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Produktinformation
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Kagans Argumentationsstrang sieht wie folgt aus: Seit dem Ersten Weltkrieg ist die militärische Abhängigkeit Europas von den USA ständig gewachsen. Das Ende des Kalten Krieges hat dieses Ungleichgewicht vergrößert. Denn die (West-)Europäer haben ihre Verteidigungsarmeen nicht zu mobilen Eingreiftruppen umgebaut, geben zu wenig Geld für Rüstung aus und zu viel für den Sozialstaat. Zwar hat sich Europa als Folge der furchtbaren Weltkriege von Machtpolitik verabschiedet. Europas heute zur Schau gestellte Toleranz sei jedoch kein Ergebnis der Geschichte, sondern ein Zeichen der Schwäche, wozu Kagan auch das multilateralistische Engagement für Völkerrecht und Vereinte Nationen zählt. Der US-Unilateralismus verkörpere hingegen faktische Stärke, eine lange Ära amerikanischer Hegemonie stehe bevor.
Sicher: Die Freundschaft zu den mächtigen USA stärkt Europa. Deshalb kann Amerika aber keinen Freibrief für militärische Interventionen erwarten. Es darf niemand ausschließen, dass Frieden durch Verhandlungen erreicht und Stabilität durch behutsame Annäherung geschaffen werden kann. Auch nicht alle politischen Beschwichtigungsversuche waren historische Fehlschläge, wie Kagan zu glauben scheint. Zudem ist es fraglich, ob islamische Länder demokratisiert werden können wie einst das nationalsozialistische Deutschland nach 1945. Genauso könnte massiver militärischer Druck weltweit israelische Verhältnisse hervorrufen. Und wo die einen an europäische Schwäche glauben, sehen andere übertriebene US-amerikanische Furcht.
Robert Kagan schreibt in seiner Streitschrift über die USA: "Insofern die Amerikaner an Macht glauben, sehen sie darin ein Mittel zur Förderung der Prinzipien einer freiheitlichen Gesellschafts- und Weltordnung. Sie nehmen für sich nicht das Recht des Stärkeren in Anspruch." Mal sehen. Und hoffentlich entpuppen sich vermeintlich erlegte Bären nicht als zahnlose Wölfe. --Herwig Slezak
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Wäre sie auch, findet Kagan, ist sie aber nicht. Die Europäer haben sich in 40 Jahren kaltem Krieg und Zusammenraufen so daran gewöhnt, sich gegenseitig nett zu behandeln und nicht im Wechsel der Jahreszeiten den Krieg zu erklären, dass sie glauben, die ganze Welt wäre so wie sie. Sie halten die UN für eine demokratische Institution, setzen auf Kooperation, wirtschaftliche Zusammenarbeit und dergleichen mehr, was sich bei der EU-Schaffung bestens bewährt hat.
Und im Bosnienkrieg halt eben nicht. So gründlich wie die EU-Länder haben sich selten andere blamiert. Die seltsame Mischung aus Großmäuligkeit, Inkonsequenz, Zugeständnissen und Halbherzigkeiten deutet Kagan als ein Symptom europäischer Ratlosigkeit: Europäer haben sich so sehr an die europaweit funktionierenden Systeme gewöhnt, dass sie fassungslos sind, wenn sie sich woanders nicht bewähren. Weil Europa im allgemeinen gar nicht mehr die Mittel habe, mit Krieg zu drohen, befasse man sich auch hauptsächlich mit Problemen, die irgendwie mit Finanzpflastern und Abkommen zu regeln sind. Das sind aber nur einige.
Und nach Meinung der USA sind es nicht die größten. Die Wahrnehmung von Problemen ist jenseits des Atlantiks eine andere. Sich um die Krisen dieser Welt zu kümmern, gilt als spezifisch amerikanische Aufgabe - auch bei Europäern. Dass Bosnien und Kosovo ohne amerikanisches Eingreifen nicht mal die heutige Ruhe hätten, wenn die Europäer sich weiter allein darum gekümmert hätten, ist leider nur allzu offenkundig.
Kagan analysiert die seltsame Mischung aus idealistischen und realpolitischen Motiven, die die Außenpolitik der USA bestimmen. Nach seiner Ansicht ist es vor allem das militärische Machtgefälle, das die Wahrnehmung diesseits und jenseits des Atlantiks bestimmt. Dazu kommt, dass die Europäer sich hauptsächlich mit ihresgleichen beschäftigt haben - und die USA auch, vor allem, mit Ländern, mit denen Bündnisse und Abkommen stets eine ziemlich wackelige Angelegenheit waren.
Wie man vor diesem Hintergrund so etwas wie eine westliche Wertegemeinschaft erhalten kann, warum beide Seiten des Atlantiks einander brauchen, aber auch wo Gefahren der europäischen Realitätsverweigerung und der amerikanischen Alleingangsmentalität liegen, zeigt Kagan verständlich, pointiert und klar auf. Das vermutlich intelligenteste Buch zum Thema „Transatlantik" - für politisch Interessierte ein Muss.
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