Keine Gesamtübersicht, nur Tagebuchnotizen eines Software-Laien:
Reiseroutenanimation
Satellitenfotos gibt es gar nicht und die Landkarte erinnert an bunte Nudeln, sie ist weit hässlicher als etwa Google Maps. Punkte werden per Gerade verbunden; die rote Routen-Linie folgt nicht dem exakten Straßenverlauf. Man kann die Linie nur am Endpunkt ziehen, aber nicht in der Mitte knicken und umformen wie online bei Google Maps. Man kann zwar nachträglich Punkte in der Mitte einfügen und dann ziehen, aber das Prozedere dafür ist umständlich.
Für die Animation gibt es nur wenige Fahrzeuge, ich vermisse v.a. ein knallgelbes Taxi, eine Fähre, Fußgänger und Radfahrer. Die vorhandenen Fahrzeuge sehen nach billigem Videospiel aus. Im fertigen Video erscheint das Fahrzeug an zwei Seiten von dünnen grauen Rändern umgeben. Man kann auch ohne Fahrzeug und ohne rote Linien arbeiten. (Es gibt auch wenig DVD-Menüs, aber man kann Menüs und animierbare Fahrzeuge online nachkaufen, die Links sind zum Glück schon im Programm.)
Wegpunkte lassen sich nicht kopieren und weiter unten in der Liste noch einmal einfügen. Kommt man also mehrfach durch einen Ort (zum Beispiel bei der Rückfahrt), muss man ihn je nach verwendeter Methode mehrfach anlegen, das ist fummelig und ergibt oft einen leichten Versatz, so dass die roten Routenlinien für Hin- und Rückweg nicht deckungsgleich verlaufen.
Das fertige Reiserouten-WMV-Video wird offenbar in der aktuellen Bildschirmauflösung des Reisenrouten-Programmfensters berechnet. Zieht man das Reiserouten-Programmfenster weit auf, kommt man bis auf 1920x1080 Pixel (je nach vorhandenem Bildschirm). Man kann den Reiseroutenfilm auch nach dem Einbau in eine Fotoshow noch mit den Mitteln von Fotos auf CD und DVD 10 deluxe beschleunigen, bremsen oder zoomen.
Gestaltung und Effekte
Man kann Sprechblasen, rasende Flugzeuge oder animierte Regenschauer einbauen. Alle diese Effekte kommen mit aufdringlichem Zwangston, der sich nicht dämpfen lässt. Die Sprechblasen lassen sich nicht drehen. Steht zum Beispiel der Sprecher links oben im Bild, gibt es keine Sprechblase, die perfekt auf ihn zeigt. Die meisten Deko-Effekte wirken zudem kindisch, ebenso wie die automatischen Bildfolgen per Story Maker.
Text wird in einem Dialogfeld über der Vorschau eingegeben. Dieses Dialogfeld ändert permanent seine Größe, im Dialogfeld erscheint der Text in laufend wechselnden Größen und Umbrüchen - nie so, wie er nach dem OK-Klick im Bild aussieht. Es ist nicht zu erkennen, wo man einen harten Umbruch eingegeben hat. Mitunter zeigt das Dialogfeld den Text unerklärlich groß, so dass man nur noch einen Teil eines einzelnen Buchstaben sieht. Mitunter ist das Textobjekt in der Zeitleiste noch da, aber in der Filmvorschau weg - ich musste das vorhandene Textobjekt löschen und ein neues Textobjekt mit dem vorherigen Text neu anlegen oder den letzten Klick widerrufen. Nach meiner Übersicht gibt es keinen vorbereiteten Effekt, der eine schlichte Textzeile im Bild langsam größer werden lässt und auf weiteren Hokuspokus verzichtet - so wie ich es aus Kinofilmen kenne.
Mit Wegpunkten/Keyframes plant man Zooms oder Kamerafahrten, also Bildausschnittveränderungen innerhalb der Betrachtungszeit eines Bildes. Zieht man einen Wegpunkt, bewegt sich das Bild nicht mit an die gewünschte Stelle der Zeitleiste - man muss erneut auf den Wegpunkt klicken. Kopiert man einen Wegpunkt und fügt ihn an anderer Stelle wieder ein, ist der neu eingefügte Wegpunkt nicht aktiviert, man muss ihn erst nochmal anklicken. Insgesamt hat dieses Verhalten zur Folge, dass man oft ungewollt weitere Wegpunkte erzeugt, so entstehen ungewollte Veränderungen im Ablauf, die man nicht immer auf Anhieb bemerkt.
Will man im Programmbereich Kamerafahrt/Zoom einen Rahmen verschieben, vergrößert er sich auf den ersten Mauszentimetern eventuell erst einmal. Zieht man einen Rahmen per Eckanfasser kleiner, schnuckt er manchmal nach Loslassen der Maustaste auf die frühere Größe zurück, so dass man erneut ziehen muss. Man kann vorgeben, dass neu hereingeholte Bilder automatisch per Kreuzblende überblendet werden. Dennoch entsteht bei später hereingezogenen Bildern oder verschobenen Bildern manchmal ungewollt eine Schwarzblende.
Korrekturen wie Helligkeit, Schärfe oder Bildausschnitt kann man kopieren und dann bequem auf ganze Bildreihen übertragen. Beim Kopieren wählt man aus, welche Veränderungen überhaupt kopiert werden sollen - zum Beispiel Helligkeit, Schärfe und Sättigung ja, Größenänderung nein. Die Helligkeit lässt sich nicht so genau steuern wie in einem guten Bildbearbeitungsprogramm, aber die Änderung ist völlig verlustfrei, die zugrundeliegende Bilddatei selbst bleibt unverändert. Einen schiefen Horizont korrigieren und dann noch eine Kamerafahrt planen ist etwas umständlich, weil die Vorschau im stehenden Bild den gedrehten Horizont nicht immer berücksichtigt, so dass die Kamerafahrt ungewollt leere Ecken zeigen kann.
Man kann auch Bilder oder Textobjekte kopieren und durch Einfügen duplizieren. Das geht aber nur innerhalb eines Projekts. Hat man seine Fotoschauen auf mehrere Projekte verteilt - zum Beispiel, um schneller zu laden oder um bei Abstürzen weniger zu verlieren -, kann man zumindest ein Textobjekt nicht herüberkopieren.
Ausgabe
Die fertigen Schauen von Bluray wirken kernig scharf und eindrucksvoll, außer bei längeren, langsamen simulierten Kamerafahrten, dort ruckelt es etwas, aber nicht dramatisch. Es flimmert auch, obwohl ich den Antiflimmerfilter verwendet habe.
Schreibt man eine einzelne Filmdatei z.B. im WMV-Format, kann man in den Optionen angeben, dass der Rechner anschließend herunterfahren soll. Hat man jedoch OK geklickt und das mehrstündige Berechnen des Films beginnt, kann man das Herunterfahren nicht mehr vorbestimmen. Weit besser wäre es, wenn der Statusbalken die Option Herunterfahren des Rechners nach Beendigung anbietet - so wie Backup- oder Brennprogramme. Brennt man eine komplette DVD oder Bluray, gibt es nach meiner Übersicht keine Möglichkeit, den Rechner nach Abschluss herunterfahren zu lassen.
Bei Präsentation per Full-HD-Beamer denkt man schon fast an eine traditionelle Diaschau. Das Programm bietet allerdings nur wenige Bluray- oder DVD-Menüs an, die gestalterisch teils auch nicht überzeugen. Zum Glück kann man gleich aus dem Programm heraus online nachkaufen. In einem Fall brannte ich eine Bluray, die dann am Player nicht lief - man sollte also immer gleich testen. Eine recht volle Bluray zu berechnen und zu brennen, dauerte bei mir rund 33 Stunden (dreiunddreißig) an einem neueren Rechner.
Stabilität
Zunächst stürzte das Hauptprogramm öfter ab - mal lief es eine Woche muckenlos, dann wieder konnte man keine fünf Minuten arbeiten. Ich musste die Grafiktreiber in meinem Rechner auf den neuesten Stand bringen - inklusive einem Patch von Microsoft, den der Grafikkartenhersteller vorschrieb. Danach lief das Magixprogramm weitestgehend stabil.
Nach einem Magix-Absturz läuft mein Rechner gelegentlich weit langsamer als gewohnt. Das lässt sich mit einer Festplattenbereinigung beheben, die jedoch Stunden dauern kann, der Rechner ist in der Zeit nicht nutzbar, abzubrechen nur per Netzschalter.
Bei einem Absturz bleibt die aktuelle Arbeit meist in einer automatischen Sicherungskopie gerettet und steht unkompliziert zur Verfügung. Mitunter ist die Sicherungskopie jedoch älter als die zuletzt von Hand gespeicherte Version - die jedoch lässt sich nach dem Absturz eventuell nicht mehr öffnen. Wenn ich es richtig sehe, speichert das Magixprogramm neueste Dateiversionen oft unter Beibehaltung des älteren Änderungsdatums, was sehr verwirren kann.
Ich habe im Hauptprogramm die Vorschau auf halbe Auflösung und schnelle Berechnung gestellt. Dennoch ruckelt die Vorschau etwas, zudem sieht sie so natürlich verschwommen aus. Ob Ton und Bildübergänge gut sitzen, lässt sich so nicht immer prüfen. Also wandele ich den kritischen Teil der Fotoshow in einer Pause in eine mittelgroße Videodatei um, die ich dann beurteile. Alternativ kann man die Vorschau auch auf Viertel-Auflösung umstellen, das sieht aber gruselig am Schirm aus.
Will man zwischen voller und halber Vorschauauflösung wechseln, muss man erst mit der Taste Y die Programmeinstellungen aufrufen, dann noch ins richtige Register wechseln und dann klicken - jedesmal. Folgendes optionale Verhalten wäre besser: So lange man Einzelbilder betrachtet, zum Beispiel Bildausschnitte oder Kamerafahrten einrichtet, verwendet das Programm die volle Auflösung; klickt man unterm Vorschaufenster auf die Play-Taste, um einen Teil in der Vorschau ablaufen zu sehen, wechselt Magix zur halben Auflösung, damit es flüssiger geht.
Fazit
Eine Software mit tollen Möglichkeiten, aber auch Tücken und Lücken, die mir meine Anwendermängel weit deutlicher vor Augen führte als jedes andere Programm. Ich habe auf einige eigentlich reizvolle und eingeplante Magix-Gestaltungsmöglichkeiten letztlich verzichtet, weil ich mich nicht weiter rumstressen wollte und weil die Effekte und Textobjekte oft so kindisch wirken.