Mary Elizabeth Potter ist vom amerikanischen Süden nach Ruth, Wyoming, gezogen. Die engagierte Lehrerin möchte den ehemaligen Schüler Joe Mackenzie, auf dessen Akte sie bei der Durchsicht von Schulunterlagen gestoßen ist, dazu bewegen, wieder am Unterricht teilzunehmen. Der Teenager hatte hervorragende Noten, und Mary versteht nicht, warum er die Schule einfach abgebrochen hat. So lernt sie ihn und seinen verwitweten Vater Wolf kennen, die ein abgeschiedenes Leben auf ihrem Berg führen.
Die junge Frau ist von beiden fasziniert. Der einsame Wolf regt Gefühle in Mary, die sie bisher nicht gekannt hat. Sie fühlt sich stark zu dem Halbindianer hingezogen, nicht nur weil er äußerst attraktiv ist, sondern vor allem weil sie hinter seinem stoischen Gebaren einen wunderbaren Menschen vermutet. Joe wirkt sehr reif für sein Alter und scheint hochbegabt, in der Schule wurde er allerdings ausgegrenzt. Mary erreicht, dass er nun doch seinen Abschluss machen möchte. So könnte sein Traum vom Fliegen Wirklichkeit werden, wenn es der Lehrerin auch noch gelingen sollte, für ihn ein Empfehlungsschreiben für die Air Force Akademie von einem Kongressabgeordneten zu erhalten.
Die zugereiste Miss Potter wirbelt in der Kleinstadt viel Staub auf, indem sie Umgang mit den Mackenzies pflegt. Die rassistischen Vorurteile der Bürger hatten vor Jahren dazu geführt, dass Wolf einige Zeit im Gefängnis war. Er war beschuldigt worden, eine junge Frau vergewaltigt und ermordet zu haben. Doch obwohl ein anderer Mann später des Verbrechens überführt werden konnte, und Wolf als Unschuldiger aus der Haft entlassen wurde, sahen viele ihn nicht als rehabilitiert. Als jetzt wieder eine Vergewaltigung im Bezirk gemeldet wird, ist der Indianer wieder der Hauptverdächtige und droht erneut in die Mühlen der Justiz zu geraten.
Mary, die zum ersten Mal in ihrem Leben eine Beziehung zu einem Mann hat, ist fest von Wolfs Unschuld überzeugt. Gerade als das Verhältnis zwischen den Einwohnern und den beiden Außenseitern sich zu bessern begann, scheint jemand besonderes Interesse daran zu haben, Mackenzie in ein schlechtes Licht zu setzen. Sie ist deshalb zu allem bereit, den wahren Täter zu finden. Davon soll sie auch der äußerst ausgeprägte Beschützerinstinkt von Vater und Sohn nicht abhalten.
Linda Howard liefert mal wieder beste Unterhaltung. Der Kleinstadtmief scheint regelrecht aus den Buchporen herauszuströmen. Die gegenseitigen Ressentiments, lange gepflegte Animositäten und Misstrauen werden glaubhaft dargestellt. Und quasi aus dem Nichts erscheint ein kleines, zierliches Persönchen um das Dörfchen kräftig aufzumischen.
Auch wenn Miss Potters Aussehen eher dem einer grauen Maus als einer Southern Belle gleicht, ist sie doch kein verhuschtes Häschen. Sie ist eine Frau mit Prinzipien, die Ausgrenzung der Mackenzies kann und will sie nicht akzeptieren. Doch statt mit lieblichem Charme bewirkt sie mit Zivilcourage und großem Engagement einen Sinneswandel in der Gemeinde. Natürlich erhofft sie sich dadurch auch, Wolf zugänglicher zu machen.
Der hat die Wunden, welche ihm die öffentlichen Anfeindungen seit je her geschlagen haben, tief in seinem Innern vergraben. Nur widerwillig lässt er Mary sein Herz und seine Seele berühren, denn er weiß, dass auch sie sich durch eine Liaison mit ihm der Gefahr aussetzt, von der Gesellschaft gemieden zu werden. Lange kann er der Unschuld vom Lande jedoch nicht widerstehen. So souverän Mary auch in anderen Lebenslagen ist, was die Liebe angeht ist sie ein unbeschriebenes Blatt. Die zarte Annäherung der beiden ist wunderschön beschrieben.
Ein rundum gelungener Auftakt zur Serie rund um den Mackenzie-Clan, die im nächsten Buch Mackenzie's Mission mit Joes Geschichte fortgesetzt wird.