Es tut immer gut, die "da oben" eingehend und kritisch zu betrachten. Die "Macher" sind die Vorstände der deutschen Großkonzerne Stand 1999. Ohne, dass Ogger die Crash-Jahre 2000-2002 voraussehen konnte, mahnt er die vielen oft rücksichtslos getroffenen Fehlentscheidungen an, die viele Aktionäre und Arbeitnehmer in den Ruin getrieben haben. Die Fälle Telekom/Voicestream, DaimlerChrysler, die verspielten Lebensversicherungen der Versicherer oder das fehlende Eigenkapital der Banken nach dem Börsencrash und letztlich die massenhaft entlassenen Arbeitnehmer sind nur einige Beispiele.
Auf Basis des Mottos "jeder wird solange befördert, bis er keinen Schaden mehr anrichten kann" nimmt Günter Ogger die Manager auseinander. Die meisten Köpfe haben inzwischen zwar gewechselt, aber Ron Sommer, Rolf E.Breuer, Jürgen Dormann, Eberhard Martini, Kajo Neukirchen usw. sind heute noch bekannte Namen. Das Buch ist flott geschrieben und lässt sich angenehm lesen, verkommt aber leider zu weiten Teilen zu einer Hetz-Parade. Nur deutsche Manager werden kritisiert, Schweizer oder die Amerikaner machen anscheinend ausnahmslos einen guten Job (Ausnahme: Chrysler seit der Übernahme). Wer nichts tut, ist unfähig oder schläft. Wer mit Mergern, Downsizing, Portfolio-Management aktiv ist, betreibt sinnlosen Aktionismus mit Modetrends, die ohnehin nicht von ihm, sondern irgendwelchen Unternehmensberatern stammen?! Auf jeden Fall verdienen alle zu viel. Das ist als pauschale Aussage einfach zu platt. Im öffentlich-rechtlichen Bereich ginge es viel ruhiger zu?!? Ja, leider, Deutschlands Reformstau ist allen bekannt, wie kann man diesen Vergleich anstellen? Im von Ogger erstellten Manager-Ranking bekommt nur Ferdinand Piech die Bestnote 1, aber auch er "taugt nicht als Manager von morgen". Hat hier noch jemand eine Chance?
Manager arbeiten in Netzwerken, treffen sich z.B. in Davos; viele Ideen kommen von Unternehmensberatern, nur: wieso ist das verwerflich? Es ist auch nichts Neues, dass es an der Unternehmensspitze sehr politisch zugeht, die Machtspiele verlaufen wie ehedem an den Könighöfen: Günstlinge, Zögliche, Feindschaften, Intrigen, Ausschaltungen. Das rein Fachliche spielt nur noch eine Teil-Rolle, auch die Kontakte, Einbindung und Kooperation im Unternehmen sind wichtig. Ja, wie seit jeher und wie in jeder kleinen Abteilung setzt sich evtl. der betriebswirtschaftlich schwächere Intrigant durch. Auch die soziale Komponente ist ein Teil der Wirtschaft. Und zur Bewertung einer erfolgreichen Neupositionierung von Hoechst durch Jürgen Dormann oder einer Fusion bzw. Nicht-Fusion fehlt Ogger etwas das betriebswirtschaftliche und strategische Know-how, das pauschale Verreißen der Manager war mir einfach zu platt.
3* gibt es für die an sich gut recherchierten Einblicke in die Vorgänge von Deutschlands Top-Management. Doch Themen wie Wirtschaftskriminalität, Korruption, Fehlinformation der Aktionäre, persönliche Bereicherung, Fehlentscheidungen auf Kosten der Allgemeinheit und Arbeitnehmer und der Werteverfall insgesamt werden nicht deutlich und fundiert genug angeklagt. Ich empfehle zu dem Thema eher die gesamte Palette von Jürgen Roth.