Ich habe noch nie eine Produktrezension geschrieben, aber die Märchenverfilmungen aus der Reihe "Sechs auf einen Streich" möchte ich unbedingt weiterempfehlen. Ich schreibe hier zu Volume 5, weil wir gerade Rapunzel gesehen haben, beziehe mich aber auf alle erschienen Teile, von der wir inzwischen fast alle angeschaut haben.
Zuerst habe ich Grimms Märchen meiner 5 Jahre alten Tochter vorgelesen, obwohl ich erst besorgt war, weil ja nicht alles so rosa wie bei Prinzessin Lillifee zugeht. Trotzdem bin ich der Meinung, dass die Märchen "Lebensweisheiten" verpackt in Geschichten und Bildern transportieren, die zu bestimmten Entwicklungsschritten passen und unbewusst von den Kindern (und Erwachsenen) verstanden werden. So zeigt meine Tochter auch zu manchen Märchen eine besonders hohe Faszination, die ihre Persönlichkeitsstruktur und Situation ansprechen. Die muss ich dann so oft wiederholen, dass es schon fast zur Geduldsprobe wird :)
Als nächstes haben wir dann die Disney-Verfilmung von Aschenputtel angeschaut und ich war sehr enttäuscht. Das ging schon damit los, das wohl aus markenschutztechnischen Gründen das gute Mädel Cinderella heißen muss. Statt der verstorbenen Mutter gibt es eine gute Fee, und vor lauter Mäusejagd und Singerei bleibt im Film keine Zeit zu zeigen, dass Aschenputtel eigentlich dreimal zum Schloß fährt, usw. Es ist schon ein niedlicher Film, aber das ursprüngliche Märchen verkommt zur Inspirationsvorlage.
Zufällig habe ich dann bei Amazon die ARD-Serie "Sechs auf einen Streich" entdeckt und voller Hoffnung bestellt. Für meine Tochter habe ich damit ins schwarze getroffen, sie kann sich daran nicht satt sehen. Hier ist es den Regisseuren gelungen, die Geschichten zwar in historischen Kulissen spielen zu lassen, in Sprache und Erzählweise aber modern zu bleiben. So bleibt es "märchenhaft" aber die Kinder können eine Beziehung zu den Hauptdarstellern aufbauen. Zwar wurden fast alle Märchen um Handlungsstränge erweitert (meist Liebesgeschichten), um auf eine Spiellänge von 60 Minuten zu kommen. Das geht aber nie auf Kosten der Hauptgeschichte. Ganz im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass die Regisseure ein gutes Gespür für die Schlüsselmomente in den Märchen haben und diese auch gekonnt betont haben. Die farbenfrohe Visualisierung wird häufig durch Computeranimationen unterstützt, die zwar nicht immer Hollywoord-Niveau erreichen, aber sehr schön und homogen ins Gesamtbild passen und die ambitionierte Märchendarstellung überhaupt erst ermöglichen. Zu allen Märchen gibt es ein 30-minütige Making-Of, das meine Tochter auch sehr gerne anschaut.
Zu unseren Lieblingsumsetzungen gehören der Froschkönig, Frau Holle, Schneewittchen, Dornröschen und Rapunzel. Bei manchen Märchen gibt es durchaus Szenen, die meiner Tocher beim ersten Mal Anschauen etwas Angst gemacht haben (z.B. Räuber oder böse Hexen). Die Bilder sind aber nicht so, dass sie die kleinen Zuschauer bis in den Schlaf verfolgen, denn oft kommt etwas Lustiges direkt hinterher und auf jeden Fall kommt ein dickes Happy End, wo meine Tochter beim Prinzenkuss dahinschmachtet. Es empfiehlt sich aber, mit kleineren Kindern zusammen zu schauen. Aber das machen wir doch sowieso, oder ;)