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Männer mag Mann eben. Schwules Lesebuch Österreich
 
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Männer mag Mann eben. Schwules Lesebuch Österreich [Gebundene Ausgabe]




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Produktbeschreibungen

Karin Cerny, Der Falter, 27. Juni 2001

"Sie tanzen keine Rundtänze, Monsieur? Mit F r a u e n - niemals, Madame." Wenn es um seine erotische Objektwahl geht, weiß Erich Graf von Sanomir nicht nur genau, was er bevorzugt, er überrascht seine glühende Verehrerin, eine geheimnisvolle russische Fürstin, auch mit seiner ungewöhnlichen Offenherzigkeit. "Rundtänze tanze ich nur mit Männern", erwidert er ohne Umschweife. Der seltsame Jüngling sagte das Alles mit der aller unschuldigsten Miene, just als ob es sich von selbst verstünde, staunt die Fürstin, die sich nicht entmutigen läßt und zu einer List greift. Um das Herz des schwulen Grafen doch noch zu gewinnen verkleidet sie sich als Mann. Der Plan geht auf, Erich fängt Feuer, aber als es zu den nackten Tatsachen kommt, weist er sie entrüstet zurück und besteht auf seiner gleichgeschlechtlichen Wahl. Wir schreiben das Jahr 1868 als der Autor Graf Emerich Stadion, wie seine Figur aus österreichischem Uradel stammend, seine Erzählung "Leonor", die sich wie ein früher schwuler Heftchenroman liest, verfasst. Damals verstand es sich keineswegs von selbst, so selbstbewusst mit seiner Homosexualität umzugehen, der Paragraph 129, die sogenannte "Unzucht wider die Natur", der männliche Homosexualität kriminalisierte, wird erst rund hundert Jahre später, 1971, abgeschafft. Interessanterweise kann man um 1870 trotzdem in der heimischen Literatur eine Art Trend beobachten, eine liberale Phase, in der es möglich war, nicht nur zwischen den Zeilen sondern sehr offen über Liebe und Sex zwischen Männern zu schreiben.

Andreas Brunner und Hannes Sulzenbacher, die beiden Herausgeber des schwulen Lesebuchs "Männer mag Mann eben", beschreiben in ihrem angenehm informativen Vorwort jene schwule Aufbruchsstimmung, in der auch das Wort Homosexualität von dem österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Kertbeny 1869 "erfunden" wurde. Vor allem aus dieser Zeit gibt es zahlreiche Autoren zu entdecken, die heute zum Großteil in Vergessenheit geraten sind. Etwa den schillernden Emil Mario Vacano, der in jungen Jahren als Kunstreiterin (!) Furore gemacht und später in einem Kloster als Nonne gelebt haben soll. In seinen autobiografischen Schriften tritt er als männliche Figur mit dem weiblichen Namen Speranza auf. Als "schmucker Junge", der zugleich ein "eitles Mädchen" ist, kommt er selbst bei einem Herzog gut an.

Der Streifzug durch die Jahrhunderte führt durch ungeahnte schwule Freiheiten, gefolgt von heftigen Repressionen - Heinz Heger beschreibt seine Zeit im KZ - sowie durch literarische Moden. Literarische Kaliber wie Robert Musil und Stefan Zweig, fest im Hetero-Literaturkanon verankert, stehen neben Unbekannten, Hochkultur neben Schund, Porno neben Sehnsuchtslyrik, SM neben Heimatschmalz. Von Peter Rosegger etwa findet sich eine master-and- servant-Geschichte zwischen einem schwulen Gutsherrn und seinem Stalljungen, einem Naturburschen, der sich für die Pferde (!) und gegen die schwule Liebe entscheidet. Von H.C. Artmann und Ernst Jandl sind schwule Wortspiele abgedruckt, und die modernen Klassiker wie Josef Winkler, Belmen O und Hermes Phettberg fehlen natürlich auch nicht. Wer bei einigen Namen gestaunt hat und fragt: ist der denn schwul? Darum geht es überhaupt nicht, man muß schließlich nicht schwul sein, um schwule Figuren zu kreieren, betonten die Herausgeber, denen es um eine schwule Literaturgeschichte geht, nicht primär um eine der schwulen Autoren. Wie schwierig die noch immer zu schreiben ist, wird deutlich an den Texten von Thomas Bernhard, dessen Geheimwort für Homosexualität "Holzfällen" bereits Alfred Pfabigan ausführlich analysiert hat. Für das schwule Lesebuch wurden die entsprechenden Textstellen nicht freigegeben und durften nicht gedruckt werden. Die Herausgeber zitieren stattdessen klugerweise Pfabigan im Vorwort. Das war schon immer so, ob in der Liebe oder in der Literatur: Was man nicht darf, aber unbedingt will, dafür findet man Mittel und Wege, und das ist gut so. "Männer mag Mann eben" ist eine der zartesten Versuchungen seit es schwule Literatur gibt.

Kurzbeschreibung

Für diese Anthologie wurden Texte aus fast 150 Jahren österreichischer Literaturgeschichte ausgewählt, die sich literarisch mit gleichgeschlechtlichem Begehren auseinander setzen. Jedoch war dies nicht das einzige Kriterium für die Aufnahme in diese Zusammenstellung. So stehen ein literaturgeschichtlicher, ein sexualwissenschaftlicher und ein archäologischer Ansatz nebeneinander. Es wurden Texte entweder aufgrund ihrer Qualität oder wegen ihres bemerkenswerten Umgangs mit dem Thema Homosexualität ausgewählt, ein wichtiger Grund war aber auch, gerade bei den frühen Texten, sie wieder an die Öffentlichkeit zu bringen.

Mit Texten von: Emerich Graf Stadion, Emil Mario Vacano, Adolf von Wilbrandt, Leopold von Sacher-Masoch, Peter Rosegger, Leopold Andrian, Josef Kitir, Karl Freiherr von Levetzow, Robert Musil, Karl Kraus, Richard Werther, Arnolt Bronnen, Joseph Roth, Ferdinand Bruckner, Stefan Zweig, Richard Billinger, Alfred Grünewald, Heinz Heger, Erich Lifka, Enzio Hauser, Erich Fried, H. C. Artmann, Ernst Jandl, Josef Winkler, Günther George, Felix Mitterer, Belmen O, Uwe Bolius, Günter Tolar, Hermes Phettberg, Siegfried Hetz, Peter Nathschläger und Jörg Feiertag


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