Ich weiß nicht, ob es an meinem sicheren Händchen liegt oder ob deutsche Verlage im Moment auf der Einheitswelle schwimmen, wenn es um von Frauen geschriebene deutsche Krimis geht; jedenfalls hat man immer das Gefühl, alles schon mal gelesen zu haben (und besser). Die Heldin heißt diesmal Nina, ist Mitte 30, hält sich einen Liebhaber, den sie körperlich abstoßend findet, der aber praktischerweise jede Menge Kohle hat, und wirkt ansonsten so reif wie der durchschnittliche Gaby Hauptmann-Bimbo (die in "Mördergrube" immerhin wohlmeinende Erwähnung findet). Nina erbt Geld, kauft ein versifftes Haus auf dem Land, dessen Renovierung ihr häßlicher Lover finanzieren darf, bevor sie ihn absägt (was natürlich total in Ordnung ist, weil frau ist ja emannzipiert), tapert die nächsten Kapitel planloserweise im Dorf herum und stößt schließlich - Überraschung - auf eine Leiche im Keller. Damit hat es sich dann aber auch schon. Die Entdeckung des Toten stellt den Zenit des Spannungsbogens dar; danach geht es grausam antiklimaktisch abwärts. Bei dem Toten handelt es sich nämlich um den vor Jahren verschwundenen Metzger des Dorfes, der zusammen mit seiner Zwillingsschwester in dem alten Haus aufgewachsen war. Selbige Zwillingsschwester sitzt inzwischen in der Klapsmühle. Schlußfolgerungen dürfen gezogen werden, zumal die Autorin tapfer weitere "aufregende" Details herankarrt - Schwulenpornos auf dem Dachboden, Inzest, unehelicher Nachwuchs, und auch das unvermeidliche Tagebuch der armen Irren wird zitiert. Am Ende fragt man sich nur irritiert, was diese Geschichte nun eigentlich wollte und sollte. Zu empfehlen ist "Mördergrube" nur für übermüdete Fluggäste in der Touristenklasse; ansonsten eignet sich das Buch lediglich als Munition für Kritiker des "Frauen"-"Romans". Und Reclam ist anscheinend auch nicht mehr, was es mal war.