Theweleit ist ein genialer Rezyklierer von Stoffen aller Art. Seine Bücher sind beleibt, aber irgendwie schwerelos. Er packt sein gesamtes Studium, seine ganze Belesenheit zwischen die Buchdeckel, würzt das Ganze mit viel Populärkultur und schnürt es mit einer unbändigen intellektuellen Kreativität zu einem formlosen Gebilde zusammen. Mit einem solchen Unding wie den Männerphantasien, würd ich mal behaupten, hat Theweleit seine akademische Karriere mit hundert Sachen an die Wand gefahren. Das ist aber durchaus auch als Kompliment gemeint. Selten hat der Wissenschaftsbetrieb - in dem der Freiburger bis heute eine Ausnahmeerscheinung darstellt - ein so unterhaltendes, ein so aufrüttelndes und so lehrreiches Opus hervorgebracht. Daran ändern auch die aus heutiger Sicht doch ziemlich verblassten Dauergäste in den Zeilen nichts: der (sexuelle) Freud, der Deleuze, der Lacan oder auch der Canetti. Es lassen sich die Männerphantasien so auch als eine (brillant geschriebene) geistige Abenteuergeschichte lesen. Man muss ihm nicht in all seinen Kaskaden und Biegungen folgen, trotzdem: die Eindringlichkeit, mit der Theweleit den frauenverachtenden und korpsgeilen Nazi beschreibt, wie er ihn aus dessen (Goebbels, Niemöllers, Salomons etc.) "schriftstellerischen" Ergüssen herausdestilliert, ist für mich immer noch unerreicht.