Vielleicht kennen sie dich Geschichte ja noch nicht:
-In einer Gesellschaft kam Mark Twain die Ehre zu, die Gemahlin des Gouverneurs zu Tisch zu führen.
Galant sagte er: "Wie phantastisch sie aussehen, Madame!"
Die verwöhnte Dame entgegnete schnippisch: "Wie schade, dass ich von Ihnen nicht dasselbe sagen kann."
Mark Twain darauf: "Machen sie es wie ich, gnädige Frau, lügen sie."
Man kann vielerlei solcher schöner Pointen in diesem Buch erleben, aber man erhält auch nebenbei immer wieder viele Puzzleteile von Mark Twains Leben und wie es sich zusammensetzte. Die Anekdoten sind chronologisch zu seiner Biographie angelegt. Man erfährt, dass Mark Twain schon im Alter von 11 Jahren lernen musste, dass Flussschiffskapitäne älter sein müssen, dass er eine geregelte Rechtschreibregelung für Unsinn hielt und dass er zwar ein Spaßmacher war, aber sehr stark daran krankte, dass die Welt ihn irgendwann gar nicht mehr Ernst nahm. "Die Wahrheit zu erzählen, dass ist der größte Witz der Welt und das habe ich von ihnen gelernt", schriebt George Bernhard Shaw an Twain und bis heute ist die Aussage untrügliche Wahrheit geblieben.
Ich kann sagen, dass mir das Buch den Menschen Twain wirklich näher gebracht hat, vor allem die Schattenseiten seines Lebens. 3 seiner Kinder starben noch zu seinen Lebzeiten, ebenso wie ein Bruder und seine Frau, diese allerdings im Ausland. Als er mit ihrem Sarg den Ozean zurück überquerte, notierte er für sich: "In diesen 34 Jahren haben wir viele Reisen zusammen gemacht, liebe Livy, und nun machen wir unsere letzte. Du unten, ganz allein, und ich oben, unter vielen Menschen, auch ganz allein." Diese eher schnörkellose Aussage hat mich tief berührt; es steckt sehr viel unmittelbare Nähe darin.
Wenn man ein Leben in Anekdoten schildert, bleibt sicherlich vieles Kleingedruckte auf der Strecke; doch es ist eine interessante und irgendwie menschlichere Art einen Menschen zu betrachten, als durch eine Biographie, die ihn oft entfremden kann.
Letztlich blieb Mark Twain ein Humanist, auch wenn sein Objekt der Mühe ihn sehr mitnahm, so wie es später auch anderen Humanisten (Erich Kästner, Erich Maria Remarque, Walter Benjamin) erging. Doch müde zu scherzen, an der richtigen Stelle, war er nie: Als er 1909 einen Schlaganfall erlitt, witzelte er: "Die Zeitungen sprechen davon, dass ich sterbe. Das ist falsch. ich würde so etwas nie in meinem Leben machen."
Doch schließlich starb er und es gibt nur noch eine Anekdote zu berichten:
"Als plötzlich jemand merkte, dass in Mark Twains Büchern weiße und schwarze Jungen ganz selbstverständlich Umgang miteinander hatten, setzten einige Staaten den "Huckleberry Finn" auf den Index, wo das Buch bis in die 30er Jahre blieb. Dann kam der zweite Weltkrieg, den die USA nicht nur mit vielen schwarzen Soldaten, sondern auch mit der Behauptung führte, einen Kreuzzug gegen den Rassismus der Deutschen zu unternehmen. Daraufhin wurde das Buch wieder gedruckt und Roosevelt, Truman und Eisenhower, drückten das Buch jedem Staatsgast in die Hand.
25 Jahre später viel plötzlich wieder jemandem etwas auf, nämlich das Mark Twain - wie es in seiner Zeit üblich war - von "Niggern" sprach. Wo blieb denn da die political correctness?
Das Buch kam erneut auf den Index, aus genau gegenteiligen Gründen wie 80 Jahre zuvor. Es musste eine Menge argumentiert und prozessiert werden, bevor das nunmehr als rassistisch verschriene Buch wieder in die Regale durfte.
Mark Twain hätte sich im Grabe umgedreht - vor Lachen!