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4.0 von 5 Sternen
Shakespeare am Rand zum B-Movie..., 25. November 2007
...Eigentlich ist so etwas ein Unding, denn selbst hundertmal gehörte Geschichten, sind trotzdem zu jeder Zeit des Hörens wert, wenn sie denn gut sind. Und William Shakespeares düsterer Dramenstoff um den Usurpator Macbeth zählt auf jeden Fall dazu. Vor über 400 Jahren faszinierte die blutrünstige Geschichte des hoch-dekorierten, tapferen Edelmannes, der aufgrund einer Prophezeiung dreier Hexen, er würde weitere Titel erwerben und schließlich König werden, seine dunklen Seiten und Wünsche in sich entdeckt. Zur Seite steht ihm seine Gattin, Lady Macbeth, die ihn nicht nur bei seiner Männlichkeit packt, sondern ihm auch den moralischen Rest gibt, um einen Strudel an Morden loszureißen, aus dem Macbeth sich nicht mehr lösen kann. Dazu ein Setting, das wahrlich düster und unheimlich ist und in vielen Adaptionen schon zum Teil meisterhaft umgesetzt wurde.
Für moderne Shakespeare-Adaptionen, das gilt für das Theater ebenso wie für den Film, stellen sich natürlich mehrere Fragen. Die erste wäre, was der Stoff denn aussagt und was man aus dem Stoff an allgemeingültigen Aussagen transportieren kann. Die zweite wäre, welche zusätzlichen Interpretationen - ich würde es "das Neue" nennen - der Stoff hergibt und drittens, wie man diese Dinge visuell, dramaturgisch und sprachlich umsetzt. An letzterem Punkt scheiden sich ja die Geister, denn diese "Wortkulisse", die der größte Dichter aller Zeiten einstmals schuf, also eine ungemein bildreiche Sprache, lässt sich unmöglich eins zu eins in die Gegenwart übertragen. Auf sie gänzlich zu verzichten, hieße aber, Shakespeare herauszunehmen, ein schonender, behutsamer Umgang ist auf alle Fälle angeraten.
In dieser australischen Produktion um den Regisseur Geoffrey Wright stecken gute Ansätze. Er inszeniert jene Dinge aus, die bei Shakespeare off-stage geschehen und daher zieht eine enorm temporeiche, rasante Action-Szene gleich zu Beginn den Zuschauer in den Film hinein. Das ist gut gemacht, das funktioniert - egal, ob man jemals von Shakespeare was gehört hat oder nicht. Auch die Wahl der Hexen, junge, gothic-angehauchte Mädels, die ihren ganzen Frust beim Schänden von Gräbern auslassen, ist durchaus nicht misslungen. Das moderne Setting, das den vielen dunklen Szenen des Originals Rechnung trägt, gefällt und aus Cawdor ein Wirtschaftsimperium, und aus Dunsinane eine Luxus-Villa zu machen, ist ebenfalls ein gut durchdachter Schachzug.
Was Wright aber bei allen visuellen Umsetzungen vergessen hat, sind seine Schauspieler. Wir finden uns hier wirklich in einem blutigen Action-Spektakel wieder, das zwar einige Verse enthält, aber sonst doch sehr an seiner aufgezwungenen wirkenden Shakespeare Adaption krankt. Oder anders gesagt: Vielleicht wäre der Film ohne den ganzen Shakespeare-Bezug besser geworden. Denn wenn man schon die Charaktere integriert und sich der Sprache bedient, dann braucht es auch Schauspieler, die das verkörpern können. Und da fehlt es - vom erhaben wirkenden Duncan mal abgesehen - doch leider erheblich an Potential.
Im Falle von Lady Macbeth hatte Wright allerdings eine schöne Idee. Im Drama wird einmal erwähnt, dass sie ein Kind hatte, Weiteres erfährt man nicht. In der ersten Szene des Films sieht man Lady Macbeth am Grab um ihren verstorbenen Sohn weinen. Dieser Hintergrund gibt der Figur zusätzliches Profil, so dass sie während des Films betäubt und benebelt wirkt, verbittert und in Trauer scheint sie mithilfe von Drogen in eine andere Welt fliehen zu wollen. Sie sieht verführerisch aus und Schauspielerin Victoria Hill besitzt durchaus Talent, aber das Ganze wirkt manchmal wie Over-Acting, und daher teilweise gekünstelt-überzogen; leider.
Den Gegenpart bildet Sam Worthington als Macbeth. An minimalistischem Spiel ist nichts auszusetzen, aber bitte schön so, dass die Figur dennoch über ein reichhaltiges Innenleben zu verfügen scheint. Seine Figur leidet an den heftigsten Gewissensbissen - das ist nun mal ein wesentlicher Teil der Geschichte -, wovon man leider kaum etwas spürt. Kurzum, unser böses Pärchen verkörpert zwar das Motto "schön ist wüst", aber darüber hinaus nicht viel. Die anderen Mimen passen sich dem an. Sicher ist der Film nicht schlecht gespielt, aber auch leider nicht gut genug.
Fazit: Freunden blutiger Actionfilme mag aufgrund der genannten Punkte das Ganze ob der sprachlichen Besonderheit seltsam erscheinen; denen, die nach Bemerkenswertem zwischen den Zeilen suchen, bietet sich zwar etwas, aber etwas wenig - für meinen Geschmack.
An der Ausstattung der DVD gibt es nichts zu bemängeln. 3,5-4 Sterne.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"... let not light see my dark and deep desires", 12. Januar 2009
Zugegeben: Die Titel (König, Thane ...) mit denen sich die Akteure ansprechen wirken in dem elegant-düsteren und modernen Setting manchmal etwas skurril, aber über diese Unstimmigkeit sieht man gern hinweg, denn die Originaltexte passen sich wunderbar in die drastischen und zum Teil recht gewalttätigen Szenen ein, auch wenn ich gelegentlich die eine oder andere Textstelle vermisst habe. Sam Worthington spielt den Macbeth, ob nun im Selbstzweifel, im Wahnsinn oder im Drogenrausch mit kühler Distanz und überhaupt agieren die Schauspieler sehr dezent und ohne die Vorschlaghammerdramatik, die in der amerikanischen Filmindustrie üblich ist. Einzig die Szene mit der toten Lady Macbeth in der Badewanne erscheint dann doch etwas überfrachtet.
Für einige Erheiterung meinerseits sorgten die nett angerichteten und extravaganten Zutaten, die die Hexen in Macbeths High-Tech-Küche in ihrem Kessel verkochen sowie die Ankunft des Waldes von Birnham, die überraschend zweckmäßig ausfällt (mehr sollte ich dazu nicht verraten ...)
Insgesamt ist die Umsetzung des Stoffes, die sicher nicht leicht in einen zeitgemäßen Rahmen übertragbar ist durch die australischen Filmemacher von der Ästhetik der Bilder bis hin zur Filmmusik sehr gelungen.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verbirg dich Sternenlicht: Schau meine schwarzen, tiefen Wünsche nicht..., 28. Februar 2009
Nun ja, ich muss sagen: ich habe Macbeth das erste Mal gelesen, als ich 15 war. Seitdem ist es mein absolutes Liebilngsdrama. Ich hatte auch meine 5. Prüfungskomponente fürs Abitur als BLL (20-30seitige Arbeit) über dieses Drama geschrieben. Und ich habe dabei wirklich meine festgelegte Interpretation. Eigentlich bin ich wirklich sehr, sehr kritisch, aber dieser Film teilt 100%ig meine Ansichten: Habe hier zu Hause noch die Verfilmungen von Polanski und Wels, aber beide wurden mir, obwohl geniale Filme, nicht ganz gereczht, dieser allerdings schon!
Meines Erachtens wurden die Charaktere hier sehr faccettenreich interpretiert: Zum ersten Mal musste ich weinen, als Macduff vom Tode seiner Frau und seines Sohnes erfährt, und Lady MacBeth war nicht von Vornherein das Miststück, als das sie gilt, sondern haargenau nach Shakespeares Vorlage: eine weiche Person, die sich durch Geister Mut erlangen muss.
Zwar ist diese moderne Fassung teilweise ein wenig gewöhnungsbedürftig, jedoch bleibt sie immer im Rahmen einer möglichen Interpretaionn (Bsp: Hexen). Darüber hinaus glänzt sie mir recht niedlichen Ideen, wo ich mich wirklich erfreut hatte (Birnams-Wald).
Alles im Allen: Wirklich gelungen. Die besten Lady Macbeth, die ich je gesehen habe, und wirklich interpretationsreich. --> 5 Sterne
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