Es ist gar nicht so einfach, den wahren Charakter einer Landschaft fotografisch zu erfassen. Noch schwieriger wird diese Aufgabe, wenn sich dieser Charakter als zurückhaltend, vielleicht sogar etwas spröde erweist, wie es bei den Landschaften an der Müritz der Fall ist. Sandra Bartocha und Peter Wernicke haben diese Aufgabe hervorragend gelöst. Sie haben nicht versucht, klischeehafte und beliebige Impressionen, wie man sie in so vielen Bildbänden findet, zu produzieren, sondern sie haben sich mit der Kamera ins Herz dieser Landschaft geschlichen. Ihre Aufnahmen spiegeln das zurückhaltende Wesen der von Wasser, Wäldern und sanften Hügeln geprägten Müritzregion wider, ihre unaufdringliche Schönheit, ihre oft im Verborgenen liegenden Reize.
Beide Fotografen haben recht unterschiedliche fotografische Herangehensweisen: Peter Wernicke, der geduldige und sachkundige "Jäger" mit der Kamera, der das Leben der oft scheuen Tiere im Wechsel der Jahreszeiten dokumentiert, und Sandra Bartocha, die das Licht einfangen kann und winzige Details ebenso wie große Landschaften meisterhaft in Szene zu setzen versteht. Dass sich zwei derart verschiedene Ansätze so harmonisch ergänzen können, ist eine der großen Stärken dieses Buches. Es ist eine wahre Augenweide, von der ersten bis zur letzten Seite, nicht zuletzt wegen des hervorragenden, klaren Layouts. Die Texte sind informativ und lebendig, es macht Spaß, sie zu lesen. Für mich ist das ein Bildband, den ich immer wieder gerne zur Hand nehme, an dem ich einfach immer wieder Freude habe. So etwas gibt es nicht oft...