Es ist ein löbliches Vorhaben, an Kartsport interessierten eine Einführung an die Hand zu geben, die eine Orientierung in einem Sport erlaubt, die sich so ohne weiteres nicht (ohne einigen Aufwand) über das Internet oder Clubs gewinnen lässt. Doch leider hat dieses Buch den Charme eines Fehlstart: Es bietet, nach einer knappen Einführung und einem historisches Abriss des Kartsports, eine eher konzeptlose Zusamenstellung von Bemerkungen und Ratschlägen von erfahrenen Fahrern (derer leider nur zwei), Adresslisten von Clubs, Bahnen und Händlern, Listen homologierter (d.h. zuglassener) Kartteile und Accessoirs, schliesslich vollständig abgeschriebene Reglements dreier Verbände und ein (tatsächlich hifreiches) Verzeichnis der im Kartsport verwendeten Fachbegriffe, dazu (als Appetitthappen) ein wenig zu Rennvorbereitung und Fahrtechnik. Die stärkste Seite des Buches ist die Übersicht über die Verbände und deren Rennserien. Hier beschränkt sich der Autor jedoch auf wenige Bemerkungen zur Art und Teilnehmerkreis der Serie und listet dann, für den noch Uneingeweihten eher unverständlich, die reglementarischen Rahmenbedingungen der betreffenden Serie auf. Leider unterschlägt er auch, dass nicht alle Serien nur für die Jugend sind. Die Rotax Max Challenge bietet z.B. Rennen für Master an (Alter ab 32), dies findet im Buch jedoch keine Erwähnung.
Freilich erleichtert und verkürzt das Buch die Suche nach Informationen, indem diese schon nutzfertig dargeboten werden. Allerdings bleibt einem uneingeweihten Neuling (und als solcher lese ich das Buch) der Gang ins Internet, zu Clubs oder Händlern dennoch nicht erspart - denn was ich aus dem Buch erfahre reicht nicht, um auch nur zur ersten Kurve zu kommen. Das Buch bietet auch keine auf spezifische Interessentengruppen zugeschnittene Vorschläge, wie man an den Start kommt. Gerade der Einstieger, ob Jungspund oder alter Hase, der einen Bubentraum erfüllen möchte, will doch wissen, wo denn sein Rennen am besten beginnt. Das muss sich der hoffnungsvolle Rennfahrer leider selbst erschliessen. So bleibt einem nach diesem Fehlstart ein Start an anderer Stelle nicht erspart. Immerhin: Auch mit einem Fehlstart hat man es ja schon einmal auf die Bahn geschafft.
Leider stellt das Buch nur die Situation in Deutschland dar. Da es für Österreich oder die (deutschsprachige) Schweiz keine vergleichbare Publikation gibt, wäre dieser Blick über den nationalen Tellerrand hilfreich gewesen für jene, die in Grenzregionen wohnen (oder gar in Österreich oder der Schweiz selbst). Das ist schade, da z.B. die Rotax Max Challenge grenzüberschreitend ausgetragen wird (die österreichischen Strecken werden im Buch z.B. nicht erwähnt).
Wer sich als gänzlich Uneingeweihter die erste Mühe der Recherche sparen möchte, findet in diesem Buch erste Hinweise. Wer jedoch Gas geben möchte, wird sehr schnell an anderer Stelle weiterfahren. Jenen, die sich des Englischen nicht scheuen, sei das hervorragende
The Karting Manual: The Complete Beginner's Guide to Competitive Kart Racing empfohlen.