Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es in "Mütter und Töchter" gleich um mehrere komplizierte Mutter-Tochter-Beziehungen.
Da ist einmal die verschlossene Karen, Physiotherapeutin in den 50ern, die mit 14 ungewollt schwanger wurde, das Kind auf Druck ihrer Mutter zur Adoption freigegeben hat und seitdem unter diesem Verlust leidet.
Sie lebt alleine mit ihrer pflegebedürftigen Mutter, die zu ihrer Hausangestellten und deren Tochter ein innigeres Verhältnis hat als zu ihrer eigenen Tochter Karen.
Erst nach dem Tod ihrer Mutter kann sich Karen dem Leben ein wenig öffnen, lässt sich auf eine Beziehung mit einem Kollegen ein, deren Familie sie herzlich aufnimmt und versucht mit deren Unterstützung, Kontakt zu ihrer Tochter aufzunehmen.
Elizabeth, die Tochter von Karen (daß sie das ist, daran lässt der Film von Beginn an keinen Zweifel), konnte zu ihrer Adoptivmutter nie ein herzliches Verhältnis aufbauen und lebt emotional ganz bewusst vollkommen isoliert.
Befriedigung findet sie in ihrer Karriere als erfolgreiche Anwältin und in diversen Affären, die sie stets aufs rein sexuelle beschränkt.
Und dann ist da noch Lucy, eine junge Ehefrau, die unter ihrer ungewollten Kinderlosigkeit leidet und sich gemeinsam mit ihrem Mann entschließt, ein Baby zu adoptieren.
Alle drei Handlungsstränge werden von sehr guten Darstellerinnen, insbesondere Naomi Watts und Annette Bening, getragen.
Dennoch lassen die Lebenswege der so unterschiedlichen Frauen über weite Strecken erstaunlich unberührt.
Allzu kühl seziert der Film die unterschiedlichen Beziehungen zwischen den Frauen.
Auch sind die drei Handlungsstränge nicht wirklich geschickt miteinander verwoben, sondern laufen recht zusammenhanglos nebeneinander her, wobei der Film ohne erkennbaren dramaturgischen Grund willkürlich zwischen ihnen hin- und herspringt.
Erst gegen Ende stellt sich ein Zusammenhang und eine gewisse Dynamik ein, nämlich als Karen und Elizabeth nach langem Zögern nahezu zeitgleich beschließen, einander zu suchen.
Als unnötig habe ich auch die Zeitsprünge empfunden.
Es ist ja seit einigen Jahren geradezu Mode geworden, Filme nicht mehr chronologisch zu erzählen, sondern zwischen mehreren Zeitebenen hin- und herzuspringen.
Oftmals kann dies ein sehr interessantes Stilmittel sein, welches andere Perspektiven auf die erzählte Geschichte erlaubt, als es eine streng lineare Erzählweise ermöglichen könnte.
Hier allerdings habe ich keinerlei dramaturgischen Sinn oder Effekt darin erkennen können, warum Karens Mutter erst stirbt und dann in späteren Szenen wieder auftaucht.
Auch die Affäre zwischen Elizabeth und ihrem neuen Chef wird erst gezeigt und danach wird man dann Zeuge ihres ersten Rendezvous.
Diese unnötigen Zeitsprünge wirken lediglich etwas verwirrend, bewirken aber keinen dramaturgischen Effekt.
Möglicherweise hätte es dem Film gutgetan, auf den dritten Handlungsstrang mit dem kinderlosen Ehepaar, der erst ganz zum Schluss mit den beiden anderen verknüpft wird, zugunsten einer intensiveren Gestaltung der beiden anderen zu verzichten.
Alles in allem ist "Mütter und Töchter" ein ambitionierter, sehr gut gespielter Film über ein interessantes Thema, welcher aber sein Potential leider nicht voll ausschöpft.
Zwar ist es angenehm, daß der Film nicht als tränentreibendes Rührstück mit schicksalsschwangerer Musik daherkommt, aber ein wenig mehr Identifikationsmöglichkeit und Wärme wäre doch wünschenswert gewesen.
Ich hätte hier gerne 3,5 Sternchen gegeben, aber da das ja nicht möglich ist, gebe ich also knappe 4.
Sehenswert ist der Film auf jeden Fall, aber ein Lieblingsfilm, den ich unbedingt kaufen muss, um ihn öfter zu sehen, ist er leider nicht.