So monoton wie eine Galeerentrommel knarrt die Tretmühle, die mich täglich um dieselbe Zeit aus dem Bett schleudert, zur Bahn bringt, ins Büro fährt : Begrabt mein Hirn an der Biegung zur Stechuhr, denn wenn nichts geschieht, werde ich so stumpf wie ein glattgelutschter Kiesel. Wie gut, dass Michael Hauskeller mit Mögliche Welten ein Erfrischungsbuch für den Kopf geschrieben hat, mit dem man sich richtig schön wundern kann beim Zähneputzen, Kaffee machen, auf dem Weg zur Bahn, ins Büro
In 24 Kapiteln, die thematisch aufeinander aufbauen, erfährt der Leser, das wir laut Leibniz in der besten aller möglichen Welten leben es laut Phillip Mainländer aber gerade nicht tun. Dass naturgegebene Menschenrechte Unsinn auf Stelzen sind zumindest wenn es nach Jeremy Bentham geht, der allerdings vor zweihundert Jahren lebte. Aktueller ist Michael Tooley und sein Plädoyer für Kindstötung so der Name des entsprechenden Kapitels, in dem das Recht auf Leben in Frage gestellt und ein für viele Bioethiker maßgebliches Gedankengebäude vorgestellt wird. Außerdem wird in diesem Buch bewiesen, dass die Zeit nicht existiert, genauso wenig wie die Freiheit. Dafür aber wird der Leser mit Derekt Parfits Nichtidentitäts-Problem von der Verantwortung für zukünftige Generationen frei gesprochen.
In kurzen Kapiteln von durchschnittlich fünf Seiten Länge präsentiert Hauskeller ungewöhnliche Ideen aus zwei Jahrtausenden Philosophiegeschichte wobei der Schwerpunkt in der Neuzeit liegt. Das Buch ist weniger ein Ideen-Bestiarium im Sinne von: hör mal, wie abgefahren, sondern eher ein Zerrspiegel, der uns hilft, Gewohntes und scheinbar Klares in Frage zu stellen. Ein Staunenmacher also. Dabei fasst der Research Fellow und Lecturer in Philosophy an der Uni in Exeter, die Gedanken zu unterschiedlichen thematischen Blöcken wie beispielsweise Zeit, Freiheit, Bewusstsein zusammen und beleuchtet so das Problem aus unterschiedlichen und auch kontroversen Perspektiven.
Das Buch ist in einer klaren Sprache geschrieben und humorvoll, ohne verkrampft zu sein. Besonders praktisch ist das schmale Format und das geringe Gewicht des Buches. So kann man es gut überall mit hinnehmen, um es bei Bedarf zum Beispiel galoppierenden Alltagstrott schnell aufzuschlagen.