Bob Wilton und seine Frau Deborah arbeiten bei einem Zeitungsverlag, dem "Ann Arbor Daily Telegram". Deborah verlässt Bob für den Chefredakteur Dave, ein etwas älterer Mann mit einer Armprothese und beginnender Stirnglatze. Dies bricht Bob das Herz und er beschließt in den Irak zu ziehen. Was tun (manche) Männer denen das Herz gebrochen wurde? Sie ziehen in den Krieg.
Haben Sie Verständnis für Bob? Weil Ihr Herz auch schon mal gebrochen wurde? Dann sollten Sie den Film anschauen. Er wird sie vielleicht aufheitern.
Oder Ihr Herz kann nicht gebrochen werden und Sie halten Bob für einen Spinner. Und sie mögen keine Spinner, weil es zu viele davon gibt? Dann können Sie sich den Film ersparen. Doch eines lassen Sie sich trotzdem sagen: "in dieser Geschichte steckt mehr Wahrheit als Sie glauben". Als Bobs kleines Glück zerbricht, befindet er sich schon auf der Schwelle zu einer anderen Welt, "mitten in dem Kampf zwischen den Mächten des Guten und des Bösen".
Sie werden vielleicht denken, dass Sie das Gute und das Böse jeden Tag erleben können, wozu also dieser Film? Stimmt! Aber die großen Meister in diesem Kampf, die Jedi finden Sie dort wo die großen Schlachten geschlagen werden.
Wollten Sie auch schon mal ein Jedi sein? Dann sollten Sie den Film anschauen. Lyn Cassady, ein Jedi, wird Ihnen sagen warum: "die Menschen laufen mit Scheuklappen durch die Welt" doch die Jedi beherrschen die "Fernwahrnehmung".
Sie glauben es gibt keine Jedi? Dann lassen Sie die Finger von dem Film, aber Sie sollten trotzdem wissen: "es gibt keine ernsthafte Alternative zum Weg des Wundervollen".
Sie müssen kein Jedi sein oder werden wollen, noch müssen Sie sich für das Paranormale interessieren um diesen Film zu mögen. Sie können ihn einfach nur als die Geschichte eines Reporters anschauen, ein Reporter der anfangs nur mit der Banalität in Berührung kommt bis er eines Tages den Boden unter den Füßen verliert. Dies ändert seinen Blickpunkt und er kriegt einen Einblick in eine ihm bis dahin unbekannte Welt. Die Geschichte erscheint recht skurril und wer nie die Erfahrung einer plötzlichen Blickpunktveränderung gemacht hat, der wird ihre Plausibilität in Frage stellen. Selbst der Humor dieser Erzählung wird erst richtig zugänglich wenn man sich vorbehaltlos auf die Geschichte einlässt:
Lyn, Bob und der Iraker Mahmoud laufen während eines Straßengefechtes eine Mauer entlang. Überall schlagen Kugeln ein. Die Katastrophe scheint unvermeidbar doch keiner wird getroffen. Ist das witzig? Nicht wirklich, doch vor Erleichterung musste ich lachen.
In anderen Rezensionen wurde der Sinn dieses Filmes angesprochen. Da war sicher ein anderer Sinn gemeint als der Sinn eines jeden Filmes, den Zuschauer zu unterhalten. Aus den Rezensionen ist ersichtlich, dass der Film von etwa der Hälfte der Rezensenten als unterhaltsam betrachtet wird und somit für diese, so wie auch für mich, diesen Sinn hat. Ob er darüber hinaus noch einen anderen Sinn hat? Mein Eindruck war, dass dem Zuschauer freigestellt bleiben soll wie viel er hinein interpretieren möchte. Ergibt etwa die Szene in welcher Deborah mit den Fingerspitzen zärtlich über Daves Armprothese streicht für Sie einen Sinn? Oder weckt diese Szene in Ihnen zumindest einige Fragen, auf die Sie eine Antwort suchen? Wenn ja, dann werden Sie vielleicht in diesem Film einen Sinn finden. Wenn Ihre einzige Frage jedoch ist, wieso der Regisseur diese "unnötige", "langweilige", "absurde" Szene im Film behalten hat, dann wird der Film für Sie wahrscheinlich keinen Sinn ergeben.
Mahmoud schenkt Lyn und Bob das einzige was ihm noch verblieben war, sein Auto. Lyn und Bob fahren mit dem Auto fort, auf nimmer Wiedersehen. Die Kamera verweilt auf Mahmoud der allein in der Mitte der staubigen, verlassenen Straße steht, mit den Händen in den Hosentaschen. Was stellt diese Szene für Sie dar? Bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Langeweile oder die Gelegenheit sich in die Gemütsverfassung des Irakers hineinzuversetzen? Im ersten Fall haben Sie 9,99 Euro "in den Sand der irakischen Wüste gesetzt". Sie sollten den Film so schnell wie möglich loswerden. Vielleicht reduzieren Sie auf diese Weise Ihren Schaden und was noch wichtiger ist, vielleicht hat ihn dann jemand der was damit anfangen kann.
Bis auf eine "Schlüsselszene" der man so etwas wie "eine Botschaft" entnehmen könnte, begnügt sich der Film damit zu erzählen, statt Botschaften zu verkünden. Humor, Parodie, Satire, Komödie, Kritik, das alles ist an diversen Stellen im Film enthalten, doch nirgendwo wird etwas davon als Ziel verfolgt. All das ist implizit, absichtlich "unbeabsichtigt", der Erzählung inhärent. Ist die Erzählung deswegen unglaubwürdig? Ach wo! Vielleicht ein wenig übertrieben, aber Übertreibung gehört doch zu einer guten Erzählung. Lyn kann "Wolken sprengen". Kann er es tatsächlich? Nun, ich kann es auch, oder besser gesagt, ich habe es auch schon mal geschafft. Ja, OK! Vielleicht hätte sich die Wolke auch ohne mein Zutun aufgelöst. Wolken tun das gelegentlich. Stimmt auch, dass es mir nicht immer gelingt, genau genommen, bisher nur einmal und leider war auch keiner dabei, aber vielleicht schaffe ich es auch ein zweites Mal. Lyn kann das jedenfalls besser, vielleicht hat er eine hervorragende Beobachtungsgabe und sucht sich diejenigen Wolken aus die kurz vor der Auflösung stehen.
Jeder hat die Freiheit dem Film so viel Sinn zu entnehmen wie ihm bekommt. Möglichkeiten und Anlässe zur Interpretation werden reichlich geboten doch gibt es diesbezüglich keinen Zwang. Bis auf die eine "Schlüsselszene" ist der Film nicht explizit und auch da wird "die Botschaft" unmittelbar von Bobs Interpretation derselben überlagert, so wie vom Sand der Wüste. Und meinem Empfinden nach ist das OK, denn "die Botschaft" ist einerseits banal und andererseits doch schwer zu fassen, so wie die gesamte Realität selbst. Bob beginnt etwas davon zu ahnen doch bis zum Verstehen ist es noch weit und so schränkt er Lyns Aussage ein, statt ihre gesamte Tragweite zu erkennen. Nichts ist so banal und doch so unfasslich wie die nackte Realität. Macht das den Film schlecht? Nicht aus meiner Sicht und wenn ja, dann doch wenigstens konsequent: die Bösen werden nicht vernichtet, nur auf ihren Platz verwiesen und die Guten können am Ende wieder lächeln denn "Ihre Sanftmut ist ihre Stärke" und "wie alle Schamanen kehrten sie in die Sphären des Himmels zurück".