Dem siegreichen Feldherrn Macbeth wird von drei Hexen geweissagt, er würde Than von Cawdor und König von Schottland, allerdings folgten ihm nicht seine Nachkommen auf den Thron, sondern die seines Gefährten Banquo. Macbeth aber ist ein loyaler Untertan seines Königs Duncan und er glaubt, daß der Than von Cawdor lebt, also nimmt er die Prophezeiung nicht sonderlich ernst. Doch Cawdor war ein Verräter, der mittlerweile hingerichtet wurde und König Duncan verleiht Macbeth tatsächlich dessen Titel. Nun beginnt in Macbeth der Gedanke zu gären, daß auch die zweite Prophezeiung sich bewahrheiten könne, da schon die erste sich so unerwartet erfüllt hat. Und Lady Macbeth -seine Frau- flüstert ihm ein, man könne das Eintreffen des Vorhergesagten doch wohl ein bißchen beschleunigen. Daraufhin ersticht Macbeth König Duncan im Schlaf und lenkt den Verdacht auf die Söhne des Königs. Da er nun sicher ist, daß auch Teil drei der Prophezeiung schneller eintreffen könnte, als ihm lieb ist, läßt er auch Banquo ermorden, doch dessen Sohn gelingt die Flucht. Im Verlauf der Handlung läßt Macbeth immer mehr Menschen wahllos niedermetzeln - auch Frauen und Kinder, bis er endlich von jemandem aufgehalten wird, der - laut eines anderen Orakels der Hexen- nicht von einem Weib geboren wurde.
Das ist ein spannender Plot, der mit aufregenden Dingen wie Geistererscheinungen, Hexen, Unwettern, Wahnsinnsanfällen und Schlachtengetöse angereichert ist und auch komische Passagen enthält. Außerdem stellt der Text die philosophische Frage nach der Herkunft des Bösen und es ist ein Text der reich an Symbolik ist.
Allerdings hat der moderne Leser mit dem Text so seine Schwierigkeiten, denn um sich Gedanken um Gut und Böse oder um symbolische Elemente machen zu können, muß man erst einmal den Inhalt verstanden haben. Obwohl "Macbeth" oft im Englischunterricht gelesen wird, wird ihm einfaches Schulenglisch bei weitem nicht gerecht und die immer noch weit verbreitete Schlegel-Tieck Übersetzung, muß man an den entscheidenden Stellen auch des öfteren lesen, um zu verstehen, was da eigentlich gesagt wird.
Die Übersetzung von Frank Günther ist einfacher zu lesen, da sie unserem heutigen Deutsch so nahe kommt, wie es die Übersetzung eines Shakespeare-Textes eben zuläßt. Allerdings hat sich der Übersetzer an manchen Stellen falsch entschieden, wenn es darum ging, ob es besser sei, die Lesbarkeit der originalgetreuen Übersetzung zu opfern, oder die Nähe zum Original der Lesbarkeit. So kommt es bisweilen zu sprachlichen Ausfällen, die dann doch lächerlich wirken. Auch ist mir die Übersetzung der Regieanweisung "aside", die häufig vorkommt, auf die Nerven gefallen. Günther übersetzt hier "apart". Das ist zwar formal richtig, klingt aber dennoch ausgesprochen affektiert, ein einfaches "zur Seite" oder "beiseite" hätte es auch getan.
Ich empfehle jedem in dieser zweisprachigen Ausgabe um des Verständnis willen zuerst die deutsche Übersetzung zu lesen. Wenn man verstanden hat, worum es geht, sollte man den englischen Text lesen und Shakespeare's Sprachklang, Versmaß und Rhythmus auf sich wirken lassen und wenn man zu denen gehört, die Lust an Sprache haben, kann man sich in der Bibliothek eine Ausgabe der Schlegel-Tieck Übersetzung ausleihen und sich am Klang der klassischen Übersetzung erfreuen.