus diesem Arbeitsersatz in einen anderen. Dass ihm der Dichter einen Einsatz gegen Windräder verordnet, "die auf dem gubener Landrücken standen" ist der deutlichste Gruß an Cervantes.

Wer annehmen wollte, Braun würde der Nostalgisela, dem Zwillingspferd der Rosinante, die Sporen geben und die untergegangene DDR zum zweiten Tode loben, der irrt. In einem Dialog mit einer alten Sorbin lässt er den Flick über die "Werktagskinder" denken, jenes Geschlecht das noch ausreichend Arbeit kannte und weiß über das Volkseigentum: "Unentwegt, sie sprachen ja nur davon! Es war ihnen gleich. Sie haben sich nichts daraus gemacht. Sie haben es nicht besessen." Das war es: Herrenloses Eigentum, heute versunken. Wie die Arbeitsgeräte im "Bernsteinsee", einem gefluteten Tagebau, dessen Name für die neue Freizeitromantik steht, das Lausitzer Seenland.

Zwei arbeitslose Generationen - der alte Flick der Arbeit noch kannte und der Enkel, der Arbeit nie kennen lernte - lässt Braun durch eine globalisierte Welt wandern, die Wanderarbeiter kennt und Arbeit, die weggewandert ist. In ferne Länder, in denen nun unsere alte Arbeit wohnt doch ohne die Kenntnis der Arbeiter von Arbeitsschutz und Gewerkschaft, vom Unten, das dem Oben auf die Finger gucken muss, wenn es überleben will. Wenn Braun uns auf diesem Weg einen "Interim Manager" vorstellt, einen der Firmen saniert, indem er Menschen rausrationalisiert, dann gibt er Hinweise auf den Weg, auf dem die Arbeit scheinbar unwiederbringlich verschwunden ist.

Volker Braun hat ein kluges und vergnügliches Buch geschrieben, dessen Sprachrätsel zu gesellschaftlichen Lösungen treiben sollen. Und weil er manchmal das Sprachspiel zu weit treibt ("Elise, eh Lise, Liebste!") will ich mich ein wenig rächen: Hie und da lauert kahl der Kopf in seinem Buch, einen Witz zu erhaschen. Ein Kapitel über die Calauer darf deshalb im "Machwerk" nicht fehlen. Der Ort stirbt aus, weil die Jungen wegziehen, in den Westen, nun werden keine Calauer mehr gemacht.
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