"Something's wrong inside my head" gröhlt AUTOPSY-Mainman Chris Reifert in den Strophen der Abrissbirne "Deliver me from sanity" - und sorgt damit schonmal locker für das Understatement des Jahres. Denn schließlich weiß jeder Death-Metal-Experte schon längst, dass der gute Herr Reifert ne absolute Vollmeise hat. Egal ob als DEATH-Gründungsvater und Mitglied des legendären "Scream bloody gore"-Line-ups , oder mit seinen späteren Bands AUTOPSY und ABSCESS...den singenden Schlagzeuger umgibt schon seit über 20 Jahren eine Aura des derb-abartigen Wahnsinns.
Der kranke Geist alter AUTOPSY-Machwerke wie "Severed survival" und "Mental funeral" lässt sich nicht mehr reproduzieren, weswegen die erste offizielle Full-lenght-Scheibe seit der Reunion - die letztjährige EP "The tomb within" nicht mitgerechnet - insgesamt einfacher zu konsumieren ist. Aber was ist schon normal ??? Denn letztlich ist der fiese 12-Tracker "Macabre eternal" immer noch ein gefundenes Fressen für jeden eingefleischten Haudrauf-Fanatiker, der spielerische Kabinettstückchen und hochmelodisches Songwriting in etwa sooo meidet, wie Rob Halford die hohen "Painkiller"-Gesangslinien.
Der AUTOPSY-Neuling ist ein herrlich rumpelndes, inhaltlich erneut grenzwertiges Gore-Metal-Album geworden, das man als Oldschool-Banger einfach liebhaben muss. Die Songs sind Band-typisch recht simpel gehalten und gefallen durch die Mischung aus ungehobeltem Up-Tempo-Gemetzel und fiesen, ultrabrutalen Slow-Mo-Riffs. Neue bluttriefende Geschosse wie "Always about to die" , "Born undead" , "Hand of darkness" , das sich auf uralte Punk-Wurzeln besinnende "Macabre eternal" oder der liebreizende Knüppler "Dirty gore whore" gehören somit zur Pflichtlektion jedes mutmaßlichen Gewalttäters. Sic! Auffallend gut ist dabei auch das tief-schlurfende "Bludgeoned and brained" (der schleichende Tod!), wohingegen die coole, fast schon zuuu eingängige Mid-Tempo-Nummer "Seeds of the doomed" auch auf dem SIX FEET UNDER-Debüt "Haunted" zu den Highlight gezählt hätte.
Der absolute Star von "Macabre eternal" ist aber die geile Produktion, die quasi alles andere wegfegt, was heutzutage im Todesblei-Genre das Licht die Welt erblickt. Wann merken die sogenannten Metal-Produzenten eigentlich endlich, dass die Songs eben nicht (!) besser werden, wenn sie am Rechner nachträglich durch den Pro-Tools-Fleischwolf gedreht werden ? Für mein Dafürhalten klingen AUTOPSY haargenau so, wie eine gute Death-Metal-Band klingen muss. Allen voran darf man hier den tollen, bodenständigen Schlagzeug-Sound loben, gegen den keine künstlich getriggerte Produktion auch nur ansatzweise anstinken kann. So soll's sein!
In aller Oldschool-Glückseeligkeit muss man dennoch anmerken, dass AUTOPSY sich teilweise einige Experimente gegönnt haben: Neben einer zarten Akustik-Gitarre im Songs "Bridge of bones" fällt vor allem der überlange 11-Minüter "Sadistic gratification" aus dem Rahmen, auf dem einige feine Wiederhaken-Melodien (!) den musikgewordenen Wahnsinn bestens abrunden. Apropos Überlänge: Mit 66 Minuten ist "Macabre eternal" ingesamt etwas zu lang ausgefallen. Man hat teilweise echt das Gefühl, als wollten die Herren Musiker die Songs nie enden lassen, so dass sich hier und da einige Längen eingeschlichen haben. Songs wie "Sewn into one" , "Spill my blood" oder das zerfahrene "Deliver me from sanity" schleppen sich als Ballast so mit durch, ohne großartig als Hits aufzufallen. Leider wird dadurch die Höchstnote verhindert.
Fazit: AUTOPSY können zwar an ihre alten Klassiker nicht mehr anknüpfen, liefern mit "Macabre eternal" aber eine der besten Todesblei-Scheiben des laufenden Jahres ab. Manchmal macht es einfach Spaß, mal wieder richtig knietief in Blut und Eingeweiden zu wühlen. Selbst das dämliche Album-Cover, auf dem eine Horde zerzauster Mini-Gollums einen übergroßen Totenschädel durch die Wallachei trägt, ist dabei fast schon wieder Kult. Egal wie man es dreht und wendet: Die Scheibe macht Laune auf mehr, und schlägt den brandneuen, überambitionierten MORBID ANGEL-Elektro-Gehversuch "Illud divinum insanus" gleich um mehrere Längen. Zeitlos, dreckig und gut !!!