...und trotzdem ist es passiert." Mehr kann der Ermittler Louis Schneider(Daniel Auteuil) Marie(Catherine Marchal), von der internen Ermittlung, nicht erwidern. Sie weiß um Louis schreckliche Vergangenheit. Seine Frau ist seit einem Unfall pflegebedürftig und nicht mehr ansprechbar, das gemeinsame Kind wurde getötet. Und Marie weiß auch um Louis Schneiders Gegenwart. Das Leben eines hoffnungslosen Alkoholikers, der seinen Körper zum Wrack und seinen Geist zur Folterkammer umgewandelt hat. Aber Louis Schneider ist ein hervorragender Polizist, ob betrunken oder nicht.
So bleibt er an dem Fall eines Serienmörders, obwohl er strafversetzt wurde und seinen dienstlichen Alltag am Beschwerdeschreibtisch verbringen soll. Der Killer tötet allein stehende Frauen auf bestialische Art und Weise. Schneiders Nachfolger Kovalski(Francis Renaud) kommt in dem Fall nicht weiter, aber Schneider entdeckt eine Spur. Das erzählt er jedoch nicht dem korrupten Kovalski, sondern seinem ehemaligen Mitarbeiter Mateo(Gerald LaRoche).
Zur gleichen Zeit wartet der grausame Doppelmörder Charles Subra(Phillipe Nahon) auf seine Begnadigung. 25 Jahre hat er für den Mord an den Eltern von Justin(Olivia Bonamy) gesessen. Jetzt scheint er bekehrt und religiös geworden zu sein. Aber das ist nur eine Maske. Subra ist eine Bestie in Menschengestalt. Als Justine erfährt, dass der Mörder in Freiheit kommt, wendet sie sich an Schneider. Der hat Subra damals verhaftet. In ihm findet sie jedoch keine Hilfe, sondern nur einen schwer kranken Mann, der dringend Hilfe braucht. Am Ende verbindet das Schicksal die beiden Geschichten um Louis Schneider...
In -MR73- ist die Handschrift Olivier Marchals unverkennbar. Er zeichnete für Regie und Drehbuch verantwortlich. Wie schon bei -Sag kein Sterbenswort- ist ein dichter, düsterer Thriller in bekannt guter französischer Tradition entstanden. -MR73- lebt vor allem vom Charakter der Figur Louis Schneider. Den gibt Daniel Auteuil so zerbrochen, widersprüchlich, kaputt und genial, wie das nur geht. Olivia Bonamy spielt den ruhigen Gegenpart zu Auteuil. Ihre Justine wirkt starkt, ist aber verletzlich und ungeschützt.
Eingebettet sind diese Charaktere in eine Story, die vor allem am Anfang einige Längen aufweist. Erst nach und nach entwickelt sich die Geschichte. Dabei hat Marchal nicht immer großen Wert auf die logische Entwicklung der Handlung gelegt. Das ist allerdings zu verschmerzen, da Auteuil mit seiner Leistung den Film ohnehin völlig allein trägt.
Wie Marchal die beiden Handlungsstränge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, zusammen bekommt, das ist wirklich gut gemacht. Das Drehbuch soll nach einer wahren Begebenheit entstanden sein. Das zeigt wieder einmal deutlich, dass Finden besser ist als Erfinden.
Bis auf einige kleine Schwächen, wie z.B. die ziemlich unglaubwürdige Figur der Ermittlerin Marie(das ist natürlich meine persönliche Meinung) ist -MR73- ein wirklich gelungener französischer Thriller. Mich hat vor allem beeindruckt, in welcher Konsequenz Olivier Marchal diese Geschichte zum Ende geführt hat. Für Freunde des französichen Kinos ein Muss, für alle Thrillerfreunde mit Sicherheit empfehlenswert.