„Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" - ein Buch mit derartigem Titel zu kaufen kann mehrere Gründe haben: Vielleicht möchte man einfach mal wieder ein nettes Buch lesen, leicht bekömmlich und amüsant. Ein anderer Grund wäre, sich dieses Buch deshalb zu kaufen, weil man das andere Geschlecht verstehen, und besser mit ihm klarkommen möchte.
Allen, die sich das Buch aus dem ersten Grund kaufen möchten, kann ich sagen: Nur zu! Es ist lustig, sehr unterhaltsam geschrieben, man muss immer mal wieder grinsen, und denkt sich das eine oder andere Mal: Ja, das kenne ich, das hab ich auch schon so erlebt! Aber Vorsicht, denn was hier zu lesen ist, das sind vor allem Klischees und Vorurteile, das möchte ich an folgendem Beispiel aus dem Buch verdeutlichen; Behauptung: Im Allgemeinen kennen sich Männer in Kühlschränken nicht aus! Frage: Warum? Antwort: Na klar, weil sie in der Steinzeit vor allem mit dem Jagen beschäftigt waren, während die Frauen die Höhle in Ordnung hielten! Und das ist das Problem an diesem Buch, denn hier werden vor allem stereotype Rollenmuster präsentiert. Verallgemeinerungen, gestützt auf angebliche Erkenntinsse aus Gehirn- und Evolutionsforschung (die teilweise einfach falsch sind), verwischen den sensiblen Blick auf das Einzigartige in jedem Menschen. Vollkommen verstehen kann man einen anderen Menschen sowieso nicht, und um ihm näher zu kommen, muss man ihn selbst erleben, ihn selbst entdecken. Ein Buch kann das natürlich nicht leisten, und im Prinzip kann ein Buch eben nur mit Verallgemeinerungen arbeiten. Das kann man lesen, um sich zu unterhalten. Aber es kann und darf das eigene Gefühl, die eigene Neugier, und den Blick für den wahren Menschen hinter der Fassade nicht ersetzen.