... schrieb schon 1970 Peter Demetz über Elisabeth Langgässer und ihre Prosa. Das dürfte heute für die »Märkische Argonautenfahrt«, ihren letzten Roman, erst recht gelten.
Die äußere Handlung ist leicht zusammenzufassen: im Sommer 1945 verlassen sieben verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Motiven Berlin und machen sich auf den Weg zum Kloster Anastasiendorf in der Mark Brandenburg. Gemeinsam ist dieser vom Zufall oder vom Schicksal zusammengewürfelten Reisegesellschaft die Hoffnung, dort so etwas wie Erlösung zu finden, von Schuld, Trauer oder bösen Träumen freizukommen, die sie auch nach dem Ende des Krieges und der Naziherrschaft verfolgen.
Die äußeren Ereignisse während der mehrtägigen Wanderung wären schnell erzählt - was die Buchseiten füllt, sind vor allem Dialoge zwischen den sieben Pilger(inne)n und weiteren Menschen, denen sie unterwegs begegnen. Diese Gespräche kreisen immer wieder um die Frage nach dem Sinn, die sich angesichts der jüngsten Erfahrungen allen schmerzhaft stellt. Letztlich geht es um eine Theodizee, an der Langgässer sich selbst abarbeitet - ohne wirklich eine Antwort geben zu können, zumindest keine, die ich als überzeugenden Ertrag der Lektüre mitnehmen könnte. Beeindruckend ist aber, welch profunde Kenntnis der Bibel, der Kirchenväter und der antiken Mythologie die Autorin in die Dispute ihrer Figuren einfließen lässt. Viele Zitate und Namen erschließen sich nur, wenn man selbst ein wandelndes Lexikon in Sachen Theologie und Geistesgeschichte ist oder wenn man immer wieder auf entsprechende Nachschlagewerke zugreifen kann.