Wir waren bereits viele, viele Male auf Kreta und kennen die Insel recht gut. Da wir aber vor Jahren in die USA umgezogen sind, kamen wir erst kürzlich, nach über 10 Jahren Unterbrechung, wieder dorthin. Deshalb haben wir Merian Kreta gekauft, um uns auf den neuesten Stand zu bringen darüber, was sich in der Zwischenzeit getan hat.
Das Heft war dazu ausgesprochen hilfreich: mit der Dicke einer Zeitschrift passte es problemlos ins Gepäck und nahm nicht so viel Platz weg wie ein regulärer Reiseführer. Dazu die schönen Aufnahmen sowie Hintergrundinfos, generell gut recherchierte Artikel und auch praktische Informationen, wie man es eben von Merian ganz allgemein gewöhnt ist. Wir haben aufgrund des Heftes etliche neue Plätze entdeckt und waren von manchen geradezu begeistert, weil sie den Artikeln genau entsprochen haben.
Natürlich waren wir nicht überall, aber sind nun endlich einmal aufgrund des entsprechenden Artikels nach Loutro gekommen, von dem uns im Heft paradiesähnliche Zustände, Stille und Abgeschiedenheit versprochen worden waren. Das konnten wir jedoch leider nicht bestätigen. Ja, es gibt dort keine Autos, aber ein Paradies sieht dann doch etwas anders aus. Wir fanden nichts anderes vor als eine Uferpromenade mit einer Taverne an der nächsten und dazwischen kleine Läden, die Postkarten, Tücher und billige T-Shirts verkauften - dasselbe also wie in jedem von Touristen frequentierten Küstenort, sei es auf Kreta oder anderswo. Wir fanden den Ort weder außergewöhnlich charmant noch interessant. Und selbst wenn man ein wenig den Berg hoch wanderte, traf man bloß all die anderen Touristen, die wohl auch auf der Suche nach Paradies, Stille und Abgeschiedenheit waren. Und dies wohlgemerkt in der Nebensaison (Mitte Oktober)... Das war also nicht ganz so gelungen.
Dagegen war Kouses mit Yannis Giannoutsos Kräuterladen ein Volltreffer und genauso, wie es der Artikel beschrieben hatte. Hochinteressant auch der Beitrag zum Kloster Toplou und den Versuchen seines Abts, eine strukturschwache Region wiederzubeleben, wie immer man dazu am Ende auch stehen mag.
Im Artikel zu den 12 schönsten Stränden Kretas wurde auch Elafonissi genannt. Dieses Mal haben wir es nicht dorthin geschafft, insofern mag der Strand inzwischen wieder mit Recht aufgeführt sein. Doch als wir das letzte Mal 1999 dort waren, sind wir nicht einmal mehr aus dem Wagen gestiegen, so schrecklich sah es dort aus - Massenparkplätze und ein blaues, portables Toilettenhäuschen am anderen. Dieser Massenansturm ist wohl hauptsächlich dem Ausbau der Straße dorthin zuzuschreiben, der es nun allen problemlos ermöglicht, auf relativ gerader Linie nach Elafonissi zu gelangen, anstatt wie vorher stundenlang über unasphaltierte Pisten zu holpern... Also eine gewisse Skepsis, ob das denn (noch? wieder?) so stimmt, die aber durchaus falsch sein mag.
Nichtsdestotrotz ein rundes Paket zum Thema Kreta, das für jeden etwas bietet: Sei es über Minoer und türkische Besetzung, Mikis Theodorakis, Strände, Wanderungen, Olivenbäume und Kräuter... Daher durchaus empfehlenswert, denn letztendlich ist einfach Vieles auch Geschmackssache und was dem einen touristisch erscheint, ist für den anderen das Traumziel.