Zugegeben, ich habe nicht viel erwartet, als ich im Kaufhaus in dieses "Album" reingehört habe. P!nk stand für mich für rap- bzw. hiphop-lastigen R&B, kombiniert mit schrillen Outfits. Für mich persönlich Hintergrund-Gedudel fürs Autoradio... nicht mehr und nicht weniger. Eben eine Britney Spears in HipHop...
Der erste Titel, "Missundaztood", passt genau in dieses Schema - genau wie der Smash-Hit "Get This Party Started" (für mich mit Abstand der schwächste Titel des Albums) oder das (t)rotzige "Respect".
Doch ich werde den Eindruck nicht los, dass diese Titel a) von der letzten Scheibe übrig geblieben waren oder b) nur auf dieses Album gefunden haben, um alte Fans nicht zu verprellen - denn was P!nk ansonsten an Songs abliefert, ist eine radikale und mutige Abkehr von ihren früheren Songs.
Zunächst der Sound - erdig, rockig, zuweilen etwas (gewollt) trashig ("Misery"). Das alles jedoch ohne in dumpfen Lärm auszuarten. Es gibt nur ein Wort dafür: toll. Ich fühle mich erinnert an das Debüt von Alanis Morissette. Eingängig und abwechslungsreich und doch so anders als der Rest der Charts...
Doch am allermeisten fesseln die Texte - der Titel des Albums - Missundaztood! - ist Programm. P!nk singt sich in ihren selbst geschriebenen Songs Kindheits-Erfahrungen ("Family Portrait"), gescheiterte Beziehungen ("Just Like A Pill"), Einsamkeit und Enttäuschungen ("Lonely Girl", "Eventually") aus der Seele und rechnet mit oberflächlichen, verlogenen und geldgierigen Menschen ab ("My Vietnam", "Don't Let Me Get Me"). Und genauso wenig wie der Musik kann ich mich den Texten entziehen. Nicht wenige Male standen mir die Tränen in den Augen, und das immer wieder. Dies hat noch keine Platte bewirkt.
Bis auf o.g. Ausreißer hätte daher m.E. jeder Song das Zeug zum Hit gehabt. Mit diesem Album hat P!nk bewiesen, dass unter den ausgeflippten Klamotten, den (nicht mehr...) pinken Haaren und dem HipHop-Gehabe, das sie bislang an den Tag legte, auch nur ein verängstigtes und verletztes Mädchen steckt - gleichwohl ein Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt. Und diese ganze Offenheit in einer keineswegs aufgesetzten Art, wie sie sich z.B. bei Christina Aguilera aufdrängt...
Ich bin froh, dass die Platte trotz der düsteren Grundstimmung ein Bombenerfolg war - in einer Zeit der Retorten-Superstars um so beachtlicher!
Mein Tipp: Kaufen, träumen, mitfühlen (und -weinen)...
PS: Könnte ich mehr Sterne vergeben, ich würde es tun!