Ulrich Schillers Schilderungen sind hochinteressant und geben interessante Einblicke in die Hintergruende des Kalten Krieges.
Leider sind viele seiner Berichte einseitig und tendenzioes, besonders die Kapitel ueber Tito und Jugoslawien. Schiller investiert sehr viel Energie in die Recherche ueber die Verbindungen des Vatikans zur kroatischen Nationalregierung ("klerikalfaschistisches Regime"). Die Verbrechen Titos an der eigenen Bevoelkerung laesst er dabei ausser acht, die Massker von Titos Kommunisten an den "Weissgardisten" (Domobranzen) und "Blauen" (koeigstreue Tschetniks) in Slowenien und die Massaker an wirklichen oder vermeintlichen Regimegegnern 1942 in Ajdovec und Suhor sowie 1943 in Grahovo, Velike Lasce in der Gottschee und andernorts sind ihm dagegen keiner Erwaehnung wert. Keiner Erwaehnung wert sind ihm auch die Volksdeutschen in Jugoslawien, die von Tito fuer vogelfrei erklaert, massenhaft abgeschlachtet, nach Sibirien deportiert und vertrieben wurden. Da er offensichtlich selbst Schlesier ist dieses Verhalten umso unverstaendlicher.
(Bewusst?) irrefuehrend ist auch die Darstellung des Gedenkens der Kroaten an das Massaker von Bleiburg. Schiller beschreibt das Denkmal in Zagreb, das nur den kroatischen Opfern gewidmet ist. Dabei existiert bereits seit 1987 ein von der kroatischen Regierung in Auftrag gegebenes Denkmal auf dem Bleiburger Feld mit dem Gedenken an alle Opfer.
Einseitig ist auch sein Bericht ueber die USA, vor allem ueber Praesident Reagan. Man kann ueber ihn und seine Politik denken was man will. Es ist aber zum grossen Teil sein Verdienst, dass die Sowjetunion durch entschlossen Hochruesten zum Aufgeben gezwungen wurde. Das schliesst auch SDI mit ein. Die These, dass die Sowjetunion ohne Hochruestung nicht so lange ueberlebt haette teile ich nicht. Immerhin war sie es, die den Westen Ende der 1970er Jahre zum Wettruesten herausgefordert hat.
Letzendlich ist Schiller, wie er das fuer Tito so schoen beschreibt, Gefangener seiner Sozialisierung und Praegung.