Jeder, der sich etwas intensiver mit Neuseeland auseinandersetzt wird früher oder später auf Bilder der Maori, den neuseeländischen Ureinwohnern stoßen. Und mit Sicherheit wird man hier die auffälligen Gesichtstätowierungen bemerken. Leider ist im deutschsprachigen Raum relativ wenig über die Bedeutung und Herkunft dieser Tradition, das sogenannte Ta Moko, bekannt.
Die Faszination, die von diesen Moko ausgeht, thematisiert die Hamburger Illustratorin Mirja Loth auf den 96 Seiten des vorliegenden Buches. Auf der Grundlage von Begegnungen und Gesprächen mit verschiedenen Moko-Künstlern erläutert sie die historischen und kulturellen Hintergründe, die Ursprünge und Formen der Tätowierungen, die Bedeutung der unterschiedlichen Muster und Designs bis hin zu der oben bereits erwähnten Tätowiertechnik bzw. den Werkzeugen und Pigmenten, die von den alten Tattoo-Meistern für ihre Arbeit benutzt wurden. Der Leser erhält ausführliche Informationen über die Bedeutung des Maori-Tattoo in Bezug auf die soziale Stellung seines Trägers und erfährt, wieso auch Frauen diese Mokos erhielten.
Loth verfolgt dabei einen ganz eigenen Ansatz der inhaltlichen Annäherung und Darstellung, indem sie die jeweiligen Sachtexte visuell mit informativen Illustrationen kombiniert und somit das Thema der Geschichten erzählenden Bilder aufgreift.Sie nimmt den Leser mit in die mythische Vergangenheit der neuseeländischen Ureinwohner, indem sie die Sage von Kupe und dem Riesenoktopus nacherzählt, mit der die Ankunft und Abstammung dieser frühen Siedler überliefert bzw. bewahrt wurde. Loth schildert aber auch die erste Begegnung der Maori mit den Europäern, den Pakeha, in Person von James Cook. Schließlich wird der wohl bedeutendste Maori-König und Heeresführer Tawhiao vorgestellt, mit dessen Ableben die Ära der Moko-Tattoos zu Ende ging. Abgerundet wird dieser aufwendig gestaltete kleine Band schließlich durch einen Anhang mit Übersetzungen der wichtigsten Begriffe aus der Maori-Sprache sowie einigen weiterführenden Quellen.
Fazit: Man kann Mirja Loth in ihrer Doppelfunktion als Autorin/Illustratorin nur zu diesem Buch gratulieren. Ihr ist es gelungen, die vielfältigen Aspekte dieser eigenwilligen - und im deutschsprachigen Raum leider immer noch relativ spärlich dokumentierten - Kunstform der neuseeländischen Ureinwohner dem interessierten Leser anschaulich nahe zu bringen. Es ist durch die Kombination von Text und den liebevoll gestalteten Illustrationen zu gleichen Teilen ein informatives und sinnliches Buch, welches vor allem durch seine Bilder immer wieder zum Durchblättern einlädt. Kurzum, eine klare Empfehlung nicht nur für Neuseeland- und Tattoo-Fans. :-)