Ein Hinweis vorab: Hier schreibt ein MINI-Fan UND MGB-Besitzer!
Der MGB: Er gehörte zu den populärsten Roadstern seiner Zeit, seine Coupé-Variante wurde aufgrund der eleganten und wohlproportionierten Linienführung der „Aston Martin des armen Mannes" („The poor men's Aston Martin") genannt und für viele ist er wegen seiner Robustheit, Wartungsfreundlichkeit und der problemlosen (und preiswerten) Ersatzteilversorgung der Einstieg in das Oldtimerhobby - so auch bei mir. Verglichen beispielsweise mit der Auto-Ikone MINI fehlt dem MGB allerdings die große Rennsport-Historie. Diese ist im vorliegenden, vor ein paar Wochen neu erschienen Buch über den MGB zwar einige illustrierte Erwähnungen, aber nicht wirklich der Rede wert. Dazu war der B eine zu konservative und unspektakuläre Konstruktion - und damit nicht konkurrenzfähig. Von der revolutionärer Antriebs- und Fahrwerkstechnik eines MINI war er meilenweit entfernt. Beim B verrichtete ein leicht überforderter 1,8 Liter Vierzylinder trotzig und ruppig seine Aufgabe, 95 PS zur Verfügung zu stellen, während die blattgefederte Hinterachse ein sanft nachschwingendes Eigenleben führt und der Gentlemen-Driver sich oftmals fragt, weshalb in drei Teufels Namen die Briten bis zum Produktionsende des B an der aufwendigeren Verwendung des Overdrive festhielten, statt den Einsatz eines 5-Gang-Getriebes zu erwägen.
Beim MGB lautete die Antwort: Kein Geld! Der Autor David Knowles erzählt uns, dass MG als ewiges Stiefkind innerhalb des mächtigen BLMC-Konzerns die Aufgabe zufiel, Geld zu sparen. Da die BLMC-Chefs fast ausnahmweise vom ehemaligen MG-Konkurrenten Triumph stammten, der ebenfalls Teil des Konzerns wurde, konnten die tapferen MG'ler in Abingdon mit nur noch wenig Unterstützung von den Führungskräften ihres früheren „Erz-Rivalen" für ihr Modellprogramm rechnen. Doch der Reihe nach: Knowles führt fast chronologisch durch die Historie des B, die 1962 mit der Präsentation des Roadster ihren Anfang nimmt, über die Vorstellung des B GT, bis hin ins Jahr 1980, als nicht nur die Produktion des MGB eingestellt, sondern das gesamte Werk durch die fragwürdige Modellpolitik der Konzernmutter British Leyland einfach dicht gemacht wurde. Verkündet wurde dies der Belegschaft- mit einem Ausbund von Fingerspitzengefühl - just am Tage der Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Marke MG.
Auffallend ist der inhaltliche Schwerpunkt des Buches auf den US-Markt und dessen B-Varianten. Den etwas zwiespältigen US-Sicherheitsbestimmungen verdankte der MG seine klobigen Polyurethan-Stoßfänger, die ihm nicht nur vieles seiner gelungen Optik nahmen, sondern ihm auch den Titel „Gummiboot" verlieh. Auch die abgebildeten Anzeigen und Prospekte sind sehr US-lastig, so dass ich fast schon vermutete, der Auto sei Amerikaner. Dies Aufmerksamkeit gegenüber der Neuen Welt liegt jedoch daran, dass der US-Markt für MG mit der wichtigeste zum Überleben war. Dass er mit seinen Zulassungsvorschriften MG letztendlich das Genick brach ist eine Ironie der Geschichte. Mit dem Ende von MG bleib nur noch die Marke zurück, die innerhalb des Britisch-Leyland-Konzerns und später auch Rover gerne für sportliche angehauchte Fahrzeuge ge- und mißbraucht wurde. 1992 kam es jedoch zu einer würdigen Wiederauflage eines echten MG: Auf Basis des MGB wurde eine überarbeitete Version vorgestellt: Mit neuer Karosserie und dem bulligen 3,9-Liter-V8 des Range-Rover wurde der MG RV8 präsentiert - ein moderner Oldtimer wie auch der MINI. 1995 endete die Produktion. Was folgte war der MGF, der wirklich neu war und noch heute vom Band rollt.
Knowles Buch besticht durch tadellose Druckqualität und schöne, speziell für diesen Band produzierte Fotografien mit gelungenen Detailansichten. Zusammen mit den historischen Werbeaufnahmen (spezielle jene mit den fast unvermeidlichen Bikini-Girls der 70er Jahre, die mit ... äh ... stolz geschwellter Brust das Produkt präsentieren) und bislang kaum veröffentlichte Archivbilder sorgt dies für einen angemessenen Rahmen für den Auftritt dieses so „understatement" wirkenden Wagen, dessen bodenständige Qualitäten noch immer unterschätzt werden. Bildlich gesehen ist er der ältere Gentlemen im stilechten, aber abgewetzten Tweedanzug mit Lederbesatz an den Ellbogen, während der MINI eher wie ein ölverschmierten Rennoverall daherkommt.
Fazit: Das Buch ist ein reich illustrierter Streifzug auf hohem Niveau durch die Geschichte des MGB - dem immerhin in Sachen Stückzahl erfolgreichsten Sportwagen der britischen Insel! Ein schönes und empfehlenswertes Geschenk für MGB-Owner und jene, die es irgendwann einmal werden wollen.