3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unschlagbar - ein Roman und sein Preis, 5. Februar 2007
Ich war beeindruckt, als ich das Buch gelesen hatte.
Zunächst mal hält man für kleines Geld ein stabil gebundenes Buch mit bemerkenswert wenigen Druckfehlern und mit gutem Papier in den Händen.
In München blüht nach dem ersten Weltkrieg das illegale Glücksspiel. In den verraucht-verruchten Salons erregt ein Spieler Aufsehen, der es auf unheimliche Weise versteht, die Gemüter anderer Spieler zu beeinflussen. Es ist Dr. Mabuse, im öffentlichen Leben "psychopathologischer Arzt", der im Untergrund Kopf einer Verbrecherorganisation ist und der mit Geldwäsche und Schiebereien verschiedenster Art zu mysteriösem Reichtum gekommen ist. An der Grenze zur Schweiz und zu Österreich bringt er Reichtümer in Sicherheit, die ihm in Südamerika als Grundlage zu seinem persönlichen Imperium dienen sollen. Er kann hypnotisieren und manipulieren und versucht, sich was immer er haben will zu unterwerfen. Der ehrgeizige Staatsanwalt Wenk versucht ihn zu überführen. Wie sich das gehört, ist auch eine schöne Frau im Spiel.
Der Roman, Anfang der Zwanziger Jahre entstanden, spiegelt eine interessante Welt wieder: Deutschland ist, kurz nach dem furchtbaren ersten Weltkrieg, ein Land voller Orientierungsloser; in jeder Hinsicht fehlen Perspektiven, den meisten fällt nach den Erfahrungen eines Krieges ein optimistischer Blick in die Zukunft schwer, zumal die Wirtschaft am Boden liegt und das Land keine politisch überzeugende Führung hat. Jeder ist seines Glückes Schmied, und der gesellschaftliche Fieberrausch, den man von Bildern der "Goldenen Zwanziger" kennt, hat auch Süddeutschland erfasst. Die Charaktere, die Jacques entwickelt, sind alle in irgendeiner Weise auf der Suche; sie sind heimatlos und rastlos und scheinen so perfekte Opfer eines Verführers wie Dr. Mabuse zu sein. Die Parallelen zur späteren politischen Wirklichkeit in Deutschland, nur wenige Jahre später eigentlich, sind erschreckend.
Ich weiß es nicht genau, aber dieser Typ Verbrecher - manipulativ, irgendwie krank, zerstörerisch und eiskalt - muß damals eine ziemlich aufsehenerregende Erscheinung in der Literatur gewesen sein. Der Autor entwickelt seine Schauplätze und Handelnden mit viel Phantasie und Geschick; die Personen wirken keineswegs altbacken oder in ihren Handlungen nicht nachvollziehbar. In gewisser Weise lässt Jacques oft durchblicken, was er selbst von "den Verhältnissen" hält; damals modernen (expressionistischen) Künstlern scheint er nicht viel abgewinnen zu können, oder auch der Musik. Ich fand seine Sprache selbst sehr ruhelos, oft ganz schön drastisch und wie gehetzt, wobei der Roman immer flüssig zu lesen ist, manchmal übrigens mit beachtlichem Ausdruck (zum Beispiel auf S. 112 bis zum Ende des Kapitels - einer der Glücksspieler wird von Mabuses Gehilfen ermordet: hier beschreibt der Autor unglaublich eindringlich, wie sich der Eindruck des Mordes, wie ein unsichtbares Gift, in der Stadt und ihren Menschen verteilt; jeder giert nach der Sensation dieser Bluttat und ist hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Faszination.). Ich finde, dieser Roman ist ein Buch, das als Krimi oder Gesellschaftsroman zu lesen ist und der nie viel von seiner Allgemeingültigkeit einbüßen wird.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Mitnahmepreis", und wie!, 24. Juli 2006
Unglaublich, dass es dieses geniale Buch zu so einem niedrigen Preis gibt, und dann noch als Hardcover! Allerdings muss ich einen vorangehenden Rezensenten korrigieren: Diese Fassung enthält *nur* "Dr. Mabuse, der Spieler" (verfilmt von Fritz Lang in 2 Teilen), nicht wie das andere Buch desselben Verlags "beide Teile" (womit wohl der "Spieler" und das "Testament" gemeint sind).
Egal, wer einen schnellen und soliden Krimi haben möchte, der (obwohl in den 1920ern geschrieben) so modern ist, dass man ihn auch heute noch unverändert verfilmen könnte, und der für uns im Zeitalter der Euro-Einführung erneut aktuell ist, der ist mit diesem Buch gut bedient.
Im Gegensatz zu späteren Büchern, und der TV-Krimireihe aus den 60ern geht es hier noch nicht so fantastisch zu. Ein wenig Hypnose, aber sonst hauptsächlich Detektivarbeit, Masken, Verfolgungsjagden und ein beeindruckender Gegner mit Verbrechersyndikat. Das deutsche "Mission Impossible", sozusagen, nur dass es auch noch eine ergreifende Entwicklung im Kopf des Staatsanwalts gibt, der seine Menschlichkeit und die Liebe entdeckt.
Los, kaufen! Kostet ja nicht viel.
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