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Mäuselmacher: oder die Imagination des Bösen
 
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Mäuselmacher: oder die Imagination des Bösen [Gebundene Ausgabe]

Rainer Beck
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 1008 Seiten
  • Verlag: Beck; Auflage: 2. Auflage. (1. Februar 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3406621872
  • ISBN-13: 978-3406621871
  • Größe und/oder Gewicht: 22,2 x 7,4 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 160.457 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Rainer Beck hat ohne Zweifel einer Kulturgeschichte ersten Ranges geschrieben, eine, die vor allen Dingen auch der Perspektive der Kinder einen großen Platz einräumt." Carla Baum --Die Tageszeitung, 29. November 2011

"Zeilen, die in die Geschichte der Geschichtsschreibung eingehen werden.(...) Eine Analyse von nahezu klassischer Art. (...) "Mäuselmacher" inspiriert den Leser zu philosophischen, sogar poetischen Meditationen und lohnt die Lektüre unbedingt, für solche Bücher gibt es die Geisteswissenschaften." Nils Minkmar --Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Dezember 2011

Kurzbeschreibung

Von 1715 bis 1723 fand in der Bischofsstadt Freising einer der letzten deutschen Hexenprozesse statt. Bettelnde Kinder waren in den Verdacht geraten, Mäuse gezaubert zu haben. Wie ihre Vernehmung und eine langwierige Untersuchung ergaben, sollen sie Gott abgeschworen und sich dem Bösen verschrieben haben. Die meisten von ihnen wurden exekutiert.
In ihrem Ringen ums Überleben berichten die Vernommenen von seltsamen dämonischen Erlebnissen und Taten. Wie in einem Vexierspiel vermengen ihre Geständnisse Realität und Imagination zu einer irritierenden Wirklichkeit. Doch dieser undurchsichtige Entwurf läßt sich entwirren und in seiner Doppelbödigkeit zeigen. Was Hexerei war oder bedeutete, erscheint somit in einem veränderten Licht, sobald man die Geständnisse angeblicher Hexen oder Hexer einer sorgfältigen Analyse unterzieht.
Rainer Beck, der durch seine klassische Studie über Unterfinning bekannt geworden ist, führt die Leser in diesem Buch Schritt für Schritt in bizarre Vorstellungswelten der Vormoderne ein und legt am Beispiel des Freisinger Hexenprozesses eine Kulturgeschichte der konfessionellen Gesellschaft am Vorabend der Aufklärung vor.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Hans-wilhelm Wieczorrek VINE™-PRODUKTTESTER
Von Amazon bestätigter Kauf
Vorab etwas an den Leser diese Buches: Es ist ein schwer zu lesendes Buch. Zum einen, weil es in einer manchmal schwer zu lesenden Sprache geschrieben ist zum anderen, weil es über 900 Seiten umfasst und daher eine gewisse Ausdauer verlangt. Nun, an die Sprache kann man sich gewöhnen, zumal der Autor sich immer wiederkehrender Sprachmuster bedient. Der Umfang macht das Lesen manchmal etwas schwierig, zumal der Autor Exkurse einsträut, wie z.B. über die Bedeutung von Träumen, die sicher interessant aber vielleicht überflüssig sind. Das Buch handelt von zwei Hexenprozessen, die in der Zeit von 1715 bis 1723 im Bistum Freising abgehalten worden. Diese Prozesse wurden überwiegend gegen Kinder oder zumindest Jugendliche geführt. Das Werk kann sich auf gefundene Prozessakten berufen, die der Autor zufällig in einem Archiv gefunden hat. Diese Akten sichtet der Autor und ihm gelingt es, den Prozessverlauf nahezu lückenlos zu rekonstruieren. Eine komplizierte und aufwändige Arbeit, aber wohl eine Lust für den Historiker. Immer wieder steut der Autor Passagen aus den Originaltexten ein. Er versucht das Schwerverbrechen der Hexerei, für das es fatalerweise keine realen Beweise gibt, sondern das allein auf mehr oder minder freiwillig abgegebenen "Geständnissen" und Denunziationen beruht in einen realen Kontext zu stellen. Denn real war die Hexerei zu Beginn der Neuzeit für das Gericht und die Bevölkerung allemal. Auch in Hexenprozessen gab es eine stringente Prozessordnung und reglementierte juristische Vorgegensweise, an die sich die Inquisitoren auch mehr oder weniger hielten. Fast alle Delinquenten gestanden und wurden hingerichtet, zumindest im ersten Prozess. Im zweiten Prozess, in den einige Delinquenten verwickelt waren, die im ersten Prozess mit dem Leben davonkamen, wurden lediglich wenige Todesurteille ausgesprochen und vollstreckt. Der überwiegende Teil der Inquisiten gestand widerrief und das oft mehrere Male. Viele wurden freigelassen, allerdings oft für ihr Leben gezeichnet. Oft wurden sie auch der Stadt verwiesen. Das Buch besticht durch Authenzität und Gründlichkeit. Ein Werk, das sicher auch für ein historisches Seminar geeignet ist.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Spinnosa
Die Besonderheit dieses späten Hexenprozesses, der Anfang des 18. Jh. in Freising statt fand, ist nicht, daß Kinder und Jugendliche die Angeklagten waren, das kam wohl öfter vor, sondern daß die Prozessakten nach fast 300 Jahren noch komplett erhalten sind.
Anhand dieser Akten hat Rainer Beck akribisch den Prozessverlauf rekonstruiert. Dabei macht er es sich und dem Leser nicht leicht, die gängigen Erklärungsmuster (religiöser Fanatismus, Suggestivfragen in Kombination mit Folter) werden zwar nicht komplett infrage gestellt, als alleinige Ursache aber für zu schlicht befunden.
Auch die Tatsache, daß es sich bei den angeklagten Kindern vorwiegend um Waisen handelt, die sich mit Betteln durchschlagen und folglich nur auf das eigene fragile Netzwerk der "Bettelgesellschaft" verlassen können, das im Zweifel nicht sehr tragfähig gewesen sein dürfte, ist nur auf den ersten Blick typisch" für Hexenprozesse.
Rainer Beck gestattet sich viele Abschweifungen, die aber durchaus nötig sind, um dem Leser die aus heutiger Sicht völlig fremdartige Gedankenwelt der vormodernen Gesellschaft verständlich zu machen. Es handelt sich dabei um eine Welt, in der der Teufel oder das Böse nicht als abstraktes Prinzip begriffen wird, sondern als reale Person, die in wandelnder Gestalt jederzeit in jeder beliebigen Alltagssituation in Erscheinung treten kann. Man erzählt sich gerne Geschichten, und die vom Teufel waren schon immer die interessantesten von allen (man denke nur an beliebte Märchen!). So wird verständlich, warum die angeklagten Kinder während des Verhörs ungefragt von angeblichen Begegnungen mit dem Leibhaftigen plaudern und die Inquisitoren zuweilen harmlos-kindliche Phantasien mit dem Teufel in Verbindung bringen.
Mit fatalen Folgen:
Jede kindliche Spinnerei über einen phantastischen Hexensabbat, sogar jeder nächtliche Albtraum wird von den Untersuchungsrichtern analog zur eigenen Voreingenommenheit umgehend als "bewiesene Tatsache" registriert, jeder Widerruf der "Geständnisse" hingegen als verborgene Manipulation des Teufels interpretiert. So wird von den Inquisitoren problemlos sowohl das "Geständnis" als auch der Widerruf desselben in eine selbstreferentielle Realität integriert.

Dabei bringt das Buch den Leser dazu, die eigenen Gedanken ebenfalls zuweilen abschweifen zu lassen.
So fremd einem die Vorstellung sein mag, daß plötzlich der Leibhaftige ganz leibhaftig erscheint, während man vielleicht gerade fest stellt, daß der Akku des Handys leer ist oder im Café draußen nur Kännchen serviert werden - einiges kommt einem durchaus vertraut vor:
Erstens erzählen wir noch immer gerne Geschichten vom Teufel. Die heißen heute nur "Das Schweigen der Lämmer", "Se7en" oder - für die schlichteren Gemüter - "Ein Zombie hängt am Glockenseil".
Und Verschwörungstheorien funktionieren noch immer auf die gleiche Art und Weise wie vor 300 Jahren: Jedes passende Stichwort wird assoziativ der eigenen Wahrheit" einverleibt und nicht passende Details entweder ausgeblendet oder als Part einer sinistren Vertuschungskampagne imaginiert, die eigene Gewißheiten gerade dann bestätigt, wenn die Indizien objektiv dagegen sprechen.

Fazit: Das Buch strengt an. Aber es lohnt sich.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
selten interessante Arbeit 15. Februar 2012
Von Blaubär
Das Buch schildert Umstände und Umfeld eines Geschehens aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts. Nach der Lektüre von etwa einem Sechstel kann ich nur sagen, selten etwas so gut geschriebenes und interessantes gelesen zu haben. Die im Netz verfügbaren Rezensionen sind durchweg positiv, manche meinen, das Ende ziehe sich etwas lang, andere finden das Ende gut. Wie auch immer, ich werde erst mal weiterlesen.
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