Leif GW Persson orientiert sich sehr stark an seinen literarischen Vorbildern Sjöwall/Wahlöö, indem er den Polizeiapparat als zutiefst korrupt und verfilzt bezeichnet. Er weicht aber auch von seinen Vorbildern ab. Während bei Sjöwall/Wahlöö zwar einige Polizeibeamte inkompetent und unfähig sind, sind doch Martin Beck, Kollberg und Kollegen grösstenteils zwar nicht immer sympathisch, aber durchaus komptetent. Bei Persson sind die einzig kompetenten Polizisten seine Hauptfigur Lars M. Johannson (auch nicht wirklich immer sehr sympathisch), sowie seine Kolleginnen Anna Holt und Lisa Mattei sowie mit Abstrichen sein Kumnpel Jarnebring (der in diesem Buch nicht auftaucht), der Rest der Polizei ist bei Persson, auch in diesem Buch, ein Haufen mehr oder weniger imkompetenter und korrupter Trottel, denen das Abbummeln von Überstunden, das Besäufnis nach Feierabend und das Wochenende wichtiger ist als die Suche nach einem Sexualmörder. Die heftigste Karikatur (wie schon in "Ein andere Zeit, ein anderes Leben") ist hier Kommissar Evert Bäckström, der nicht nur auf Staatskotsen seine private Schmutzwäsche teuer im Hotel reinigen lässt und auf die Rechnung eines anderen Kollegen heimlich den Hotel-eigenen Porno-Kanal benutzt, die Fahndung nach dem Mörder gerät durch seine Leitung zu einem Massen-DNA-Test für fast die gesamte Region, die Polizisten sind so beschäftigt, Speichelproben zu nehmen und zu analysieren, dass darüber die Mordermittlung fast komplett zum Erliegen kommt. Erst als Lars M. Johannson durch den bizarren Unfall seines Vorgängers Chef der Zentralen Kriminalpoilzei wird und die ganze Bescherung analysieren muss, kommt Bewegung in die Sache. Bezeichnend aber, dass eben nicht durch das Eingreifen von Johannson, Holt und Mattei (wie im Klappentext behauptet) der Fall geklärt wird, vielmehr stolpern die Leute um Bäckström durch eine Verkettung seltsamster Zufälle auf den Täter, gerade eben, als Johannson Bäckström durch Holt und Mattei ablösen lässt. Der Täter wird nicht durch polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern durch puren Zufall überführt. Die Krimihandlung benutzt Persson auch eher als Hintergrund, um seine satirisch-schrill überzeichnete Beschreibung der unfähigen Polizeibeamten zu illustrieren, die Krimihanlung wird manchmal zur Nebensache. Die Charaktere sind teilweise sehr originell, teilweise geraten sie zur reinen Karikatur. Weniger ein Kriminalroman im eigentlichen Sinne, vielmehr eine Satire auf das schwedische Polizeibeamtentum, der als mächtiger staatstragender Apparat gezeigt wird, der von zuteifst unfähigen Leuten geleitet und missbraucht wird, mit gelegentlichen Einsprengseln eines Krimis. Als Krimi nicht wirklich spannend, als Satire aber amüsant und kurzweilig und durchaus lesenswert.
Und ist es eigentlich ein Zufall, dass Anna Holt vom Namen her an die Krimi-Autorin Anne Holt erinnert (wie auch das Mordopfer in "Eine andere Zeit, ein anderes Leben" den Namen eines schwedischen Krimiautors, Kjell Eriksson, trägt)?