Um über dieses Buch viel schreiben zu können müsste man schon ein komplette Wiedergabe des Inhalts ausbreiten. Der Roman ist derartig vielschichtig, dass man entweder alles erzählt oder eben nur einen Anriss des Inhalts wiedergibt.
Primär dürfte es hier um die individuellen Arten von Liebe und Liebesfähigkeit zu gehen. Tomas, ein geschiedener Chirurg, hat eigentlich keinen Drang mehr nach festen Bindungen und frönt daher der Promiskuität, ohne aber auch nur eine der Damen bei ihm übernachten zu lassen. Denn das wäre ja schon wieder zu viel Nähe. Doch eines Tages trifft er dann Teresa, mit der er eine dauerhafte Beziehung bis hin zur Hochzeit führt. Problem nur das Tomas auch dann nicht von seinen zahlreichen Bettgespielinnen ablassen kann. Und auch wenn bei Teresa übele Albträume auftreten, Tomas sich in gefährlichen politischen Konflikten wiederfindet und zwei Umzüge (Prag - Zürich - Prag)folgen und diese Faktoren somit in der beider Leben wichtige Rollen spielen, können sie doch der Liebe anscheinend den von allen erwarteten Todesstoß nicht versetzen. Ein zweites 'Paar', wenn man es denn so nennen kann, sind Sabine und Franz. Sie eine ehemalige "Freundin" von Tomas und in Liebesdingen ähnlich geschnitzt wie er. Franz ist Dozent an der Uni, der die Affäre mit Sabina gerne vertiefen würde. Doch leider läuft das nicht ganz gut wie bei Tomas und Teresa. Im Endeffekt zeigt Kundera an den beiden, wie es auch laufen kann, wenn solch verschiedenartigen Ansichten von Liebe hat.
Was für mich an diesem Buch aber vor allem Vergnügen bereitet hat ist die Vielschichtigkeit. Die oben grob angerissene Liebesgeschichte spielt zur Zeit des Prager Frühlings bzw.zur Zeit der einrückenden sowjetischen Panzer. Selbstverständlich spielt das eine große Rolle für die Lebensentwürfe jedes einzelnen Protagonisten. Und vor allem hat Milan Kundera dann auch die Möglichkeit seine Gedanken über Liebe, Politik, Erotik und Freiheit einzustreuen, die oft zu essayistischen Ergüssen werden, die sich über mehrere Seiten mit Philosophie und eben auch Politik auseinandersetzen. Das alles macht '"Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins"' zu einem Lesevergnügen, welches nicht nur oberflächlich über Liebe referiert, sondern auch intelektuellen Ansprüchen gerecht wird, da der Autor alle diese Stränge kunstvoll miteinander verwoben hat.
Einen Stern ziehe ich aber dennoch ab, da es mir manchmal als störend erschien, wenn der rote Faden wieder einmal aufgrund einer der oben genannten Essay unterbrochen wurde.