Andreas Franz ist einer der vielverkauften deutschen Thrillerautoren und wer seine Bücher kennt, weiß, wie schlecht es um den deutschen Thriller bestellt sein muss.
Zu sagen, der Roman sei schlecht recherchiert ist ein Euphemismus: Er ist vermutlich gar nicht recherchiert, an die Stelle einer Recherche treten Versatzstücke und Klischees, die der Autor vermutlich einem Donald-Duck-Heft entnommen hat. Es genügt nicht, dass jemand reich ist, die Familien des Andreas Franz müssen gleich zu den reichsten Deutschen zählen. Sie besitzen 15 Häuser auf der ganzen Welt und fügen sich so in das Gesamtbild von Millardären und Superreichen, das Franz zeichnet und in dem seine Thriller angesiedelt zu sein scheinen, prima ein.
Auffällig ist, dass bei ihm gerade superreiche Frauen nur darauf warten, von armen Schluckern (einem Autor, einem Vertreter der Werbeabteilung eines Verlages und einem Polizisten) geheiratet zu werden. Und wenn man schon so reich ist, muss man das auch zeigen: All diese Figuren fahren Porsche, etwas anderes fällt dem Autor nicht ein, um Reichtum zum illustrieren - es sei denn, dass sie bei der Bezahlung ihres Psychotherapeuten ohne zu fragen, den dreifachen Preis auf den Tisch knallen ...
Intelligenz scheint dem Autor ein wichtiger Faktor in diesem Thriller. Es tummeln sich haufenweise Menschen mit einem IQ über 145 (den nur 2 Promille der Bevölkerung haben) - die Krönung sind zwei Jugendliche mit einem IQ von 175 (den haben ca. 10 Deutsche). Die Intelligenz äußert sich dann .. natürlich im Schach (auch hier bedient sich der Autor gängiger Klischees). Leider wird bei der Beschreibung überdeutlich, dass der Autor auch vom Schach keine Ahnung hat, aber das ist angesichts der restlichen Fehler schon beinahe eine Randbemerkung.
Die Dialoge sind armselig, ein Sechstklässler schreibt sie vermutlich realistischer - ich bin mehrfach aufgefallen, wenn ich das Buch in der Öffentlichkeit gelesen habe, weil ich beim Lesen laut lachen musste.
Die Handlung .. tja, die ist bei dem Setting beinahe egal, niemand nimmt sie dem Autor mehr ab. Erwähnenswert ist doch, dass der Täter am Ende durch eine obskure Eingebung des ermittelnden Polizisten gefasst wird, der dann die Wahrheit aus ihm herausprügelt ... so sieht kriminalistischer Scharfsinn bei Andreas Franz aus.
Wenn man zuvor einen guten Thriller gelesen hat (bei mir war es Simon Becketts "Leichenblässe"), sollte man diesen lieber noch ein zweites Mal lesen statt dieses Buches.