Schnell zieht die Autorin den Leser in den Bann - aus der Beschreibung des banalen Alltages geht es im Stakkatotempo hinein in eine Katastrophe, die jeden täglich in gleicher Weise zu treffen vermag: Die Feststellung, dass im Netz jemand zum Reden aufgelegt ist, mit dem man Humor wieder entdeckt, der im chaotischen Familieneinerlei schon beinahe verloren gegangen scheint. Natürlich kann ein Partner, der morgens neben einem die Zahnpasta ins Becken schmiert, nicht gegen einen "Bildermenschen" anstinken - doch wie geht es weiter? Wie weit darf man gehen im Netz, das nun nicht mehr anonym ist, sondern zur Nabelschnur wird, an der das eigene Leben hängt, ja abhängtvon Strom und zweiseitigem Input? Der Leser liebt mit, lacht mit, weint mit. Besonders gelungen: Die verschiedenen Erzählebenen. Nicht nur Mann-Frau, von fern grüßt Goethes Werther herüber, Märchenhaftes und eine ganze Menge klassischer Musik dröhnt aus den Boxen. Oder besser gesagt - subtil sickert der wachsende Wahnsinn ins Gehirn, geht an Grenzen und findet einen Weg, der vielleicht eine Sackgasse ist. Rasante Sprache und eine umwerfende Idee - endlich! Der erste Werther aus Charlottes Sicht, aber auch für Männer eine mit- und hinreißende Warnung: Vorsicht vor dem Netz. Es könnte gefährlich sein. Liebe ist nicht immer nur schön, aber selten so schön himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt beschrieben wie hier.Unerwartetes Ende übrigens... Mehr! Mehr!