Dieses Buch ist eine Zumutung, eine Zumutung an die Aufmerksamkeit des Lesers und an seine, für das Schmunzeln zuständige, Gesichtsmuskulatur.
Der Autor, der sich seit einer Ewigkeit mit Kriminalliteratur", deren Begriff er vornehmlich in Anführungszeichen gelten lässt, befasst, und Kenner der Krimiszene" ist, nimmt uns mit auf eine Reise durch Literarisches. Näher benennen kann man es kaum, denn genau darum geht es in dem Buch - aufzuräumen mit Klischees und Schubladen, vermeintlichen Genres und Subgenres, die weniger dem literarischen Gehalt, als vielmehr dem Buchabsatz dienlich sind.
Auf kluge und amüsante Weise unterhält er uns mit Wissenswertem, interessanten Perspektiven auf den (wieder die Anführungszeichen) Krimi", mit Einblicken in Lebensgeschichten und literarisches Schaffen von Schriftstellern, die in der Schublade Kriminalliteratur" stecken und es wert sind, aus jeglicher Schublade befreit zu werden.
Besonders bemerkenswert der Abschnitt über das Mörderische und das Komische", der, sich selbsterklärend, saukomische Passagen hat, die ein Lachen produzieren, aber durchaus nicht die edelsten Gefühle auslösen (so man Gefühle bewerten will).
Sicher ist das Buch keine einfache Lektüre, denn der Text ist angereichert mit Begriffen, die man sich erschließen muss und verknüpft Betrachtungen über (mögliche) gesellschaftliche Realitäten mit der Spiegelung in der Kriminal"-Literatur. Oder war es umgekehrt? Gewissheiten gibt es erfreulicherweise nicht, aber Zweifel und Skepsis gegenüber allen möglichen Kategorien und Wahrheiten. Außerdem bekommt der Leser eine Reihe von Tipps für gute Literatur jenseits des Mainstreams geschenkt.
Für wen ist dieses Buch geschrieben? Erst einmal für alle, die es lesen wollen, insbesondere dürften Krimi-Autoren davon profitieren, und wenn sie es täten - ganz sicher ihre Leser.
Fazit: Eine Empfehlung an alle, denen Nachdenken eine Freude ist.