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Die Macht in der Mitte Europas
 
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Die Macht in der Mitte Europas [Taschenbuch]

Gregor Schöllgen


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Gregor Schöllgen
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Kurzbeschreibung

Das Thema hat Tradition und ist doch höchst aktuell. Welche Rolle spielt Deutschland in Europa und in der Weltpolitik, welche Rolle soll es spielen? Gregor Schöllgen skizziert in seinem Buch zentrale Stationen deutscher Außenpolitik von Friedrich dem Großen bis zur Gegenwart. Seine glänzend formulierten Betrachtungen über "Die Macht in der Mitte Europas" sind zugleich eine Einführung in die Grundprobleme deutscher Außenpolitik.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

"7. 'Kontrollierte Abrüstung'.

Konrad Adenauer, der Kalte Krieg und die Entspannungspolitik

Die Jahre nach der bedingungslosen deutschen Kapitulation und damit der Beendigung des Krieges in Europa waren eine Zeit wachsender Spannungen zwischen den vormals gegen Hitler alliierten Mächten. Ihnen konnte sich auch und gerade ein Land wie die im Mai 1949 gegründete Bundesrepublik nicht entziehen. Immerhin war sie selbst ein Produkt dieses 'Kalten Krieges', dem sie gleichsam ihre Existenz verdankte. Der für die Erkaltung des Klimas Hauptverantwortliche war aus der westlichen, auch aus der Bonner Sicht dieser Jahre rasch ausgemacht und eindeutig identifizierbar. Es war die Sowjetunion bzw. 'Sowjetrußland', wie der erste, stark durch das Erlebnis des Ersten Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit geprägte Bundeskanzler, Konrad Adenauer, zumeist sagte. Für ihn und wohl auch für die Mehrzahl seiner westdeutschen Landsleute gab es angesichts dieser Lage keine Wahl: Man mußte sich als z uverlässiges Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft profilieren. Die Alternativen waren entweder unrealistisch oder unannehmbar. Diese Erkenntnis wiederum schloß die Bereitschaft ein, sich an der Verteidigung des eigenen Landes und damit der westlichen Gemeinschaft zu beteiligen. Adenauer jedenfalls hatte da keinen Zweifel.
Vor diesem Hintergrund muß die Beobachtung, daß während eben jener 50er Jahre in seinen öffentlichen Äußerungen die Forderung 'Entspannung durch kontrollierte Abrüstung' auftaucht, zunächstüberraschen. Überraschend ist zum einen die geradezu monotone Penetranz, mit welcher der Kanzler seine Gesprächspartner wie die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit einer solchen allgemeinen 'Rüstungsbegrenzung' hinwies, und zum anderen der politischeHintergrund, vor dem er diese Forderung erhob: Immerhin befand sich die Bundesrepublik nicht nur an der Schwelle zur Wiederaufrüstung; vielmehr wurde in diesem Zusammenhang auch von bundesdeutschen Politikern eine Ausrüstung d er Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen gefordert - wahrlich eine 'groteske Situation', wie sich Adenauer rückblickend erinnerte.
Dieser Befund wirft mehrere Fragen auf. Im Spiegel ihrer Beantwortung gewinnen die Grundfragen deutscher Außenpolitik nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges Konturen. Zu fragen ist, (I) wann und durch welche Umstände veranlaßt der Kanzler in diese 'Situation' geraten ist, (II) wie sein Konzept 'kontrollierter Abrüstung', wenn es denn eines war, aussah und (III) ob es als seriöser und ernstgemeinter Beitrag zur Entspannungsdiskussion der 50er Jahre oder aber als taktisches Manöver zur Durchsetzung zentraler Anliegen seiner Politik zu interpretieren ist. Zur Debatte steht damit der Stellenwert dieser Forderung im Rahmen der außenpolitischen Konzeption Adenauers. Daß die damit einhergehende 'programmatische Kundgabe des Friedenswillens' überdies 'auch innenpolitisch nützlich zu verwenden' war, wie Eugen Gerstenmaier 1978 festgestellt hat, liegt auf der Hand.
Erstmals hat der Kanzler im Bundestagswahlkampf 1953 öffentlich eine kontrollierte Abrüstung gefordert. Im Mai 1955 bezeichnete er dann vor dem Bundestag die Frage der kontrollierten Abrüstung als 'die Schicksalsfrage der Menschheit' und forderte von den 'mächtigsten Ländern der Welt' die kontrollierte Abrüstung in einem solchen Maße, 'daß bei der heutigen territorialen Größe der einander entgegenstehenden Staaten keine Angriffe mehr Aussicht auf Erfolg bieten'. Schließlich nannte er bei seiner ersten Begegnung mit dem französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle im September 1958 die kontrollierte Abrüstung sein 'großes politisches Ziel'. Damit war dann auch schon fast der Scheitelpunkt der Adenauerschen Abrüstungskampagne erreicht, obgleich der Kanzler bis zuletzt an diesem Ziel festgehalten hat.
Insgesamt haben ihn wohl drei Ereignisse bzw. Entwicklungen zu seiner Kampagne bewogen, und zwar die Neuorientierung der westlichen

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