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Mörder ohne Gesicht
 
 

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Mörder ohne Gesicht [Audiobook] [Audio CD]

Henning Mankell
3.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (142 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn Sie sich gerne an die dunklen und düsteren Martin-Beck-Kiminalgeschichten von Maj Sjöwall und Per Wahlöö erinnern, werden Sie auch die erste Kurt-Wallander-Kriminalgeschichte von Henning Mankell mögen.

Kurt Wallanders Privatleben kann gelegentlich deprimierender erscheinen als man es sogar von einem provinziellen schwedischen Detektiv erwarten würde. Sein Geschick beim Ermitteln dagegen ist absolut erstklassig. Und Mankells Geschichte eines brutalen Mordes an einem älteren Bauernehepaar enthüllt eine unbekannte Seite des Lebens im heutigen Schweden: einen gewissen Hang zur Ängstlichkeit und zum Vorurteil gegenüber den vielen Zugereisten aus Afrika, dem Nahen Osten und Osteuropa, die dort Asyl beantragt haben. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Amazon.de-Hörbuchrezension

"Mördare utan ansikte." Ein Angesicht war schon im ersten Wallander-Fall aus dem Jahr 1992 auszumachen, in dem ein Bauernehepaar grässlich ermordet aufgefunden wird. Wie in fast allen Romanen des schwedischen Erfolgsautors Mankell, dient auch hier die Folie der Krimihandlung dazu, das hässliche Antlitz der (schwedischen) Gesellschaft zu entlarven. "Ausländer, Ausländer!" Die letzten gestammelten Worte der alten Bäuerin, bevor sie ihr Leben aushauchte, brachten den Stein ins Rollen. Bald sollte Kommissar Kurt Wallander seine Landsleute in ihrem Hass kaum mehr wieder erkennen.

Wie in früheren Fällen, gibt auch hier Heinz Kloss den knarzigen, weltmüden Wallander, dessen gescheiterte Ehe und der abgerissene Kontakt zur Tochter Linda ihn beständig an der Sinnfrage des Seins entlangschrammen lässt. Auch Boulevard-Urgestein Friedrich Schönfelder ist als Sprecher jedesmal erneut eine Offenbarung. Nicht lumpen ließ man sich in der Abteilung Soundeffekte und Musik. Zu den (manchmal etwas zu opulenten) Klängen des Filmorchesters Halensee, in dem sogar eine singende Säge als Uralt-Horrorfolterinstrument reüssiert, blitzt und donnert es, was der schwedisch-schwüle Sommer hergibt. Licht aus! Spot an! Wallander at his best! --Ravi Unger

Hörspiel; 2 CDs im Schuber; Gesamtlaufzeit ca. 96 min. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Mörder ohne Gesicht
OT Mördare utan ansikte OA 1991 DE 1998Form Kriminalroman Epoche Gegenwart
Mörder ohne Gesicht machte Henning Mankell über Nacht zum Erfolgsautor in Schweden und nach Erscheinen im Ausland zum international gefeierten Schriftsteller. Mit den Kriminalromanen um Kommissar Wallander, die spannende Unterhaltung mit Sozialkritik verbinden, reiht sich Mankell in die Riege der Krimi-Größen wie Georges R Simenon und das Autoren-Duo R Sjöwall/Wahlöö ein.
Entstehung: Nach einem dreijährigen Afrikaaufenthalt registrierte Mankell in Schweden die sich häufenden Übergriffe auf Asylanten. Er beschloss, gegen Rassismus zu schreiben. Da es sich bei den rassistisch motivierten Taten um kriminelle Akte handelte, entschied er sich für das Genre des Kriminalromans mit einem Polizeikommissar als Hauptfigur.
Inhalt: Auf einem Bauernhof in der Nähe von Ystad wird ein altes Bauernehepaar brutal ermordet. Indizien für den ermittelnden Kommissar Kurt Wallander sind ein seltsam gebundener Knoten in der Schlinge, die um den Hals der Bäuerin gelegt wurde, und das Wort »Ausländer«, das sie kurz vor ihrem Tod noch flüstern kann. Das Augenmerk der Ermittler und der Bevölkerung richtet sich zunächst auf die Asylantenheime in der Umgebung. Der Hass gegen Ausländer ist Ursache für einen weiteren Mord.
Aufbau: Die Kriminalromane Mankells sind kulturell und geografisch bipolar angelegt; in Mörder ohne Gesicht führt das Verbrechen Wallander und damit auch den Leser in einen Teil der armen Welt, nach Osteuropa. Diesen Regionen, in anderen Büchern der Wallander-Reihe sind es mehrmals afrikanische Staaten, entstammen zumeist die Opfer.
Häufige Wechsel des Erzähltempos und der Zeitebenen bestimmen als gestalterische Mittel den Roman. Entgegen den üblichen Regeln des Genres gibt es bei Mankell Passagen, in denen das äußere Geschehen scheinbar stagniert; Spannung bleibt dennoch erhalten. Dazu trägt wesentlich die Figur des Kommissars bei, ein von Zweifeln geplagter Mann, der vom Autor mit individuellen, wenngleich nicht durchweg sympathischen Zügen ausgestattet wurde und sich weiterentwickelt. Auch die übrigen Figuren des Romans sind realitätsnah gezeichnet.
Wirkung: In Schweden waren die Wallander-Krimis bereits Bestseller, als Mörder ohne Gesicht als erster Roman der Reihe 1998 in Deutschland erschien. Inzwischen wurden die Bücher in 20 Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Mehr als die Hälfte der Wallander-Fälle ist bereits verfilmt, u. a. auch für das deutsche Fernsehen. M. S. S. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

Den schrecklichen Überfall auf das alte Bauernehepaar werden die Menschen im südschwedischen Schonen nie vergessen: Eines Nachts hält ein Auto vor einem einsam gelegenen Gehöft, Männer schleichen zum Haus, fesseln die Eheleute und ermorden sie brutal. Dann fliehen sie mit ein paar Kronen Bargeld. "Ausländer, Ausländer!" - die letzten Worte der sterbenden Frau - lösen eine Welle der Gewalt gegen Ausländer in Schonen aus... Mit "Mörder ohne Gesicht", dem ersten seiner Wallander-Krimis, legte Henning Mankell, geboren 1948, den Grundstein zu seiner Karriere als Erfolgsschriftsteller. Der beharrliche Kommissar mit dem untrüglichen Gespür und den sympathischen Schwächen eroberte seither die Herzen der Leser im Sturm. Sprecher: Christoph Schobesberger, Heinz Kloss u. v. a.; Hörspiel; Laufzeit ca. 96 Minuten

Der Verlag über das Buch

»Mankell gehört ohne Zweifel auch international zur Elite der Krimiautoren. In Schweden ist er die Nummer eins.«›Svenska Dagbladet‹

»Der Schwede Mankell ist in den letzten Jahren zum bedeutendsten neuen Kriminalautor in Skandinavien aufgestiegen. Deutlich steht er dabei in der Tradition von Sjöwall/Wahlöö: kein Glamour, dafür viel düster-realistischer Alltag.«›Badisches Tagblatt‹

»Besonders sympathisch bei Mankell: Sein Kommissar Kurt Wallander bleibt stets er selbst, ein kleiner problembeladener Polizist, und mutiert nicht zum heroischen Alleswisser.«›Hamburger Abendblatt‹ -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Über den Autor

Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen Schriftsteller in Schweden. Seit Ende der sechziger Jahre ist er als Autor, Theaterregisseur und Intendant tätig. Allein in Deutschland erreicht die Gesamtauflage seiner Bücher mittlerweile 11 Millionen. Seine Bücher wurden bisher in über 20 Sprachen übersetzt. Für sein umfangreiches Werk erhielt Mankell zahlreiche Preise, u.a. von der Schwedischen Akademie für Kriminalliteratur, den Deutschen Jugendbuchpreis (1993), den Astrid-Lindgren-Preis (1996), die Corinne 2001 und 2002 sowie den Deutschen Bücherpreis (2003). Henning Mankell lebt in Maputo, Mosambique, wo er das Teatro Avenida leitet. Mehrere der Wallander-Romane wurden verfilmt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Mörder ohne Gesicht von Henning Mankell, Barbara Sirges, Paul Berf. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Als er aufwacht, weiß er genau, daß er etwas vergessen hat. Etwas, das er geträumt hat in dieser Nacht. Etwas, an das er sich erinnern muß. Er versucht, sich zu erinnern. Aber der Schlaf ist wie ein schwarzes Loch, ein Brunnen, der nichts von seinem Inhalt preisgibt. Dabei habe ich gar nicht von den Stieren geträumt, denkt er. Da müßte ich jetzt naßgeschwitzt sein, so als hätte ich während der Nacht ein Fieber ausgeschwitzt. Heute nacht haben mich die Stiere in Ruhe gelassen. Er liegt regungslos in der Dunkelheit und horcht. Die Atemzüge seiner Frau sind so schwach, daß er sie kaum wahrnehmen kann. Eines Morgens wird sie tot neben mir liegen, ohne daß ich es merke, denkt er. Oder ich werde tot sein. Einer von uns wird zuerst sterben. Es wird eine Morgendämmerung geben, in der einer von uns einsam übriggeblieben ist. Er sieht auf die Uhr, die auf dem Nachttisch neben dem Bett steht. Die Zeiger leuchten und zeigen auf Viertel vor fünf. Warum bin ich aufgewacht, denkt er. Normalerweise schlafe ich bis halb sechs. So war es über vierzig Jahre lang. Warum wache ich jetzt auf?
Er horcht in die Dunkelheit hinaus und ist plötzlich hellwach. Etwas ist anders, ist nicht mehr so, wie es bisher gewesen ist. Vorsichtig tastet er mit der einen Hand, bis er das Gesicht seiner Frau erreicht. Mit den Fingerspitzen fühlt er, daß sie warm ist. Sie ist also nicht gestorben. Noch ist keiner von ihnen einsam zurückgeblieben. Er horcht in die Dunkelheit hinaus. Das Pferd, fährt es ihm durch den Kopf. Es wiehert nicht. Deshalb bin ich aufgewacht. Die Stute wiehert sonst immer nachts. Ich höre es, ohne wirklich wach davon zu werden, und weiß unbewußt, daß ich weiterschlafen kann. Vorsichtig steht er aus dem knarrenden Bett auf. Seit vierzig Jahren haben sie es schon. Es war das einzige Möbelstück, das sie bei der Heirat kauften, und es ist das einzige Bett, das sie in ihrem Leben besitzen werden.
Während er über die Holzdielen zum Fenster geht, spürt er einen Schmerz im linken Knie.
Ich bin alt, denkt er, alt und verbraucht. Jeden Morgen bin ich beim Aufwachen wieder aufs neue überrascht, daß ich schon siebzig Jahre alt bin. Er sieht in die Winternacht hinaus. Es ist der 8.Januar 1990, und es hat in diesem Winter in Schonen noch nicht geschneit. Die Hoflampe an der Küchentür wirft ihr Licht über den Garten, die kahlen Kastanienbäume und die dahinter liegenden Felder. Er schaut blinzelnd zum Nachbarhof hinüber, wo Lövgrens wohnen. Das weiße, flache und langgestreckte Haus ist dunkel. Am Stall, der im rechten Winkel zum Wohnhaus liegt, hängt über der schwarzen Stalltür eine Lampe, die einen milchigen Lichtschein verbreitet. Dort steht die Stute in ihrer Box, und dort wiehert sie plötzlich unruhig in den Nächten. Er horcht in die Dunkelheit hinaus. Im Bett hinter ihm knarrt es.
"Was machst du da?" murmelt seine Frau.
"Schlaf weiter", antwortet er. "Ich vertret' mir nur etwas die Beine."
"Hast du Schmerzen?"
"Nein."
"Dann schlaf! Steh nicht da und hol dir eine Erkältung."
Er hört, wie sie sich auf die andere Seite dreht. Wir haben uns einmal geliebt, denkt er. Aber er wehrt sich gegen den eigenen Gedanken. Das ist ein viel zu feines Wort. Lieben. Das ist nichts für Leute wie uns. Ein Mensch, der über vierzig Jahre lang Bauer gewesen ist, immer über den schweren schonischen Lehmboden gebeugt, nimmt das Wort "Lieben" nicht in den Mund, wenn er von seiner Frau spricht. In unserem Leben ist die Liebe immer etwas ganz anderes gewesen ...
Er betrachtet das Nachbarhaus, kneift die Augen zusammen, versucht, das Dunkel der Winternacht zu durchdringen.
Wiehere, denkt er. Wiehere in deiner Box, damit ich weiß, daß alles wie immer ist. Damit ich mich noch ein Weilchen in die Federn verkriechen kann. Der Tag eines pensionierten und schmerzgeplagten Landwirts ist auch so schon lang und trostlos genug.
Plötzlich wird ihm klar, daß er das Küchenfenster des Nachbarhauses betrachtet. Etwas ist dort anders als sonst. In all den Jahren hat er ab und zu ein Auge auf die Fenster der Nachbarn geworfen. Jetzt gibt es da plötzlich etwas, das anders aussieht. Oder ist es nur die Dunkelheit, die ihn verwirrt? Er schließt die Augen und zählt bis zwanzig, um den Augen eine Pause zu gönnen. Dann schaut er erneut zum Fenster und ist sich jetzt sicher, daß es offensteht. Ein Fenster, das nachts immer geschlossen war, steht plötzlich offen. Und die Stute hat nicht gewiehert ...
Die Stute hat nicht gewiehert, weil der alte Lövgren nicht seinen gewohnten Nachtspaziergang zum Stall gemacht hat, als sich seine Prostata gemeldet und ihn aus dem warmen Bett gejagt hat ...
Das ist doch alles Einbildung, sagt er sich. Meine Augen sehen einfach nicht mehr richtig. Alles ist wie immer. Was soll hier schon passieren? In einem kleinen Dorf wie Lenarp, gleich oberhalb des Kadesees gelegen, an der Straße zum schönen Krageholmsee, mitten im Herzen von Schonen? Hier passiert nichts. Die Zeit steht still in diesem kleinen Dorf, in dem das Leben wie ein Bach ohne Kraft und Willen dahinplätschert. Hier wohnen ein paar alte Bauern, die ihr Land an andere verkauft oder verpachtet haben. Hier wohnen wir und warten auf das Unausweichliche ...
Erneut starrt er das Küchenfenster an und denkt, daß weder Maria noch Johannes Lövgren jemals vergessen würden, es zu schließen. Mit dem Alter stellt sich eine schleichende Angst ein, mehr und mehr Schlösser werden eingebaut, und niemand vergißt, ein Fenster zu schließen, bevor es Nacht wird. Alt zu werden bedeutet, sich zu ängstigen. Die Angst vor etwas Bedrohlichem, die man als Kind hatte, kehrt zurück, wenn man alt wird ...
Ich kann mich anziehen und hinausgehen, denkt er. Mit dem eiskalten Wind im Gesicht durch den Garten humpeln, bis zu dem Zaun, der unsere Grundstücke voneinander trennt. Ich kann mich mit eigenen Augen davon überzeugen, daß ich mir alles nur eingebildet habe.
Aber er beschließt, stehenzubleiben. Bald wird Johannes aufstehen, um Kaffee zu kochen. Erst macht er das Licht auf der Toilette an, dann die Küchenlampe. Alles wird sein wie immer ... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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