Wer selbst schon einmal das Glück hatte, die Ruinen von Machu Picchu mit eigenen Augen zu sehen, der stellt sich zwangsläufig die bis heute nicht gänzlich geklärte Frage, welchen Zweck die lange Zeit unentdeckte Inka-Stadt erfüllt haben mag. Wer nun denkt, er könnte eine Antwort hierauf durch diesen Reisebericht des Entdeckers der Ruinen, Hiram Bingham, erhalten, der wird eher enttäuscht werden. Die Entdeckung seines Lebens machte Bingham beinah im Vorübergehen, während er eigentlich auf der Suche nach anderen verlorenen Stätten der letzten Inka-Herrscher war, dementsprechend schnell wird dieses Kapitel hier auch abgehakt. Der Bericht hat lediglich in den letzten Kapiteln die Entdeckung Machu Picchu's zum Thema, insgesamt nimmt dieser Part also nur einen recht geringen Teil des Buches ein. Der Rest besteht aus nicht minder spannenden Erzählungen über die Besteigung des Coropuna, die Erforschung des Paricanochassees, sowie vieler weiterer Stationen im Verlauf seiner Reise durch das gesamte südliche Peru, wobei ein Schwerpunkt insbesondere auf dem Andenhochland um die Inka-Hauptstadt von Cusco herum liegt. Nebenbei erfährt man einige historische Hintergründe, vor allem über die Geschichte der letzten Inkas, die für Bingham den ursprünglichen Antrieb für seine Reise darstellten.
Hin und wieder merkt man sehr deutlich, dass es nicht die pure Abenteuerlust war, die den Autor auf seinen Reisen getrieben hat, sondern dass alle Entdeckungen immer auch durch ein nicht unerhebliches wissenschaftliches Interesse begründet waren. So lenken einen nicht selten lange Beschreibungen über Anbautechniken auf Terrassenfeldern, die wohl nur Agrarwissenschaftler interessieren dürften, genauso ab wie bildlich sehr schwer vorstellbare Erläuterungen der Ruinen. Hinzu kommt, dass die Kapitel aus welchem Grund auch immer nicht in zeitlicher Reihenfolge gegliedert sind, sondern immer wieder hin- und hergesprungen wird.
Empfehlenswert ist das Buch all denjenigen, die ein ausgeprägtes Interesse an Peru sowie an der untergegangenen Inka-Kultur haben. Ebenso ist das Buch geeignet für Peru-Reisende, die bereits erlebte Erinnerungen wieder aufrufen wollen, da man bei manch einer Schilderung den Eindruck hat, dass sich in der ein oder anderen abgelegenen Ecke des Landes in den letzten 100 Jahren gar nicht so viel geändert hat.
Nicht wirklich zu empfehlen ist dieser Bericht hingegen Lesern, die lediglich einen x-beliebigen Reisebericht lesen wollen in der Hoffnung, Anreize für ein neues Reiseziel zu finden. Dazu ist das Buch in vielen Teilen zu "wissenschaftlich" geschrieben. Außerdem gibt es in der National Geographic-Reihe einige andere Titel, die diesen Zweck weitaus besser erfüllen.