Dieses Buch ist ein Muss für alle, die sich für die Hintergründe der us-amerikanischen Filmproduktion im Allgemeinen und das Funktionieren der großen Studios im Besonderen interessieren. Metro-Goldwyn-Mayer, kurz MGM, galt lange Zeit als das Tiffany der großen Hollywood-Studios. Die Firma, deren Markenzeichen der brüllende Löwe ist, war zu ihrer Glanzzeit im 20. Jahrhundert schlichtweg das größte und erfolgreichste Studio der Welt. Ungeniert warb man für die eigenen Filme mit dem Spruch "More stars than there are in heaven".
Gegründet 1924, bescherte MGM in den kommenden Jahrzehnten den Kinobesuchern solche Attraktionen wie "Ben Hur" (in einer grandiosen Stummfilmversion 1925 und ebenso spektakulär in Ton, Farbe und Breitbild 1959), "Grand Hotel" (dt.: "Menschen im Hotel", 1932), "Ninotchka" (1939), "The Wizard of Oz" (dt.: "Das zauberhafte Land", 1939), "Anchors Aweigh" (dt.: "Urlaub in Hollywood", 1945), "An American in Paris" (dt.: "Ein Amerikaner in Paris", 1951), "Singin' in the Rain" (dt.: "Du sollst mein Glücksstern sein", 1952), "Forbidden Planet" (dt.: "Alarm im Weltall", 1956), "Jailhouse Rock" (dt.: "Rhythmus hinter Gittern", 1957), "The Time Machine" (dt.: "Die Zeitmaschine", 1960) und "The Dirty Dozen" (dt.: Das dreckige Dutzend, 1967) um nur einige wenige Titel zu nennen. In seiner Hochzeit, in den 30er bis 50er Jahren, produzierte MGM durchschnittlich einen Spielfilm pro Woche.
Das prächtig illustrierte Buch geht der Frage nach, welche Voraussetzungen das Studiogelände bot, um diese enorme Produktivität aufrecht zu erhalten. Hunderte von Fotos zeigen anschaulich, wie das Studio, das streng genommen gar nicht in Hollywood, sondern im Nachbarbezirk Culver City lag, aufgebaut war. Neben dem eigentlichen Kerngelände, auf dem sich die Firmenverwaltung, die großen Tonfilmateliers und die meisten technischen Abteilungen befanden (Lot 1 genannt), unterhielt MGM noch riesige Flächen für Außenaufnahmen (auf Englisch "backlots" genannt) mit teils gigantischen Kulissen, auf denen beispielsweise Teile von New Yorks Straßen, ein künstlicher See inklusive Dampfschiff oder der Dschungel für die Tarzan-Filme zu finden waren. Insgesamt umfassten alle Grundstücke, die MGM nutzte, eine Fläche von rund 175 acres, was umgerechnet über 700 000 Quadratmetern entspricht.
Diese Zeiten sind lange vorbei, denn in den frühen 70er Jahren entschied die damalige Firmenleitung, nach und nach alle Freiluftgelände, eben jene großartigen backlots, zu verkaufen. Die Kulissen, in denen jahrzehntelang Hunderte von Filmen gedreht worden waren, wurden eine um die andere vom Bulldozer niedergewalzt und die freigewordenen Flächen mit Wohn- oder Gewerbegebäuden bebaut. Übrig blieb nur Lot 1 mit den großen Tonfilmhallen und den Verwaltungsgebäuden. Selbst davon trennte sich MGM und verkaufte die verbliebenen Studioanlagen 1986. Heute residiert auf diesem Gelände das Sony Pictures Studio mit seinen Tochterfirmen Columbia Pictures und TriStar Pictures. MGM selbst ist seither, wenn man so will, ein virtuelles Studio. Es besitzt keine eigenen Studiogrundstücke mehr, sondern mietet sich für seine wenigen eigenen Filmproduktionen bei anderen Firmen ein oder beschränkt sich auf die Ko-Finanzierung anderer Produzenten.
Die drei Autoren nehmen den Leser auf eine Zeitreise mit, zurück in jene Tage, als der MGM-Löwe noch allen Grund hatte, so machtvoll zu brüllen. Dies geschieht unter anderem anhand von Karten des Studiogeländes, auf denen die wichtigen Produktionsgebäude und -einrichtungen markiert sind. Diese wiederum werden anschließend in Wort und zahlreichen Bildern einzeln dargestellt.
In insgesamt vier Teilen, die wiederum in Unterkapitel aufgegliedert sind, kann man so eintauchen in die Alltagswelt auf dem Studio. Der erste Teil des Buchs beschäftigt sich mit der Vorgeschichte und Entstehung von Metro-Goldwyn-Mayer und zeigt dann ausführlich den Aufbau von Lot 1 mit seinen Studioanlagen. Man erhält interessante Einblicke, sie reichen von der Requisitenabteilung über das Filmlabor bis hin zur Studiokantine wo täglich Dutzende von Stars wie Clark Gable, Greta Garbo, Judy Garland, James Stewart, Frank Sinatra, Esther Williams, Fred Astaire oder Gene Kelley ein und aus gingen.
Der zweite und der dritte Teil widmet sich den verschiedenen "Potemkinschen Dörfern" der backlots, also den Kulissen auf den großen Freigeländen, insbesondere den riesigen Aufbauten auf Lot 2 und Lot 3.
Schließlich geht der vierte Teil ausführlich auf die Zeit von MGMs allmählichem Niedergang ab den 50er Jahren ein und beschreibt die turbulenten Entwicklungen der Firma bis zur Gegenwart. Etwas melancholisch stimmen die Fotos, die den traurigen Zustand des einst größten Filmstudios der Welt in den späten 70er und frühen 80er Jahren zeigen, kurz bevor auf den Außengeländen alles abgerissen wurde. [Einen Blick auf diesen Zustand erhält man auch in den Filmen "That's Entertainment" (1974; eine Kompilation mit zahlreichen Ausschnitten aus den berühmten MGM-Musicals, auf DVD:
That's Entertainemnt/That's Entertainment 2/That's Entertainment 3 [3 DVDs] [UK Import) und der Dokumentation "When the lion roars" (1992; auf amazon.com zu finden).]
Ein spezielles Register gibt im Anhang eine detaillierte Übersicht, auf welchem Teil des Studios bestimmte Sequenzen der MGM-Filme gedreht wurden.
Ein rundum empfehlenswertes Buch für alle an Filmgeschichte und Hollywood Interessierten.