Seine Bilder mit chromglänzenden Frauen sind weltweit bekannt, sie zieren Kalender und Titelseiten von Zeitschriften wie beispielsweise Heavy Metal. Viele seiner Roboter-Bilder wurden auf Postern abgedruckt oder wurden von den Anhängern seiner Kunst als außergewöhnlicher Desktophintergrund auf dem Monitor verwendet.
Die Rede ist von dem japanischen Illustrator Hajime Sorayama. Er ist keiner dieser jungen Wilden, denn er ist immerhin schon über sechzig Jahre alt. Hajime Sorayama wurde 1947 als Sohn eines Teppichknüpfers auf der Insel Shikoku im südlichen Japan geboren. Zunächst studierte er Sprachen und Literatur, ehe er sein eigentliches Talent entdeckte und sich mit der Malerei beschäftigte. 1969 verließ er die Tokioter Chuo-Kunstschule und war danach als Illustrator in einer Werbeagentur tätig. Zwei Jahre später machte er sich schließlich als freiberuflicher Maler selbstständig. Seine ersten Roboter-Bilder entstanden dann 1978.
Der Stil des japanischen Künstlers zeichnet sich durch einen Hyperrealismus aus, der durch eine fotorealistische Übersteigerung der Realität geprägt ist. Wobei sich Sorayama's Bilder durch besondere Lichteffekte auszeichnen. Seine erotischen Roboter-Frauen stellte er meist im Metallgewand, in Lackkleidern oder im Reitkostüm dar, mitunter auch als Pinup-Girl oder Domina. Tabugrenzen gibt es dabei für Sorayama kaum, deshalb wurden einige seiner Bilder bereits auf den Index gesetzt.
Wer seine Bilder das erste Mal betrachtet, denkt unwillkürlich an Airbrush, doch weit gefehlt, aber Sorayama's Pinselstrich ist so fein, dass immer wieder dieser Vergleich mit der Spritzpistole angestellt wird. Zumindest sehen viele Nachwuchskreative aus dem Airbrushbereich in ihm ihr großes Vorbild.
Bei der Bekanntheit und dem Können des japanischen Künstlers verwundert es allerdings, dass vor allem im deutschsprachigen Raum bisher kaum Werke mit seinen Bildern veröffentlicht wurden. Dieses Manko wurde nun mit einem äußerst opulenten Bildband der Zürcher Edition Skylight mehr als wieder gutgemacht.
Auf über 400 Seiten werden hier ca. 1000 von Sorayama's surrealistischen und futuristischen DADAIST-Gemälden präsentiert. Selbst aus dem Jahr 2010 sind einige Werke vertreten. Die Abbildungen sind von einer hervorragenden Druckqualität, dass sie den Originalen sehr nahe kommen. "Masterworks" wird sich in Zukunft sicher zu einem Standardwerk über den japanischen Künstler, zu einer "Sorayama-Bibel" etablieren.
Manfred Orlick