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Märchen der langen Nächte. Roma-Märchen [Gebundene Ausgabe]

Menyhert Lakatos , György Buda


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Kraft des Wortes

Menyhért Lakatos' Märchenschöpfungen

Märchen sind rar geworden, eine nahezu ausgestorbene Gattung, beerbt von Science-fiction, Fantasy und dem handgreiflichen Kriminalroman. Sie alle zeugen verworren noch von der Sehnsucht, die im Märchen ihren reinsten Ausdruck gefunden hat. Seine klare, unergründliche Form, durch das Ritual unzähliger Wiederholungen entschlackt, konzentriert und geschliffen, erträgt nicht den leisesten Verstoss gegen die innere Wahrhaftigkeit. Es ist daher heute, zumindest in unseren Breitengraden, eine besonders anspruchsvolle Kunst, ein wirkliches Märchen zu dichten.

Menyhért Lakatos, ein ungarisch schreibender Rom, übt diese Kunst meisterhaft aus. Seine «Märchen der langen Nächte» wurden 1995 in Ungarn zum Buch des Jahres ernannt, und die nun vorliegende Übersetzung von György Buda vermag das Verzaubernde dieser Geschichten uneingeschränkt auch im Deutschen zur Wirkung zu bringen. Hervorgegangen aus dem Strom der Roma-Überlieferungen, sind es doch eigenständige Schöpfungen, die den ganzen Reiz und Reichtum dieser Erzählgattung erkennen lassen.

Es ist ja nicht allein der notwendige Sieg des Guten über das Böse, der im Märchen beschworen wird; stets ist es auch ein Entwicklungsroman im kleinen, in dem sich die Metapher des Wegs bildhaft verwirklicht. Alles beginnt hier wie so oft mit dem Wunsch des kinderlosen Königs nach einem Sohn. Dass ihm die Königin einen Krebs gebiert und man dies aufs Wort glaubt: derlei vermag nur das Märchen. Lakatos aber vermag es, mit Ernsthaftigkeit, Witz und Anmut aus dieser Geburt einen ganzen Märchen roman zu spinnen, fast 150 Seiten voller unerhörter Begebenheiten, ohne eine fadenscheinige Stelle, so wenig wie in den übrigen drei sehr viel kürzeren Märchen.

Obwohl auch diese Erzählform ihren unsichtbaren Songlines folgt, besteht sie im Grunde ganz aus wunderbaren Wendungen. Keinen Augenblick aber fragt man sich, wie so etwas möglich sei – etwa wenn ein Wildschwein, das natürlich ein verwunschener Prinz ist, in einem Schloss die köstlichen Speisen auftragen lässt: Es ist das Märchen, das es möglich macht. In ihm erweist sich die Wirklichkeitskraft des Wortes. So ist hier buchstäblich alles möglich, was das Wort ins Dasein ruft. Und das Märchen tut dies mit einer Achtsamkeit, mit einer Ökonomie und Ökologie im Umgang mit Gegenständen, wie sonst nur das Gedicht. Kein Ding wird sinnlos vertan. Ein Schwert, ein Hufeisen, drei goldene Federn oder was immer dem Helden durch das Wort zugespielt wird – letztlich erweist sich gerade dies als notwendig.

Verzauberung, trickreicher Kampf der Zaubermächte, Erlösung: die uralten Märchenmotive entfalten ihre ganze Spielkraft in Lakatos' erzählerischer Phantasie, die orientalische Verschlungenheit und Grimmsche Direktheit vereinigt, ohne je ins Gekünstelte so vieler Kunstmärchen zu verfallen. Es sind Variationen über den winzigen, unerklärlichen Überschuss an Kräften des Guten, die erst heranreifen müssen durch Opfer, Leiden, Überwindung und gegenseitige Hilfe; wohingegen das Böse unwandelbar einzig auf sich selber zählt. Ungewöhnlich der tief menschliche, mitfühlende Zug, der die Helden auszeichnet, gerade weil sie Verstossung und Verachtung am eigenen Leib erfahren haben, «denn», so der Schluss des ersten Märchens, «sie verbannten das Böse aus ihren Herzen».

Gerne hätte man Genaueres über den Autor erfahren, der auch über einen feinen absurden Humor verfügt, aber der Verlag ist nicht in der Lage, mehr mitzuteilen, als dass Lakatos 1926 in Vésto im Komitat Békés geboren wurde, einem «ärmlichen Winkel im Südosten Ungarns», seinem «Roma-Schicksal durch Schulbildung» entronnen und Lehrer und Schriftsteller geworden sei. Vielleicht gehört das Geheimnisvolle zu einem Märchenerzähler? Ärgerlich dagegen die grotesken Satzfehler im kurzen Klappentext. (Nachsatz: Buchstäblich im letztem Moment vor Beendigung dieser Rezension spielt – auch das gehört dazu – der Zufall die 1979 erstmals in der Deutschen Verlags-Anstalt erschienene, längst vergriffene Übersetzung eines autobiographisch grundierten Romans des Autors in die Hände: «Bitterer Rauch». Gemäss diesem Klappentext konnte Lakatos das Gymnasium, das er dank seiner Mutter besuchte, als «Zigeuner» erst nach dem Krieg fortsetzen; ab 1961 arbeitete er als Diplom-Ingenieur, schreibt seit 1970.)

Gleichzeitig hat der Wieser-Verlag einen weiteren Band der Reihe «Das Buch der Ränder» herausgebracht, der hier, auch wenn die Zusammenführung von Dichtern nach nationalen Gesichtspunkten höchst fragwürdig ist, erwähnt werden soll: «Roma-Lyrik aus Ungarn». Die schmale zweisprachige Anthologie versammelt Gedichte von sieben Lyrikern, wobei die Versionen in Romanes ebenfalls Übersetzungen der offenbar ungarischen Originalgedichte sind (auch hier hätte man sich ein Minimum an Erläuterungen gewünscht).

Die lyrische Qualität ist aus den Übersetzungen schwer zu erfassen; am überzeugendsten wirkt der karge Ton des knapp 50jährigen Mitherausgebers József Kovács Hontalon, dem auch weitaus der meiste Platz eingeräumt ist. Die Erfahrungen von Elend, Verfolgung, Vertreibung und Ausrottung durchkerben auch diese Gedichte mit Bitternis, Auflehnung und Trauer: «Dasein – Brandschatzung / nur Träume». Mit gewissermassen verrenkter Hüfte erringen sie sich jedoch da und dort das dichterische Wort, das Wort mit dem winzigen, unerklärlichen Überschuss an Wirklichkeit: «mein Muttersprache-Asyl / Felsen Fischkadaver Rosen».

Taja Gut -- Neue Zürcher Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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