Nach "Die Seele der Mörder" und "Jäger in der Finsternis" das dritte interessante Buch von John Douglas. Anfangs bewegt er sich auf den bekannten Bahnen, schildert anhand von ihm bearbeiteter Serienmorde die Methode der Profilerstellung, zeigt Schlussfolgerungen vom Tatort auf die Täterpersönlichkeit auf und stellt das heraus, um was es diesen geht: Manipulation, Dominanz, Kontrolle. Dem Titel zum Trotz geht es in diesem Buch aber nicht nur um Serienmörder. Auf mehr als hundert Seiten befasst er sich ausschließlich mit Vergewaltigern und auch hier ist es faszinierend mitzuverfolgen, wie aus den bloßen Fakten von Opfer und Tatort ein plastisches Bild des Täters und seines Denkens entsteht. Noch mehr Raum nimmt die Rolle der Opfer ein. Douglas schildert die Folgen der Tat auf eindringliche und einfühlsame Weise, gibt Beispiele für Opferhilfeinitiativen. Wie ein roter Faden zieht sich die Forderung nach Stärkung der Opferrechte durch sein Buch. So kompromisslos er sich auf die Seite der Opfer stellt, so drastisch wird diesen ein Täter gegenüber gestellt, der in den seltensten Fällen schuldunfähig ist, sondern aus einem freien Entschluss hin mordet oder vergewaltigt. Deren Obsessionen hält er für nicht korrigierbar und so tritt er konsequent für hohe Strafen und Sicherungsmaßnahmen ein. Ein ganz neuer Aspekt ist die Behandlung des Phänomens "Stalking", des Psychoterrors, den überwiegend Männer gegen Frauen über längere Zeit hin ausüben, um sie sich untertan zu machen. Ständiges Hineindrängen in die Privatsphäre des Opfers, andauernde Anrufe, Belästigungen, Bedrohungen, bis letztendlich hin zum Mord kennzeichnen Stalking, das in vielen Staaten in letzter Zeit zum eigenen Straftatbestand gemacht wurde und auch hier zunehmend diskutiert wird. Manipulation, Dominanz, Kontrolle. Darum geht es in diesem Buch, das ich allen empfehlen kann, die im weitesten Sinne beruflich mit dem Thema zu tun haben, selbst betroffen sein könnten, oder die sich ganz einfach für das Thema interessieren.