Kurzbeschreibung
Der klägliche Zusammenbruch des Sozialismus hat offenbar nichts daran geändert, daß alle Welt im Kapitalismus wenn nicht den Feind, dann wenigstens ein gefährliches Monstrum sieht, das es zu zähmen gilt. Von links bis rechts, von den Kirchen bis Attac: Niemand hat den Kapitalismus lieb, nicht einmal in reichen kapitalistischen Ländern.
Aber wo gibt es Demokratie in nichtkapitalistischen Ländern? Und kann beispielsweise das kapitalistische Singapur auf Dauer existieren, ohne sich zu demokratisieren? Ist Kapitalismus nicht zwingend auf den Rechtsstaat angewiesen? Sind mafiotisch-kleptokratische Systeme - Rußland, China, viele Länder Afrikas - Stufen auf dem Weg zum entwickelten rechtsstaatlichen und demokratischen Kapitalismus? Ist Kapitalismus der erste Schritt, dem Demokratie folgen kann? Aber sind dann Kapitalismus und Demokratie als Gegensätze anzusehen, wie es weithin üblich ist?
Das diesjährige Doppelheft (Nr. 653/654) ist kein naiver Lobgesang auf den Kapitalismus, aber gegen den archaischen Antikapitalismus, der sich offenbar immer wieder naturwüchsig bildet, soll die Marxsche Emphase des Kommunistischen Manifests - ohne Eschatologie - und die liberale und moralische Vernunft eines Adam Smith - ohne sozialdarwinistische Verdrehungen - in Anschlag gebracht werden. Schon Tocqueville stellte die Alternative "Demokratie oder Diktatur" auf. Lautet die für unsere Zeit relevante Alternative "Kapitalismus oder Barbarei"?