Das Buch macht auf mit zwei Fallgeschichten, die eines der Kernprobleme bei Serienmördern herausstellen und belegen. Es gelingt den Tätern nicht selten, sich viele Jahre hinter der Maske des unscheinbaren Biedermanns zu verstecken. Und dann kommt alles heraus, und niemand will etwas gewusst oder geahnt haben.
Auch belegt der Autor, dass in den vergangenen 50 Jahren eine Vielzahl von Mordserien ungeklärt geblieben sind. Diese Fälle sind spannend zu lesen, da teilweise - jedenfalls mir - unbekannt. Und die Gründe, warum dies so ist, werden angehängt.
Übrigens ein dickes Plus dieses Werks, dass nicht nur einfach Geschichten erzählt werden, sondern jeweils der motivische und soziale Hintergrund aufbereitet und analysiert werden. Dieser rote Faden zieht sich durch das ganze Buch, ich hatte das Gefühl, mehr als ausreichend informiert und aufgeklärt zu werden.
Besonders aufschlussreich empfand ich die Schilderung der Gespräche mit Tätern. Die Aussagen der Täter sprechen für sich, bisher habe ich Derartiges noch nicht lesen dürfen.
Auch für kriminalistisch oder kriminalpsychologisch Interessierte hält das Buch einiges bereit. Beispielsweise wird das "Profiling", seit "Das Schweigen der Lämmer" überaus populär, nachvollziehbar, aber auch kritisch gewürdigt. Jedenfalls dann, wenn es um ehemalige FBI-Agenten geht, die sich auch publizistisch hervorgetan haben. Die Argumente, die Harbort vorbringt sind durchaus plausibel und werden jeweils durch Fälle belegt. Ich habe hier in einigen Bereichen umdenken müssen.
Über dieses Buch darf sicher auch gestritten werden. Über den Umgang mit solchen Tätern (Therapiechancen, -erfolge und-misserfolge) wird sich die Gesellschaft noch ihre Gedanken machen müssen. Ob tatsächlich ein "Systemfehler", so urteilt der Autor, vorliegt, ist sicher diskussionswürdig. Man muss dem allerdings nicht unbedingt zustimmen.
Zusammenfassend darf ich festhalten, dass diese Abhandlung zum Thema Serienmörder gelungen ist. Ich darf diese Lektüre guten Gewissens empfehlen.