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Die Übersetzer haben sich das Ziel gesetzt, das Neue Testament so wörtlich wie möglich zu übertragen. Eines ist klar - eine solch wörtliche Übersetzung ist natürlich nichts für eine entspannende erstmalige Bibellektüre.
Die enormen Vorteile dieses Buches werden besonders diejenigen kennenlernen, die mit der griechischen Sprache in etwa vertraut sind, aber Übersetzungshilfen brauchen. Mit einer nahezu wortwörtlichen Übersetzung fällt es natürlich sehr viel einfacher, nach dessen Studium auch den griechischen Text zu verstehen, der letztlich erst den ganzen Reichtum des Neuen Testamentes erschließt. So ist dieser Münchener Übersetzung eigentlich nur noch eine direkte Interlinear-Übersetzung überlegen.
Ein weiterer Vorteil erschließt sich, wenn man sich erst einmal eingelesen hat. Plötzlich findet man sich in einer ganz anderen Sprachwelt wieder, die durchaus ihre Reize hat und gegenüber der Lektüre z.B. der leicht lesbar und flüssig gemachten Einheitsübersetzung neue Perspektiven und Lesarten eröffnet.
Die Münchener Übersetzung ist also vor allem denjenigen zu empfehlen, die neben einer gängigeren, lesbareren Überstzung mal etwas unkonventionelleres ausprobieren möchten, und natürlich denjenigen, die sich mit den Schriften des Neuen Testaments näher beschäftigen wollen und auf diesem Wege näher an die Originalsprache herangeführt werden - auch ganz ohne Griechisch-Kenntnisse.
Für diese Zielgruppen aber ist das Werk sicherlich genial gemacht und ist ohne Konkurrenz. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Die größte Schwäche an der Übersetzung ist nämlich, daß sie gerade bei Lesern ohne Griechisch-Kenntnisse zu einigen Mißverständnissen führen wird, sie teilweise sogar irreführt, da sie zu griechisch bleibt.
Da wäre einerseits die strikte Wiedergabe griechischer Partizipien durch deutsche Partizipien, wodurch viel mehr Information verloren geht als in herkömmlichen wörtlichen Übersetzungen. Auch die zu strikte Befolgung der griechischen Reihenfolge der Satzglieder führt öfters geradezu zu falschen Aussagen der Übersetzung, wie z.B. Joh.1,1 ("und Gott war der Logos" ist verkehrt, denn "der Logos" ist eindeutig Subjekt, was am Artikel im Griechischen klar zu erkennen ist, und "Gott" ist das Objekt. Es müßte also im Deutschen mit "und der Logos war Gott" wiedergegeben werden).
Zahlreiche weitere Schwächen beruhen alle auf der gleichen Ursache: die Übersetzung ist zu griechisch. Z.B. in Röm.6,10 "was starb" ist vom Zusammenhang her eindeutig verkehrt, es sollte heißen "was er starb". Dem Griechisch-Kundigen ist klar, daß "er" im griechischen Verb enthalten ist, aber der Unkundige bekommt einen falschen Eindruck von der Ausage des Verses. Solche und ähnliche Fälle finden sich immer wieder.
Aber auch sonst fallen Schwächen auf. Da wäre z.B. die bewußte Weglassung der vielen "kleineren Partikel". Wie man das bei einer so strikt wörtlichen Übersetzung machen kann, ist mir völlig unverständlich. Zeigen doch gerade diese die Zusammenhänge und Beziehungen zwischen den einzelnen Versen auf.
Fazit: Wer eine möglichst genaue, wörtliche Übersetzung will, ist mit der Rev. Elberfelder Bibel wesentlich besser bedient - sie ist im Großen und Ganzen wörtlicher übersetzt, genauer (sie hat weniger Fehler in der Übersetzung), und dabei doch gut lesbar.
Das Münchener NT kann aber eine Hilfe sein für den, der einige Griechisch-Kenntnisse aufweisen kann und einen griechischen Text hat, den er zum Vergleich heranziehen kann.
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