In der Kurzbeschreibung liess ich mich leider von den Begriffen "Kunsthandwerker" und "ästhetisches Feingefühl" zur Annahme verleiten, dass hier Wildholz zu formschönen Objekten verarbeitet wird, erwartete daneben Tipps und Kniffe von erfahrenen Handwerkern und hoffte auf Vorschläge, wie statische Probleme gelöst werden könnten. Nichts dergleichen! Ich kann das Buch zudem auch aus den folgenden Gründen nicht empfehlen:
1) Die Aufmachung des Einbandes steht diametral zu derjenigen in Innern des Buches. Vornehmlich lieblose Schwarzweiss-Aufnahmen ohne jeglichen Informationsgehalt.
2) Die Möbel wirken (und sind es wohl auch) grob zusammengezimmert und man sehnt sich geradezu nach einem mit ästhetischen Feingefühl ausgestatteten Kunsthandwerker. Robinson Crusoe lässt grüssen, ich bezweifle jedoch, dass ein Vorschulkind mit ein paar Ästen und einer Handvoll Nägel solch lieblose Objekte zustande brächte.
3) Zu guter Letzt versäumen es die Verfasser nicht (es ist eine Sammlung von Kurzaufsätzen von verschiedenen Autoren), den werten Leser mit ihrer Meinung über den Lauf der Welt nach den 68er Jahren und den Nutzen von Abfallholz in Nachbars Garten zu behelligen.
Meine Meinung: Auch bei Wildholz kann zwischendurch ein 90 Grad Winkel nicht schaden. Dieser wurde nicht nur schon vor der Globalisierung erfunden, sondern hat manchmal durchaus seinen Sinn, denn er vollbringt gerade an einem Tisch oder einem Stuhl wahre Wunderwerke wenn es darum geht, Bequemlichkeit und Symmetrie unter einen Hut zu bringen. Ich habe das Buch zurückgesandt. Schade.