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TOP 500 REZENSENTam 10. Oktober 2013
Dies ist die Rezension eines Tabor-Süden-Neulings, der das Risiko eingegangen ist, ganz hinten in Friedrich Anis langjährige Reihe um diesen seltsam sympathischen Vermisstenjäger einzusteigen. Gereizt hatte mich dabei auch der lapidare Titel "M", der ein ungewöhnliches Buch versprach. Und ungewöhnlich ist das Buch, aber nicht wegen des Titels (dazu gleich mehr).

Tabor Süden hat seinen Dienst als Kriminalkommissar quittiert und arbeitet jetzt für eine kleine Münchner Detektei. Diese erhält eines Tages von einer Journalistin den Auftrag, nach deren seit einer Woche verschwundenem Freund zu suchen. Dabei spüren die Kollegen sofort, dass ihnen die Dame längst nicht alles erzählt, was sie weiß. Das gilt vor allem für ihre Beziehung zu dem Verschwundenen.

Warum das so ist, bleibt unseren Detektiven nicht lange verborgen: Die Spur führt bald in den rechtsradikalen Untergrund, und bei ihren nicht immer sehr professionell durchgeführten Nachforschungen bekommen sie es mit Leuten zu tun, die es überhaupt nicht schätzen, wenn man sich für ihre Aktivitäten interessiert. Das gilt dann auch für die Kollegen des LKA, denen sie dabei auf die Füße treten (und diese natürlich ihnen). Und die Suche nach dem Vermissten steht schon bald nicht mehr im Vordergrund.

Ani versteht es, seine Figuren ausgesprochen malerisch zum Leben zu erwecken, vor allem den melancholischen Tabor Süden, aber auch dessen Chefin, die ihren eigenen ungelösten Fall mit sich herumträgt. Gelegentlich entwickelt die Metaphorik einige Eigendynamik ("Sie sahen sich an, und ihre Blicke waren wie Leinen gespannt, an denen sie die tränenvollen Fetzen ihrer Gedanken trockneten."), aber doch nur gelegentlich. Ich bin hier übrigens zum ersten Mal dem schönen, weil kurzen und verständlichen Wort "Vermissung" begegnet, das viel besser klingt als das beamtendeutsche "Vermisstenfall". Ani-Fans kennen das wahrscheinlich schon längst.

Die rechtsradikale Szenerie ist aber für meinen Geschmack zu holzschnittartig und klischeehaft dargestellt, und das gesellschaftliche Umfeld, das von ihr unterwandert wird und das davon so gar nichts mitbekommt, etwas sehr naiv. Und dass ich am Ende tatsächlich nicht wusste, was der Titel "M" bedeutet, hat mich dann doch an mir zweifeln lassen. So voller Menetekel, von denen auf dem Einband die Rede ist, war die Geschichte jetzt auch wieder nicht, und Bezüge zum Filmklassiker gleichen Namens habe ich, trotz Kindesmord hier wie dort, auch nicht gesehen.

Zum eingangs erwähnten Risiko sei noch angemerkt, dass Tabor Südens Vorgeschichte aus 18 Romanen so kurz und klar angedeutet wird, dass Neulinge wie ich alles erfahren, was sie für diesen Roman wissen müssen, alte Süden-Hasen aber auch nicht über Gebühr gelangweilt werden.

- Kostenloses Rezensionsexemplar -
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am 20. Oktober 2013
„Er fuhr ..... zum Waldfriedhof, redete mit seinem Freund Martin und anschließend mit seinem Vater, dem er vom aktuellen Fall erzählte“.

Freund und Vater, die sich allerdings nicht „auf“ dem Friedhof mit Tabor Süden zum Gespräch treffen, sondern die je in ihren Gräbern dort ruhen. Wobei Tabor Süden nicht einfach eine „Störung“ in sich trägt, sondern gerade diese Szenen auf dem Friedhof (die regelmäßig zu Tabor Südens Leben gehören) in sehr direkter Form die melancholische Grundstimmung der Romane um den privaten Detektiv Tabor Süden herum kennzeichnen.

Wobei Tabor selbst beleibte nicht der einzige Mitarbeiter (oder anderweitig an diesem Fall Beteiligter) ist, der diese Stimmung ausstrahlt. Eine feine, immer zu spürende, nie aber flach dargestellte „Dunkelheit im Leben“ ist Teil so mancher tragender Personen im Buch.

Leonhard Kreutzer, älterer Kollege Tabors, geht auf den fünften Todestag seiner Frau zu, „aber für Kreutzer würde es bis zum Ende der Zeit nur einen ersten geben“.

Oder Patrizia, noch in einer Bar arbeitend und sehr interessiert daran, ganz und gar in die Detektei zu wechseln. Und doch in stiller Sorge, dass all die Solitäre dort plötzlich innerlich nicht mehr erreichbar für sie wären, ganz in ihrer eigenen Welt sich abschließen könnten.

Viele solcher Fäden führt Ani immer wieder auf der emotionalen Ebene in seine Gestaltung ein. Sprachlich versiert und mit sensibler Bildsprache nimmt er den Leser in dieser Weise emotional mit hinein in eine Welt, in der Verluste drückend die Realität mit begleiten.
Was keinen der Beteiligten davon abhält, vollen Einsatz für den anstehenden Fall zu bringen.

Ein Mann wird vermisst, ein scheinbar einfacher Taxifahrer. Dessen Freundin beauftragt die Detektei und Tabor Süden macht sich an die Nachforschungen. Nur um sehr schnell zu bemerken, dass so gut wie alle Geschichten, die er überprüft, schon ersten Blicken nicht standhalten. Der Mann hatte noch eine andere Vergangenheit außer Fahrer zu sein. Die Freundin ist gar nicht so eng mit dem Verschwundenen verbunden gewesen, wie sich ebenfalls bei ersten Nachfragen erweist. Auffällige Männer sind in der Umgebung der Wohnung des verschwundenen Siegfried Denner anzutreffen, die Söder sehr an ehemalige Kollegen des BKA in Gestus und Habitus erinnern.

Und Kreutzer benötigt, unfreiwillig, auch nur erste Schritte an Ermittlungen, um sehr schnell sich eine Kopfwunde einzufangen.
Im Dunstkreis von kompakt gebauten Männern, die gerne „die Partei“ erwähnen und alte „Parteigenossen“ zu schätzen wissen.

Was alles nur die Spitze des Eisberges ist, den Süden in seiner konsequenten, nie lockerlassenden Art (und in so manchen Zwiegesprächen mit seinen treuren Verstorbenen), Schritt für Schritt aus dem Wasser heben wird. Und dabei zwischen Fronten und in hohe Gefahr geraten wird. Er und die Seinen. Dennoch lässt er nicht locker und ahnt, das die Auftraggeberin Mia Bischof der Schlüssel zum Verstehen sein wird.

Auf sprachlich hohem Niveau, mit ausgefeilten, sehr differenzierten Figuren und einem überzeugend konzipiertem Fall legt Friedrich Ani zum wiederholten Male auch mit diesem Roman eine sehr empfehlenswerte Kriminallektüre vor. In dem die zunächst scheinbar zusammenhanglos erzählte zweite Geschichte einer Kindesentführung sich zum Ende hin in das gesamte Bild bestens mit einfügt.
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am 16. Juni 2014
Gleich am Anfang des Romans lernt man verstehen, warum Ani ein Liebling des Zeit-Feuilletons ist.
Da sitzt die Inhaberin der Agentur auf der Ledercouch, wartet auf ihre Tränen, und es „ entwischte ihr Blick dem vom Innern verdunkelten Verlies ihrer Augen und fiel auf das Ensemble der Stumpenkerzen“, die allein zu dem Grund gekauft wurden, „den Gästen beim Essen und Trinken und Reden mit munterem Flackern Gesellschaft zu leisten“.
Überhaupt die Tränen. Sie fließen reichlich in diesem Roman. Und es gibt auch eine Menge Anlass zum Weinen. Da ist einerseits die traurige Lebensgeschichte der versammelten Detektive, mit der sich dieselben so ausführlich beschäftigen, dass die Geschichte teilweise zum Erliegen kommt.
Und da ist andererseits die dilettantische Ermittlungsarbeit, die dazu führt, dass ein Ermittler tatsächlich ums Leben kommt und die zweite Ermittlerin nur knapp einem Mordanschlag entgeht.
Das rechte Milieu, welches den Ermittlungen zugrunde liegt, bzw. dessen bedrohliche und heimattümelige Atmosphäre, hat Ani recht gut getroffen, auch wenn die Protagonistin in all ihren Widersprüchen nicht so recht überzeugt.
Nur allerdings befassen sich die Rechten in diesem Roman hauptsächlich damit, die eigenen Leute, alte Männer oder die dilettierende Detektivin ums Leben zu bringen. Insofern kann man fast von einer Verharmlosung sprechen.
Anis Stärke ist sicher auch die Zeichnung der Personen und ihrer psychischen Befindlichkeiten. Mit den Jammerlappen als Detektiven, die er seinen Lesern präsentiert, mutet er Ihnen aber auch einiges an Toleranz zu. Praktisch jede Ermittlung geht hier in die Hose und endet für die Beteiligten beinahe fatal. Ausnahme ist der „Held“ Süden, der mit Hilfe von ungeahnten und arg strapazierten Zufällen und Kombinationen am Ende den Fall zur Strecke bringt.
Ich habe lange keine Ani-Geschichte mehr gelesen und nehme nicht an, dass dies hier die stärkste ist. Dieselbe schleppt sich im Mittelteil arg zäh über viele Seiten dahin, so dass es einige s an Durchhaltevermögen erfordert, bei der Stange zu bleiben.
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am 20. November 2014
Freunde des Detektivs und ehemaligen Kommissars Tabor Süden werden auch dieses Buch lieben. Friedrich Ani hat mit "M" wieder einmal einen sehr spannenden und gesellschaftskritischen Krimi mit viel Menschenkenntnis geschrieben, welcher diesmal in der bayerischen Landeshauptstadt München spielt.

Kurz zum Inhalt:

Die Detektei Liebergesell wird von der Journalistin Mia Bischof beauftragt, ihren vermissten Freund Siegfried Denning zu suchen. Tabor Süden und seine Kolleginnen / Kollegen finden die neue Auftraggeberin sehr seltsam und zweifeln an der Aufrichtigkeit des Auftrages. Auch das LKA ist auf der Suche nach Siegfried Denning, bei dem es sich sogar um einen verdeckten Ermittler handeln soll. Es kommt zu einigen Verstrickungen, die dann auch zur Rechtsradikalenszene führen. Die Kollegen der Detektei geraten bei ihrer Arbeit in höchste Gefahr. Tabor Süden gerät in einen Sumpf aus Gewalt, Verrat, Lügen und tiefster Verachtung. Seine Chefin Edith Liebergesell muss erneut das grausamste Ereignis ihres Lebens durchleiden - die Ermordung ihres Sohnes.

"M" wie Mia Bischof; "M" wie München; "M" wie Menschenleben; "M" wie Meisterhaft...

34 Kapitel auf 365 Seiten sehr spannende und anspruchsvolle Lektüre!
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am 23. Oktober 2013
Von 1998 bis 2005 hatte der Münchner Schriftsteller Friedrich Ani in 14 Büchern seinen Kriminalkommissar Tabor Süden mit seinem Team bei der Münchner Kripo Morde aufklären und schwerpunktmäßig nach vermissten Menschen suchen lassen. Obwohl diese Bücher niemals die Auflagen erzielten, wie etwa die vieler skandinavischer Krimireihen, wurden sie regelmäßig von der Literaturkritik hoch gelobt, die seit den Romanen von Sjöwahl/Wahlhöö von einem Krimiautor nicht mehr so begeistert war.

Und das lag an der Perspektive von Friedrich Ani, an der Weise, wie er selbst und mit ihm seine Hauptfigur Tabor Süden die Welt und die Menschen betrachtet, wahrnimmt, erleidet, spürt und nicht selten regelrecht "liest."

Mit dem Roman "Süden und der Mann im langen, schwarzen Mantel" war dann für Tabor Süden Schluss. Er hängte den Polizistenberuf an den Nagel und wollte etwas ganz anderes machen. Ob Friedrich Ani damals schon daran dachte, ihn irgendwann nach einigen Jahren wieder zurückzuholen, wie er es seit 2011 in mittlerweile drei Romanen getan hat, glaube ich weniger. Zunächst erfand er mit dem ehemaligen Priester Polonius Fischer einen Ermittler im Münchner Dezernat 11, der in leider nur drei Bänden seine Ermittlungstätigkeit nicht nur verband mit tiefen philosophischen und theologischen Reflexionen auch über sein eigenes bewegtes Leben, sondern auch ein ähnliches Faible entwickelte wie Tabor Süden für die Outlaws, die Unsichtbaren und unsichtbar gemachten Menschen in einer Gesellschaft, die ihr unteres Segment aufgegeben hat.

Fast zeitgleich entwickelte er bei DTV eine Reihe von kurzen Krimis um den "Seher", den bei einem Einsatz erblindeten Kommissar Jonas Vogel und seinen ebenfalls bei der Münchner Kripo arbeitenden Sohn.

Allen drei Polizistenfiguren von Friedrich Ani hat er seine eigenen Fähigkeiten und Vorlieben angedichtet. Sie sehen die Menschen, dort, wo anderen blind sind, sie lieben, jeder auf seine Weise, die Menschen, auch wenn die anderen und sie sich selbst längst aufgegeben haben. Und sie suchen nach dem, was dahinter ist, was verschwunden ist, sie fühlen und lesen "die leeren Zimmer."

Nun ist Tabor Süden mit einem weiteren Band zurück. All die Jahre war er in Köln, hat dort als Kellner gearbeitet, als ihn im vorletzten Buch ein Anruf aus München dorthin regelrecht zurückzwingt. Sein Vater, der vor 35 Jahren einfach verschwand und damit eine noch immer schmerzende Wunde in Süden zurückließ, hat sich gemeldet. Weil er, ihn suchend, sich in München von irgendetwas ernähren muss - Süden ist ein armer Mann geblieben-, heuert er bei einer Detektei an, die er aus seiner Zeit als Kommissar kennt und bekommt einen Fall eines Mannes, der seit zwei Jahren verschwunden ist.

Auch im neuen Buch „M“ geht es um eine Vermissung. Die Journalistin Mia Bischof meldet sich bei der Münchner Detektei Liebergesell, wo Tabor Süden zusammen mit der Chefin und zwei weiteren sympathischen KollegInnen arbeitet und erteilt ihr den Auftrag, nach ihrem verschwundenen Freund und Partner Siegfried Denning zu suchen. Süden und seine Kollegen erleben Mia Bischof als seltsam. Sofort sind sie voller Zweifel an der Aufrichtigkeit des Auftrags. Und weil sie wie immer vom Auftraggeber nur die Informationen bekommen, die ihn eher von einer Lösung wegführen (vgl. Sara Gran, Die Stadt der Toten und die Maxime ihrer Ermittlerin Claire de Witt: „Der Auftraggeber kennt die Lösung des Rätsels bereits. Aber er sträubt sich dagegen. Er beauftragt den Detektiv nicht, um das Rätsel zu lösen. Er beauftragt ihn, um sich bestätigen zu lassen, dass es keine Lösung gibt.“) machen sie sich, wie früher auch schon, auf die Spuren des Vermissten. Auch im neuen Buch hat Friedrich Ani Südens ganz eigene Art perfekt beschrieben: Er redet mit vielen Menschen, liest zwischen den Zeilen, hört das, was verschwiegen wird, und wird irgendwann selbst zu dem Verschwundenen, lernt so zu denken und zu fühlen wir er.

Bald schon wird klar, dass es hier um größere Zusammenhänge geht und die Spuren gehen in das rechtsradikale Milieu der Stadt und den Anschlag auf die neue Münchner Synagoge. Das LKA sucht ebenfalls nach Siegfried Denning und möchte, dass die kleine Detektei Liebergesell sich da raus hält. Süden stößt auf eine Wand aus Lügen und Schweigen. Dennoch bleiben Edith Liebergesell und ihre Mitarbeiter dran und kommen sehr schnell in höchste Lebensgefahr. Edith Liebergesell muss noch einmal schmerzhaft jene Zeit durchleben, als vor vielen Jahren ihr kleiner Junge spurlos verschwand und erfährt auch, wer dafür verantwortlich war.

In einer Zeitungsrezension war einmal über Anis Bücher folgender Satz zu lesen: "Wer Anis Geschichten liest, lernt anders denken". Das trifft auch und erst recht auf das neue Buch zu. Aber ich möchte ergänzen: er lernt auch anders mitfühlen und anders über Menschen urteilen, die die Gesellschaft längst abgeschrieben hat, die lebendig tot sind, und schon lange, bevor sie abtauchen, längst in sich selbst verschwunden sind, in "leeren Zimmern" leben.

Es ist gut, dass Ani Tabor Süden "weiterleben" lässt, und vielleicht auch irgendwann lieben. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn er irgendwann auch Polonius Fischer reaktivieren würde.

Reich an intensiver Sprache mit starken und ausdruckskräftigen Bildern nimmt Friedrich Ani seine Leser wieder mit auf eine spannende Reise durch Bereiche unserer Gesellschaft, die er seinen Tabor Süden erkunden lässt wie kaum ein anderer Krimiautor der Gegenwart. Anspruchsvolle Lektüre vom Feinsten.
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VINE-PRODUKTTESTERam 15. Oktober 2013
Die Mitarbeiter der Münchner Detektei Liebergesell erhalten von der Journalistin Bischof den Auftrag, ihren seit wenigen Tagen vermissten Freund Siegfrid Denning zu suchen, der sich zuletzt wohl etwas seltsam verhalten hätte. Doch die Mitarbeiter der Detektei halten auch das Auftreten und Verhalten ihrer Auftraggeberin selbst für seltsam und fragwürdig und beginnen ohne Unterstützung ihrer Chefin zu recherchieren, die jedes Jahr zur gleichen Zeit ein grausames, erschütterndes Ereignis aus ihrer Vergangenheit durchlebt und sich dabei ihrem Alltag entziehen muss. Und doch könnten Tabor Süden und seine Kollegen jede Hilfe gebrauchen, denn es scheint, als ob der vermisste Taxifahrer Denninger dem rechtsextremen Gedankengut zugeneigt zu sein scheint - das Auftauchen des LKA und Ermittlungsbehinderungen durch die Kripo lassen vermuten, dass die kleine Detektei einer solchen Situation nicht gewachsen ist. Als sich auch Verdachtsmomente gegen die Auftraggeberin Bischof eröffnen, nimmt der weitere Verlauf der Suche eine katastrophale Wendung...

Offen gestanden, fällt es mir nicht einfach, einen passenden Anfang für meinen Kommentar zu finden, wenngleich ich dieses kleine Problem mit dieser Formulierung eigentlich sogar bereits gelöst zu haben scheine: Ich könnte stattdessen aber anfänglich erwähnen, wie wort- und bildgewaltig Ani's sehr eigentümliche, aber wundervolle Prosa ist, wie realitätsnah, wie authentisch sich intensive, lange Monologe und Dialoge und selbst das gefühlte Schweigen anfühlen. Schonungslos zeichnet Ani ein echtes Bild von echten Menschen mit ihren echten Ängsten und Sorgen und Problemen und ihrer eigenen Machtlosigkeit gegenüber notwendigen Lösungen. Ungeschönt und offen übt Ani Sozialkritik, vergisst dabei aber nie die Menschlichkeit und versucht auch ebenso die Motivation hinter Handlungen unbewertet und ungeschönt zu erklären.

So fiel es mir auch bei diesem Roman nicht einfach, die Fiktion hinzunehmen und zu akzeptieren, so plastisch, so authentisch wirken die Figuren und Szenen. Darüber hinaus ist 'M' vielleicht einer der extremsten Romane aus der 'Süden'-Reihe: Die Handlung ist im Vergleich zu anderen 'Vermissungsfällen' Ani's ausserordentlich komplex und einige Szenen haben mich in kurzzeitige Fassungslosigkeit gestürzt. Auch damit ist es Ani gelungen, mich nachhaltig zu beeindrucken. Ein großartiger, leiser und doch bild- und wortgewaltiger, schonungslos spannender Krimi, der klar die so markante Handschrift Ani's trägt - "Möge es nützen!"
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am 17. September 2015
Klappentext: „Er war irgendwie anders in letzter Zeit. « Mit diesen Worten beauftragt die Redakteurin Mia Bischof die Detektei Liebergesell, nach ihrem vermissten Freund zu suchen. Süden und seine Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Sie sehen sich in ihrem unguten Gefühl bestätigt, als irritierende Hinweise im Arbeitsumfeld des Vermissten auftauchen. Er habe Kontakt zu Neonazis, heißt es. Doch Mia bestreitet das vehement. Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – bis seine Kollegen in höchste Gefahr geraten und er um ihr Leben fürchten muss.“

München, Mia, Martin, Macht, Mord … das M steht im Vordergrund. Das Buch spielt im kleinbürgerlichen Niveau, einschließlich im Dunst billiger Bürgerkneipen. Und es macht den Eindruck, dass jeder Akteur dieser Geschichte ein Looser ist, gescheitert an sich selbst, an seiner Unfähigkeit, zum richtigen Zeitpunkt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Jeder hat eine Person verloren, um die er heftig trauert.
Mia Bischof beauftragt das Detektivbüro Liebergesell nach ihrem Freund Siegfried Denning zu suchen, einem Taxifahrer. Tabor Süden, ehemaliger Polizist, arbeitet in diesem Büro, eine Dreipersonengesellschaft voller Kauze.

Die Spuren führen in das rechtsextreme Milieu von München, der Denning angehören soll. Kein Klischee, keinesfalls plakativ, eine Geschichte, die sich immer weiter atmosphärisch verdichtet. Jeder Akteur hat Angst und ist von Zweifel geplagt. Plötzlich ist das Detektivtrio im Visier der Rechten Szene, kommt auch noch dem Verfassungsschutz zu nahe, ein Detektiv wird brutal zusammengeschlagen.

Ein düsterer Roman, den keine Schnelligkeit treibt, auch keine aktionreichen Plots. Eine exzellente Erzählung hält den Leser dabei. Die Kunst des Dialoges, mit ein wenig Poesie, Philosophie und Spott gespickt, „mehr“ braucht es nicht, um ein gutes Buch zu schreiben.
Allerdings ist mir die Story inhaltlich zu wenig ausgereizt, zu weit entfernt von der Realität. Angekündigt als Roman über die rechte Szene, kam hier zu wenig. Ein paar Altnazis, die an sich politisch untätig sind, übriggebliebene Fragmente aus dem letzten Weltkrieg. Das einzige was sie handeln lässt, ist es, sich lästiger Mitwisser zu entledigen. Und dann taucht ein LKA-Beamter auf, der sich locker mit Süden über Staatsgeheimnisse austauscht, obwohl sie sich nicht kennen? Nicht glaubhaft, beim besten Willen.

Ein lesenswertes Buch, ganz sicher. Wer aber etwas über die Rechte Szene erfahren möchte, sollte zu anderer Literatur greifen.
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am 15. Juli 2015
Ich möchte voranstellen, dass ich ein glühender Fan der Tabor-Süden-Reihe bin und Friedrich Anis Vielseitigkeit sehr schätze.

"M" ist ein gutes, ja sogar mutiges Buch, was die Themenwahl und Komplexität des Erzählten betrifft: Rechtsradikalität in München, in Bayern, verknüpft mit den persönlichen Geschichten der Ermittler.

Diese Thematik und die komplizierte schriftstellerische Komposition haben mir gefallen und mich überzeugt. Allerdings fehlt mir in "M" die Treffsicherheit in den Beschreibungen, die die ursprünglichen "Süden-Krimis" ausgemacht hat. Das gesamte Buch durchzieht eine Angestrengtheit und Schwerfälligkeit, die nicht allein damit zu erklären ist, dass Ani die dunkle Grundstimmung der Situation und die düsteren Seelenzustände seiner Protagonisten, vor allem seines Alter Egos, Tabor Süden, hat wiedergeben wollen. Vielmehr scheint mir, dass er zu viel gewollt hat, noch klangvollere Metaphern finden, noch virtuosere Gedankengänge entwerfen und dadurch sprachlich ungewohnt linkisch, holprig und maniriert umständlich wurde. Vor allem der Mittelteil ist ihm zu ausufernd geraten.
Dass der Prozess des Schreibens harte Arbeit ist, darf der Leser schon spüren, aber die Qualität des Buches sollte darunter nicht leiden.

Entsetzt bis erschüttert und erzürnt haben mich die handwerklichen Mängel, die meine Ausgabe aus dem Jahr 2013 durchziehen. Die fehlerhafte Grammatik sowie die Rechtschreibefehler hätten spätestens dem Lektor auffallen und beseitigt werden müssen!

Worin Friedrich Ani ein Meister ist, sind die Menschen- und Charakterstudien und deren Wiedergabe sowie die aus dem Leben gegriffenen Dialoge. All das findet sich zum Glück auch in "M" wieder. Deswegen und wegen der furiosen, gnadenlos abgründigen Auflösung seines Kriminalfalls wurde ich am Ende mit dem Buch "M" versöhnt, sodass ich zur Bewertung "nicht schlecht", 3 Sterne, gelange.

Ich denke, "M" ist ein mutiges, komplexes, ambitioniertes Buch, das Friedrich Ani aufgrund der Thematik sehr am Herzen lag. Es dürfte sein dunkelstes, melancholischstes sein. Es beinhaltet eine Menge Hoffnungslosigkeit, viel Ratlosigkeit und resignative Verzweiflung und stellt von daher keine leichte Lektüre dar.
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am 12. Mai 2015
Dies ist mein erstes Buch von Friedrich Ani bzw. um den Detektiv Tabor Süden, und ehrlich gesagt, habe ich lange nicht mehr so ein freudloses Buch gelesen. Das komplette Detektiv-Team scheint depressiv zu sein, Tabor Süden trauert um seinen Freund, die Chefin trauert kettenrauchend um ihren Sohn, Leo Kreutzer trauert um seine Frau, und Patrizia Roos trauert zwar offenbar nicht, aber Freude am Leben scheint sie auch nicht zu haben. Da auch keiner von ihnen Freunde oder Familie zu haben scheinen, passen sie andererseits auch wieder ganz gut zusammen.

Die Detektei wird von Mia Bischoff beauftragt, ihren verschwundenen Freund zu suchen. Die Recherche wird plötzlich (eigentlich nur durch eine einzige Bemerkung eines Kollegen) in eine bestimmte Richtung gelenkt. Diese Richtung hätte durchaus spannend werden können, aber eigentlich passiert gar nichts, außer daß jeder Ermittlungsansatz im Keim erstickt wird, weil sich das Team irgendwie zu dusselig anstellt (Beispiel Patrizia Roos: Warum hat sie das Hotel nicht einfach verlassen, als sie merkte, daß ihre Tarnung aufgeflogen ist?). Irgendwann kommt das LKA ins Spiel und man hintergeht sich gegenseitig oder eben auch nicht. Schließlich nimmt der Fall aufgrund eines Hotelprospekts eine Wende und gleichzeitig wird auch noch zufällig ein weiteres Verbrechen aufgeklärt. Und wenn man denkt, daß es mit dem deprimierenden Showdown getan ist, hat man sich getäuscht, denn selbst danach gibt es noch einen Tiefschlag.

Drei Sterne gebe ich aber trotzdem, denn irgendwie wollte ich doch unbedingt wissen, was es nun mit dem verschwundenen Taxifahrer auf sich hat. Der Autor konnte mich also trotz der Kritik irgendwie fesseln und dazu bringen, das Buch zu Ende lesen zu wollen.

Noch ein Wort zum Schreibstil: Was mich von Anfang an gestört hat, ist dieser Mangel an Fragezeichen. Sätze, die eigentlich als Frage gemeint waren, werden zu Tatsachen. "Sie haben ihr kein Taxi gerufen." "Nein." "Dann hat Frau Roos das Hotel verlassen." "Vermutlich." Leider verfällt der Autor am Schluß auch in bayerische Mundart, was mir als Norddeutsche dann natürlich etwas schwer zu lesen fiel. (Ich weiß bis heute nicht genau, was "Spezln" bedeutet). Dies sind nur Kleinigkeiten, aber insgesamt konnte ich mit dem Buch/Autor/Protagonisten leider nicht warm werden und werde es wohl bei diesem einen Buch von Friedrich Ani belassen.
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am 20. März 2015
Mia Bischof beauftragt die Detektei Liebergesell, nach ihrem Freund zu suchen. Süden und seinen Kollegen kommt die Frau von Anfang an seltsam vor. Süden sieht sich in seinem unguten Gefühl bestätigt, als im Umfeld des Vermissten Hinweise auf die Neonazi-Szene auftauchen. Nichts scheint so recht zusammenzupassen, doch Süden schiebt seine persönlichen Bedenken beiseite – und findet sich in einem Sumpf aus Gewalt, Verrat, Misstrauen und tiefster Verachtung wieder.

Mit Tabor Süden hat Friedrich Ani einen wunderbar melancholischen Antihelden erschaffen. Der ehemalige Kriminalkommissar widmet sich nun schon seit vielen Jahren, als Detektiv in der Münchner Detektei Lieberknecht, der Suche nach Vermissten. Das ist für ihn mehr als eine Passion, es ist seine Bestimmung. Ruhig, beharrlich und immer glaubwürdig geht er den Dingen auf den Grund. Findet dabei nicht nur die Vermissten, sondern gleich noch alle Facetten des Menschlichen schlechthin. In besonders schwierigen Gefühlslagen hält er fiktive Zwiesprache mit seinem verstorbenen Vater und seinem toten Jugendfreund Martin. Wirkt dabei an jeder Stelle glaubhaft. Seine Stärken sind Sensibilität und Empathie.

Anis Charaktere sind feinsinnig gezeichnet. Jeder für sich genommen authentisch. Keiner wird bloßgestellt, dafür aber genau ausgelotet. Trotzdem sind seine Figuren bodenständig bayerisch, ganz ohne folkloristischen Beigeschmack. Dabei kommt Ani völlig ohne Polemik aus, selbst bei einem so brisanten Thema. Ein Thema, das wirklich nicht aktueller sein könnte, wenn man die ungeheuren Versäumnisse rund um die NSU-Morde noch im Gedächtnis hat.

Hier ist wirklich ein Könner am Werk, der das Genre Krimi nutzt, um gute und stimmige Geschichten zu erzählen, die niemanden kalt lassen. Action und Thrill sucht man in den Süden-Romanen vergeblich. Was man aber findet, sind echte Menschen mit realen Problemen und einen einzigartigen Tabor Süden.

Hans Jürgen Stockerl als Hörbuch-Sprecher hat mich 100%-tig überzeugt. Er trifft auch die feinen Zwischentöne – und derer gibt es bei Ani viele – sehr genau. Gleichzeitig gibt er der Figur des Süden genau die ruhige Ausstrahlung, die er braucht.

Wer braucht schon blutige Serienmorde, wenn das echte Grauen in der Nachbarschaft lauert und im Deckmäntelchen der Gutbürgerlichkeit daher kommt. Beste Gegenwartsliteratur, mit einem Tabor Süden, der unter die Haut geht – absolut empfehlenswert!
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