Die Oberpfalz hat keine Märchen! Dieses Verdikt galt beinahe 200 Jahre - umso mehr wird es Zeit, dass mit diesem Vorurteil aufgeräumt wird. Denn richtig ist, dass die Oberpfalz wie kaum eine zweite Region in Deutschland über einen regelrechten Märchenschatz verfügt. Zusammengetragen wurde er im 19. Jahrhundert von Franz Xaver Schönwerth, der für seine Arbeit die ungeteilte Anerkennung der Gebrüder Grimm erhielt, in der Öffentlichkeit aber weitgehend vergessen ist. Das liegt auch daran, dass der Großteil der von ihm zusammengetragenen und unverfälscht überlieferten Märchen bis heute im Archiv schlummert. Das Verdienst, einen Einblick in die oberpfälzische Märchenwelt gegeben zu haben, gebührt deshalb der Herausgeberin. Von ihr erfahren wir von Zwergen und Hexen, der Drud und den Holzfräulein, von Irrlichtern, dem Ulerl und anderem mehr. So liefern die Märchen auch einen Hinweis auf die Vorstellungswelt und den Volksglauben der bäuerlichen Bevölkerung in früherer Zeit, die ohne Schönwerth in Vergessenheit geraten wären. Es bleibt nur zu hoffen, dass dem schmalen Band eine umfassende Edition aus dem Nachlass Schönwerths folgen möge!