"Dem entspricht die Grundlinie dieses Buches. Es ist optimistisch und konstruktiv und widerspricht der destruktiven Grundeinstellung der heute führenden Eliten." - dies schrieb Albrecht Müller in der Einleitung zu seinem Buch "Die Reformlüge". Leider muss man sagen, hat Herr Müller genau diese positive Grundeinstellung nicht in sein Buch "Machtwahn" "hinüberretten" können. Aber man muss auch sagen - wiederum leider -, dass er allen Grund dazu hat, dies zu unterlassen.
In seinem 350 Seiten-Buch geht es um die schleichende Ent-Demokratisierung, die Ent-Solidarisierung und die zunehmende Verwahrlosung unserer Gesellschaft durch Kommerzialisierung, aber auch um die "Verflechtungen" (damals hieß das Korruption) von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Nachteil des großen Teils der Bevölkerung. Nach und Nach entlarvt Albrecht Müller die Einseitigkeit der derzeitigen politischen Debatte und zeigt, wie die (völlig wirkungslosen) Reformen begründet und dem Bürger aufgedrängt werden - "natürlich" zu unser aller "Vorteil" - gegen den Willen der Mehrheit. Auch zeigt er auf, was dabei für unsere Politiker rausspringt (nicht selten stolpern gerade die Erfolglosen die Karriereleiter nach oben ...). Und nicht zuletzt kriegen auch die Medien ihr Fett weg, die statt selbstständigem Journalismus zu betreiben nur noch die Agitationen bestimmter Gruppen und Verbände (z.B. der INSM) übernehmen und unkritisch reflektieren. All diese Dinge sind nicht nur bloße Behauptungen Müllers, sondern werden mit ausreichend Argumenten und Beispielen belegt, wobei er einen sehr angenehmen und leicht lesbaren Schreibstil hat. Allerdings gibt es meinerseits auch Kritikpunkte: Zum einen der schon erwähnte negative Grundtenor, der zwar angebracht aber nicht geeignet ist, um dem Leser Mut zu machen und Vertrauen in die Zukunft zu fördern (wie Herr Müller das in seinem Buch Reformlüge gefordert hat). Im letzten Kapitel schreibt er zwar etwas darüber, dass wir uns als Bürger wehren sollten, aber mMn kommt das ganze viel zu kurz um es richtig Ernst zu nehmen (dennoch möchten ich jedem wärmstens die Nachdenkseiten empfehlen). Der zweite Negativpunkt ist folgender: Man kann während des Lesens durchaus den Eindruck gewinnen, das es nur einen Albrecht Müller an leitender staatlicher Stelle geben müsste, damit es dem Land und den Bürger wieder besser geht. Diese Intention ist vom Autor sicherlich nicht beabsichtigt, dennoch vermittelt er manchmal den Eindruck, als seien unsere Probleme ganz einfach zu lösen.
Ich hab also überlegt, ob ich dem Buch 4 oder 5 Sterne gebe. Da ich es aber besser als Jürgen Roths "Der Deutschland-Clan" finde und für die zahlreichen Gedanken wider dem Mainstream und medialen Einheitsbrei dankbar bin, sind es 5 Sterne geworden. Aber letztlich sollte es jeder lesen und selbst entscheiden. Einmal eine andere als die täglich übliche Sicht wird sicherlich nicht schaden!