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Macht und Politik sind nicht dasselbe [Broschiert]

Diotima
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Kurzbeschreibung

24. Mai 2012
Besonders in Italien, aber nicht nur dort werden Politik und Macht ständig verwechselt. Es herrscht Unklarheit über die Unterschiede. Durch diese Verwirrung wird Politik beschädigt und lächerlich gemacht. Haben wir es heute mit dem endgültigen Rückgang der Politik zugunsten einer staatlichen Macht zu tun? Einer Macht, die zum bloßen Instrument der stärksten ökonomischen Kräfte geworden ist? Die italienische Philosophinnengruppe Diotima stellt dies in Frage. Die Diotima-Frauen halten es für eine oberflächliche Betrachtungsweise, wenn für das gegenwärtige Elend der Politik lediglich der Machthunger bestimmter Personen und Einrichtungen verantwortlich gemacht wird. Einen wichtigen Grund für die politische Misere sehen sie darin, dass feministisches Denken von den Parteien weitgehend ignoriert worden ist. Diotima sucht nach Möglichkeiten, wie die Politik wieder aus ihrer Ohnmacht herauskommen könnte. Dabei behält sie aber eine distanzierte Haltung zu den Mitteln der Macht.

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Produktinformation

  • Broschiert: 193 Seiten
  • Verlag: Ulrike Helmer (24. Mai 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3897413388
  • ISBN-13: 978-3897413382
  • Originaltitel: Potere e politica non sono la stessa cosa
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 14 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 491.679 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Die DIOTIMA-Philosophinnen haben einen Ansatz des Denkens und der Politik entwickelt, in dem die Auseinandersetzung mit der Sprache und mit den Beziehungen eine zentrale Rolle spielt.

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5.0 von 5 Sternen Neue Gedanken zu Macht und Politik 17. März 2013
Das von der Libreria delle Donne di Milano verfasste Buch Wie weibliche Freiheit entsteht (Berlin 2001, zuerst 1988) gilt als das Manifest des italienischen Differenzfeminismus. Macht und Politik sind nicht dasselbe ist nun die vierte größere Buchpublikation der italienischen Philosophinnengruppe diotima aus Verona, die auch in dieser theoretischen Tradition steht. 1999 erschienen die beiden Bände Jenseits der Gleichheit: die weiblichen Wurzeln der Autorität und Die Welt zur Welt bringen: Politik, Geschlechterdifferenz und die Arbeit am Symbolischen. Bereits 1989 war in Österreich der Titel Der Mensch ist zwei: das Denken der Geschlechterdifferenz von diotima publiziert worden.
Zentraler Ausgangspunkt der diotima Gruppe ist es, dem eigenen Begehren zu folgen, sie nennen es oftmals „von sich selbst ausgehen“. Frauen sollen sich aufeinander beziehen, und zwar schöpferisch, sollen ihre Ungleichheiten anerkennen, sich miteinander anfreunden und „anvertrauen“ (affidamento), anstatt dem Patriarchat und den in ihm geltenden Mustern und Wertungen hinterherzulaufen.
Auffallend an den Texten aus diesem Zusammenhang ist die schöne und anregende Sprache. Sie ist ungewohnt und teilweise sicher auch unzugänglich, aber mit der neusten Publikation liegt zum Beispiel ein feministisches Buch vor, in dem kein einziges Mal „queer“ oder „gender“ steht!!
Dorothea Markert und Antje Schrupp, die beiden Übersetzerinnen, konstatieren in ihrem Vorwort, dass Politik keinen guten Ruf habe und es nun gelte, die Politik aus ihrer Ohnmacht zu befreien, auch wenn weiterhin eine generelle Skepsis daran, wie derzeit regiert werde, berechtigt sei. Bei Regierung allerdings gehe es um Macht (als in Institutionen gegossene Regeln), Politik dagegen finde überall statt, in Vereinen und Familien, am Arbeitsplatz oder in Projekten. Das Ziel emanzipatorischer Politik könne und solle es allerdings nicht sein, schlechte Institutionen zu verbessern oder sie für Frauen zu öffnen. Vielmehr müsste eigene, „weibliche“ Maßstäbe für weibliche Freiheit entwickelt werden.
Die italienischen Autorinnen schreiben in ihrem Vorwort, das, wie die folgenden Beiträge des Buches vor der „post-politischen“ Situation Italiens zu lesen ist, dass das Kleben an Macht heute bei vielen, vor allem Männern, ein Ersatz für reales Handeln sei und Ursache für das „Elend der Politik“, und speziell der Parteien, deren mangelnde Auseinandersetzung mit dem feministischen Wissen und dem feministischen Diskurs sei. Wer muss bei diesen Sätzen nicht an die Situation und die Defizite der LINKEN denken?
Luisa Muraro schreibt dann in ihrem Beitrag darüber, dass die Logik der Macht immer auf Kosten des freien und schöpferischen Handelns gehe, ja, dass es ein Zeichen für den Wunsch nach Politik sei, wenn Frauen die Politik, die im Zeichen von Wettbewerb und Macht steht, ablehnen würden.
Diana Sartori plädiert für ein „Mehr an Politik und ein weniger an Macht“, und benutzt das gut zu behaltende Bild „Politik sei heute eine Wüste, die Macht ihre Fata Morgana“. Sie ordnet den affidamento-Ansatz ein, wenn sie von zwei Definitionen von Feminismus berichtet. Ist Feminismus zu beschreiben „als Emanzipation im Namen des Universalismus der Rechte, in deren Verlauf das, was die Männer bereits besaßen, auf die Frauen ausgedehnt wird, also als eine Forderung nach Macht“? oder stellt er das Streben nach Macht und die an diesem Modell orientierten Politiken in Frage?
Giannina Longobardi berichtet von ihrem Arbeitsplatz, einer Schule. Dort gebe es weibliches Personal und eine männliche Leitung. Die Anstrengungen die Schulen immer stärker zu ökonomisieren, seien durch stillen Widerstand und ein System von Vortäuschungen konterkariert worden, indem „nicht über das gesprochen wird, was man tut, und nicht das getan wird, was man sagt“. Diese vorgetäuschte Anpassung und einige andere Faktoren führten aber zu einem Verlust an persönlicher Autorität, die für gewinnbringende Beziehungen oder eine „gute Arbeit“ aber grundlegend seien. Longobardi beschriebt ebenso Strategien der Spaltung „von oben“: „Wer unter Beschuss steht, sagt es nicht, wer es sagt, riskiert Isolation“.
Fulvia Bandoli beginnt ihren Artikel über Parteien und Macht mit dem Satz „Ich kenne mich mit Parteien aus, denn ich habe dreißig Jahre lang in einer Partei gearbeitet.“ Parteien suchten, so die Autorin, nicht die Teilhabe aller, könnten die Freiheit des Denkens und Konflikt nicht ertragen, da sie große, hierarchische Ansammlungen seien, die ohne Verankerung und vor allem in und durch die Medien existierten.
Antonella Cunico berichtet unter dem Titel „Für eine Andere Stadt“ über die seit 2006 agierende Protestbewegung gegen den Bau einer neuen Militärbasis auf einem Flughafen in Vicenza. Cunico kann gut zeigen, wie wichtig es ist, im Protesthandeln zu betonen, dass das Verändernde stärker sein muss, als die bestehende Ordnung, wie wichtig es weiter ist, auf „die Worte zu achten“ und (möglichst) keine Begriffe zu verwenden, die aus der Kriegssprache stammen. Sie zitiert die schwarze Feministin Audre Lorde: „Man kann das Haus des Herrschers jedoch nicht mit den Werkzeugen des Herrschers abreißen“. Eine soziale Bewegung müsse immer wieder darauf insistieren, dass ein Übergang zwischen dem, was schon entschieden ist, und dem, was noch nicht ist, gefunden werden kann.
Chiara Zamboni fordert in ihrem schwer zugänglichen, philosophischen Beitrag – unter Berufung auf Gandhi – dass politische Aktionen „wahrhaftige und authentische Handlungen“ sein sollten und nicht nur ein instrumenteller Schritt zur Stärkung der eigenen Seite. Die Demokratie habe heute vergessen, wie wertvoll ein Verständnis von Konflikt als etwas unblutigem sein könne. Weibliche Souveränität könne dazu beitragen, „geordnet zu sein“, was nicht bedeute, dass es keine Konflikte mehr gibt. Im Konflikt wäre hilfreich, darauf zu achten, und hier muss man unweigerlich wieder an die LINKE denken, „dass dafür Kompetenz und symbolische Stärke erforderlich sind, die aus der Fähigkeit hervorgehen, in Übereinstimmung mit der Realität Orientierung zu geben“.
Die Texte dieses Buches bieten viele Anregungen und neue, ungewohnte Perspektiven. Da die Texte von ungewohnten Grundannahmen aus argumentieren, sind sie aber nicht immer leicht zu verstehen. Wer/welche sich Mühe gibt, wird aber belohnt werden. Die Thesen wirken manchmal etwas banal oder auch naiv, etwa wenn sie gedanklich mit den Bedingungen einer voll ausgereiften Zivilgesellschaft (das heißt Hegemonie, gepanzert mit Zwang, Gramsci) konfrontiert werden. Für die Begründung einer alternativen politischen Kultur liefern sie aber, wie diejenigen anderer AutorInnen, wichtige Impulse.

Dieser Rezensionstext erschien zuerst auf "mehring1", dem Blog des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa Luxemburg Stiftung.
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4.0 von 5 Sternen Impulse feministischer Philosophie aus Italien 8. September 2012
Hannah Arendt (1906-1975), deutsche Philosophin und Schülerin von Martin Heidegger, schrieb seinerzeit vom Freiheitsraum der Politik. Diese Gedanken prägten das "Große Seminar" der Philosophinnen-Gemeinschaft Diotima aus Verona/Italien im Jahre 2008, dass im vorliegenden Band in deutscher Sprache dokumentiert wird. Das Spannungsfeld von Macht und Politik liegt hierbei im Fokus der noch von Berlusconi geprägten Situation, einer von korrupten Strukturen ausgehöhlten Demokratie. Die Diskussion über Macht und Politik in diesem Band von Diotima ist geprägt von zwei Arten philosophischer Diskurse feministischer Prägung. Die eine ist vom Schreibstil her der akademischen Lehre verbunden und präsentiert die aktuelle philosophische Diskussion (Luisa Muraro, geboren 1940, Diana Sartori, Chiara Zambioni, Annarosa Buttarelli). Hier fällt auf, dass sich eine wichtige Polarität der italienischen Sprache, in der Macht maskulin und Politik feminin sind, nicht ins Deutsche übertragen lässt. Wofür es steht, dass im Deutschen beide Worte feminin sind, lässt sich hier nicht verfolgen. Der lange Artikel von Diana Sartori enthält ein Glossar der wichtigen Begriffe, wobei sie auf die Differenz der Geschlechter im Zusammenhang der Frage nach Macht und Politik eingeht ("Phänomenologie, quasi eine Landkarte von Indizien"): Zwecke, Ende, Zweck und Mittel, Objekte, Ideale, Orte, Zeiten, Fähigkeiten, Rationalität, Ontologie, Praxis, Grenzen, Recht und Rechte, Wirksamkeit und Vorhersehbarkeit, Subjekt (politische Anthropologie), Tugenden, Körper, Sexualität, Begehren, Ängste, Empfinden, Genuss, leidenschaftliche Anhänglichkeiten.
Die zweite Gruppe von Aufsätzen dieses Buches stellt die Polarität von Macht und Politik auf feministischem Hintergrund in gesellschaftliche Berufs- und Arbeitsfelder hinein, in der handelnde Personen auf den Einfluss von Macht und die Wirkung von Politik hinweisen.
Gianna Longobardi (geboren 1947) stellt die Erfahrungen an der Schule in den Mittelpunkt und warnt vor Rationalisierungen der Pädagogik, bei denen der Anspruch auf „Mütterlichkeit“ auf der Strecke bleibt.
Fulvia Bundoli (geboren 1952) ist Politikerin der demokratischen Linken und Abgeordnete. Sie berichtet aus ihrer Erfahrung über die Möglichkeiten und Grenzen der Parteien.
Antonella Cumico hat an der Platzbesetzung in Vincenca gegen einen neuen US-Militärstützpunkt teilgenommen, bei der eine Frauengruppe gegründet worden ist. Diese Gruppe vermittelte zwischen gemäßigten Aktivisten und radikaleren Besetzerinnen und Besetzern und befürwortete einen "Schritt zur Seite".
Christina Faccincani ist Psychiaterin und berichtet über die Rolle der Macht in Übertragungen während der Therapie und beschreibt deren familiären und meist patriarchalen Hintergrund.
In der philosophischen Praxis von Diotima ist ein lebendiger Dialog zwischen Theorie und Praxis zu Hause, der hier dokumentiert worden ist. In diesem Dialog wird nach der Rolle der Geschlechter gefragt, aber ohne diese Frage zu verselbstständigen. Die Politik ist eine Frage von Beziehungen, die einen Freiheitsraum ermöglichen. Die Anwendung von Macht ist damit nicht vereinbar. Das feministische Interesse nach Beziehungen legt die Machtstrukturen in der Einbindung in patriarchalen Interessen offen. Obwohl das Buch nicht leicht zu lesen ist und biografische Informationen über die Autorinnen fehlen, ist die dargebotene Diskussion unverzichtbar.
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