Dass Tuba, Harfe und Posaune auch grooven können, beweisen Brandt Brauer Frick mit ihrem neuen Album "Mr. Machine". Die zum Ensemble gewachsenen Shooting Stars lassen die Synthesizer ruhen, um Klassik und Techno zu fusionieren. (Foto: Harry Weber) Voreilig einen Trend auszurufen, kann zwar nicht unbedingt schaden, doch gehören solche Mutmaßungen eher in den semi-präzisen Bereich von gefühlten Temperaturen. Sicherlich wird 2011 nicht als Jahr der Fusion von Techno und Klassik in die Annalen eingehen. Schon in der Vergangenheit suchten zahlreiche Beat-Freunde den Weg ins klassische Terrain. Neben Carl Craig, Max Richter oder Volker Bertelmanns Projekt Hauschka arbeitete die Detroit Techno-Legende Jeff Mills bereits 2005 mit einem Orchester zusammen, um die Demarkationslinie zwischen rhythmischer Beat-Plastik und Akustik zu besetzen. In diesem Jahr zeigten sich bereits die avantgardistischen Arbeiten von Villalobos/Loderbauer sowie Wesseltoft/Schwarz im neo-klassischen Antlitz, ohne dabei den Jazz vollkommen zu vernachlässigen. Auch wenn es noch immer Vorurteile gegenüber club-affiner Musik gibt, die sich der akustischen Instrumentierung bedient, so schlägt das Wahl-Berliner Trio Brandt Brauer Frick ebendiese Richtung ein. Nach ihrem pittoresken Debüt "You Make Me Real" greifen Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick nun zu Piano, Pauke und Posaune. Für die Klassikadaption wuchs ein Ensemble heran, das zehn Musiker umfasst. Das Kollektiv macht Schluss mit der mechanischen Regentschaft und tauft das in fünf Tagen aufgenommen Zweitwerk dennoch "Mr. Machine". Obwohl der Name in die Irre leiten kann, avanciert die LP zum eigenen Lackmustest. Mensch oder Maschine, Elektronik oder Akustik – große Fragen treiben dieses Album an. Brandt Brauer Frick Ensemble – "Pretend" (feat. Emika) Auch wenn die Orchesterwerdung eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten bietet, so bleibt auch das zweite Werk ein im Kern perkussives Hörerlebnis. Keineswegs episch zieht das Tentett seine Arrangements auf, sondern sucht auch im Stillen den großen Knall. Durch Paukenschläge wird "Teufelsleiter" in eine rasante Grundstimmung überführt, ehe Harfe, Tuba und Violine endgültig die Regie übernehmen – Paul Frick, so etwas wie der geheime Dirigent des Ensembles, klingt im Mittelteil gar wie ein verkappter Dave Brubeck. Auch das über acht Minuten lange "You Make Me Real" spielt sich mit Drum-Stick-Beats und aufgeregten Piano-Klängen zu einer beeindruckenden Neuinterpretation auf. Denn gänzlich neues Material wird nicht angeboten: Neben drei Cover-Versionen gibt es zusätzlich vier Songs vom Vorgänger zu hören, etwa das schillernde "Bop". Gehörte das 'Original' gewissermaßen zum Aushängeschild von Brandt Brauer Frick, gelingt es dem Rework nur bedingt den Elan und Esprit aufrechtzuerhalten. Eine harmonische Stringenz und Intensität lässt das Album nur peripher erkennen, da mit "On Powered Ground (Mixed Lines)" und der im Nebel schimmernden Version von Emikas "Pretend" zwei Vocal-Tracks warten, die das Rhythmus dominierte Orchesteralbum ein wenig inkonsistent erscheinen lassen. Dabei arrangiert das Ensemble auf mehreren Ebenen ansehnliche Melodien, die meist durch Repetition angestoßen werden. Dieses Multi-Level-Prinzip erreicht auf "Mi Corazon" einen imponierenden Höhepunkt. Das Intermezzo aus Tuba, Posaune und Klavier formt einen unnachahmlichen Groove. Brandt Brauer Frick Ensemble – "Mr. Machine" (Proben) Das Brandt Brauer Frick Ensemble reproduziert zwar nicht gänzlich seine eigenen Ideen, doch hört sich der Spagat zwischen Avantgarde und Klassik-motiviertem Techno noch ein wenig überambitioniert an. Dass sie die Überfülle der orchestralen Möglichkeiten nicht ausschöpfen, ist nicht als Mangel, sondern als Entschlossenheit zur Filigranität zu deuten. Auch wenn "Mr. Machine" kein Track-Picking-Album ist, funktioniert die LP als Gesamtkunstwerk nur in eingeschränktem Maße. Dennoch stellen die Herren ihr anziehendes Talent für poly-rhythmische Sounds abermals unter Beweis. Auf Platte gut, live sicherlich überragend. Sebastian Weiß VÖ: 21.10.2011 Label: !K7 Records Tracklist: 1. Mr. Machine 2. Bop 3. Pretend (feat. Emika) 4. You Make Me Real 5. Mi Corazon 6. On Powdered Ground (Mixed Lines) 7. Teufelsleiter 8. 606'n'rock'n'roll
Kurzbeschreibung
Brandt Brauer Frick haben wieder zugeschlagen. Im vergangenen Jahr debütierte das deutsche Trio mit dem Album "You Make Me Real", einer Fusion aus Techno und Klassik. Doch Tracks wie "Bop", ein reichhaltiges, polyrhythmisches Gebilde, zeigen, dass es geht. Nun haben Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick ihr genre-bildendes Experiment mit ihrem ENSEMBLE auf ein neues Level gehoben: Die Computer haben sie eingetauscht gegen eine zehnköpfige Band, mit der sie handgemachte Dance-Grooves live spielen können. Wie das klingt, haben sie in diesem Jahr bereits bei der Eurosonic Conference in Holland gezeigt, dann in Coachella, beim Festival Glastonbury, Sonar, North Sea Jazz und Bestival! Der neue, handgemachte Klang wurde nun auf einem brandneuen Album festgehalten. Auf "Mr Machine" reinterpretiert die Band vier Tracks von "You Make Me Real" - "Mi Corazon","Bop","You Make Me Real","und "Teufelsleiter". Dazu gibt es zwei Coverversionen - 'Pretend' von Emika und 'A 606 N Rock N Roll' von James Braun. Zwei komplett neue Tracks runden das Ganze ab. "Mr Machine" ist ein Album, welches das Ensemble in eine Reihe mit so illustren Namen wie Steve Reich und Philip Glass stellt, nur dass sie deutlich mehr Groove besitzen.