Der eine Stern dafür, dass ein wichtiges Thema angesprochen wird.
Die Arroganz, die Ignoranz mancher Schulmediziner stinkt zum Himmel. Es ist unbestritten, dass wohl viele Operationen unnötig sind, viele Medikamente ohne die nötige Verantwortung verschrieben werden. Das alles gehört gesagt, geschrieben, aufgedeckt.
Nur nicht so, wie Dr. Mendelsohn das macht. Er sabotiert eine an sich gute Sache durch schlechtes, unqualifiziertes, undifferenziertes und damit verantwortungsloses Um-Sich-Schlagen.
Kritik an der Medizin ist angebracht, mehr als das. Kritik muss aber treffsicher sein, begründet und nachvollziebar. Dies alles trifft auf "Männermacht Medizin" nicht zu. Dr. Mendelsohn pauschaliert, verallgemeinert und läßt kein gutes Haar. An niemandem und nichts. Er kritisiert "die Ärzte", "die Pharmaindustrie", "die unnötigen Untersuchungen", die "gefährlichen Medikamente" etc., die "unnötigen Operationen", ohne konkret zu werden.
Laut Mendelsohn werden unwirksame Medikamente verabreicht, die "giftig" und "tödlich" sind. Und das alles nur, damit der Arzt reich wird, Umsatz macht und die Patientin von ihm und den Medikamenten abhängig wird. Mit dem Ziel, den Arzt noch reicher zu machen.
"Leider gibt es einige Ärzte, die nichts lesen - außer ihren Bankauszügen ..." (S. 124).
Auch die Pharmafirmen verkaufen aus reiner Profitgier nicht nur wirkungslose Medikamente, sondern auch solche, von denen sie angeblich wissen, dass sie "schädliche Nebenwirkungen" haben oder sogar tödlich sind.
Verstehe man mich nicht falsch: das alles kommt vor und muss angeprangert werden. Dazu braucht es aber Beweise, Namen, Daten, Fakten, Studien, Belege etc. Mit Verallgemeinerungen ist hier niemandem gedient, am wenigsten dem Patienten. Der verliert das Vertrauen in den Arzt - was er laut Dr. Mendelssohn auch soll: "Ich möchte Sie sehr, sehr zornig machen!"
Die Patientin soll den Arzt genau fragen, ob dieses Medikament wirklich nötig sei, ob es nicht eines gäbe, das besser wirke bei weniger Nebenwirkungen; desgleichen bei Operationen: ob es keine Alternativ-Behandlung gäbe, ob die OP wirklich nötig sei etc. Natürlich muss der Patient fragen dürfen; wenn er es allerdings so tut wie Mendelssohn dies empfiehlt, wird jeder vernünftige Arzt sagen: Ich sehe, Sie vertrauen mir nicht, daher halte ich es für besser, Sie wenden sich an einen anderen Arzt. Dieses Buch zerstört die Vertrauensbildung zwischen Arzt und Patient, eine unbedingte Notwendigkeit zu beider Zusammenarbeit.
Wenn ein Patient oder Klient permanent jede Empfehlung, jede Entscheidung - gleich in welcher Branche - argwöhnisch in Frage stellt, misstrauisch beargwöhnt - ob er sie nach langer Erklärung nun versteht, oder nicht, dann kann man mit ihm nicht arbeiten.
Denn die allermeisten Ärzte handeln verantwortungsvoll.
Das Buch strotzt vor zahlreichen verheerenden fachlichen Fehlern, die ich nur pars pro toto anführen kann:
Röntgen: "Die genetischen Wirkungen der Röntgenanwendungen eines einzigen Jahres führen wahrscheinlich zu 30.000 Todesfällen in den kommenden Jahren." (s. 56). Wohlgemerkt: "... eines einzigen Jahres" (!!). Die allermeisten davon sind natürlich völlig unnötig und nur dazu da, um den Arzt reich zu machen. Man mache auch vor Schwangeren nicht halt und deren Baby. "Da ist dann das arme Wesen schon verstrahlt, noch bevor es geboren wird!" (S. 60).
So vergleicht er den Arzt mit einer Schlange - "Ob ein Schlangenbiß giftig ist, hängt von der Art der Schlange ab, die einen beisst" (S. 206). Zu Recht verwirft er die Beschneidung der Knaben aus medizinischen Gründen als oft unnötig - mit der Ausnahme als religiöses Ritual (S. 213). Was bitteschön ist daran sinnvoll? Außerdem ist diese Beschneidung gefährlich: "Ab und zu rutschte das Messer aus, und - schwupp! weg war das ganze Ding!" (s. 213). Wenn das nicht billige Panikmache ist!
Verhütung, sei es durch die Pille oder die Spirale - alles tödlich. Geburt ist hochriskant im Spital, ob mit oder ohne Kaiserschnitt. Und wenn schon keine medizinischen Fehler passieren und es nicht zu einer der häufig erwähnten "nosokomiale Infektionen" (die durch unsauberes, unverantwortliches Personal, Besteck, Essen und Klimaanlagen-Belüftung von Patient zu Patient übertragen werden - S. 159), dann wird das Baby entführt oder vertauscht (S. 162). Das alles kann bei der Hausgeburt nicht passieren. Auch bei einer schweren (!) Herzattacke sind Sie im Spital nicht besser betreut als zu Hause (S. 163 f.)!!
Kurz und gut, der Beispiele gäbe es viele. Dr. Mendelsohn arbeitet mit Panikmache, mit unqualifizierten Behauptungen, Beschuldigungen und Beschimpfungen (Ärzte sind "Schwachköpfe" - S. 146; "Geburtshelfer sind Idioten" - S. 176), läßt es aber allenthalben an wissenschaftlicher und statistischer Redlichkeit fehlen. Wenn schon die allermeisten Behandlungen, Medikamente, Untersuchungen und Operationen unnötig, gefährlich oder potentiell tödlich sind, so vermisst man Mendelssohns alternative Vorschläge.
Fazit: diese unsachliche Pamphlete ist ein Ärgernis und verschwendete Zeit. Lesen Sie zur Medizinkritik andere Autoren (z.B. Julius Hackethal: Der Meineid des Hippokrates).